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20. April 2010
Globetrotter mit A nker in Buchenbach
Wolf Schneider fühlt sich auf der ganzen Welt zu Hause / Sein neuer historischer Roman handelt von den Kanaren.
BUCHENBACH. Wie sagte schon Johann Wolfgang von Goethe: Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen. Wolf Schneider ist weit gereist: Er war in 82 Ländern und in etwa 20 autonomen Gebieten, kennt die verschiedensten Kulturen und Völker dieser Erde und hat viel gesehen. Im vergangenen Jahr erschien der zweite historische Roman des in Buchenbach lebenden Autors. Er trägt den Titel "Islas Canarias" und handelt von der Eroberung der Inselgruppe durch die Spanier.
"Die Kanaren sind faszinierend", sagt Wolf Schneider und beginnt zu erzählen: Von den Guanchen, den blonden und blauäugigen Ureinwohnern der Kanaren, die um 3000 vor Christus von Nordafrika auf die Inseln kamen; von El Hierro, dem schweigsamen, ernsten Eiland, auf dem man selten einem Menschen begegnet und von San Borondón, der sagenumwobenen achte Insel, die es nicht gibt und die doch auf Karten des Mittelalters eingezeichnet ist. "San Borondón ist ein wunderschönen Hintergrund für einen Roman. All dieses Mystische, Fantastische passt wunderbar."Schreiben war schon immer etwas, woran Wolf Schneider Freude hatte. "In der Schule war ich immer seht gut in Deutsch, aber Physik, oje", sagt er lachend. Seit 20 Jahren hat Wolf Schneider einen Brandschutz- und Feuerlöschdienst. "Doch ich bin ein schlechter Selbstständiger, denn ich bin ständig weg." Dennoch: Seinen Beruf macht er gerne, Schreiben jedoch ist seine Passion. "In meiner Gedankenwelt entstehen so viele Geschichten, diese zu Papier bringen, ist wie ein Zwang." Wolf Schneider hat viel zu erzählen – von aller Herren Länder, von Menschen, die ihm begegnet sind, von Kulturen und Erlebnissen in fernen Ländern. "In Namibia habe ich einmal Zebra gegessen. Für mich war das so etwas wie Kannibalismus. Man erstarrt beim ersten Bissen, denn man isst die Seele des Tieres mit."
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Das riesige Bücherregel im Wohnzimmer steht voller Literatur und Reiseführer. "Goethes Reiseberichte mag ich sehr gerne. Jeder Kleinigkeit, auch wenn er sie nur mit dem Blick aus der Kutsche streifte, gibt er einen Sinn." Seine Lieblingsautorin jedoch ist Käthe Papke. "Ihr Schreibstil ist faszinierend und sie hat mich wohl bei meinem ersten Buch inspiriert."
Dass er gerne schreibt, merkt man auch wenn er spricht: Er liebt schöne Worte, schmückt gerne aus, benutzt Sprache nicht nur zur Kommunikation, sondern auch um deren Schönheit willen.
"Ich hab ständig Fernweh", erzählt Wolf Schneider, "Sobald ich nach Hause komme, überlege ich mir, wohin ich als nächstes gehe." Doch wo ist man zu Hause, wenn man ständig auf Reisen ist? "Das ist schwierig, gedanklich bin ich in jedem Kontinenten zu Hause, aber richtig daheim bin ich eigentlich in Buchenbach." Das ewige Fernweh überfiel ihn nach seiner einjährigen Weltreise Ende der achtziger Jahre. Seit dem zieht es ihn in die weite Welt und ganz besonders nach Nordkorea. "Das ist wirklich ein unglaublich großer Wunsch, einmal nach Nordkorea zu gehen. Doch in nächster Zeit sieht es schlecht aus."
Nicht nur die Globalisierung macht die Welt kleiner, auch für den, der viel gesehen hat, scheint sie kleiner. "Meine Frau, gebürtige Freiburgerin, habe ich in Chile kennengelernt. Und als ich in Neuseeland war, traf ich einen jungen Deutschen, der aus meinem Nachbardorf stammte, den ich aber nicht kannte", erzählt Wolf Schneider.
Wer viel reist, sieht viel, doch es sind nicht immer schöne Reiseerinnerungen. Im Tikal-Nationalpark sah er die Erosionen, die durch die Rodung der Regenwälder verursacht werden. "Das tut echt weh, und manchmal habe ich Angst, dass auch noch das letzte Stück unberührte Natur vom Menschen zerstört wird." Doch noch gibt es Ecken, an welchen kein Mensch jemals war.
Ob es nun San Borodón gibt oder nicht. Glaubt er an die Sage von der Insel? "Wer mein Buch liest, wird es heraus finden", sagt Wolf Schneider und lächelt geheimnisvoll.
Autor: Laura Schmid
