Hat ein Lebensmittelladen Zukunft?

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Sa, 17. Juni 2017

Buchenbach

Nach der Schließung des Geschäfts von Christian Renner sucht die Gemeinde Buchenbach nach einem Nachfolger.

BUCHENBACH. Noch gibt es Hoffnung für einen Lebensmittelladen in Buchenbach. Nach der überraschenden Schließung des Lebensmittelladens von Christian Renner führt Bürgermeister Harald Reinhard Gespräche mit möglichen Nachfolgern. Die Aussichten sind jedoch alles andere als rosig. Auch ein genossenschaftlich betriebener Laden und die Einführung eines Markttages sind im Gespräch.

In der Hauptstraße 14 wird eine gemeindeeigene Räumlichkeit mit einer Fläche von etwa 100 Quadratmetern frei, weil die Praxis für Krankengymnastik und Physiotherapie auszieht. Der Gemeinderat hat in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, dass ein Lebensmittelladen gegenüber anderen Ideen für die zukünftige Nutzung oberste Priorität hat. Der Rat hat Bürgermeister Harald Reinhard damit beauftragt, Gespräche mit möglichen Nachfolgern zu führen. In der Gemeinderatsitzung am 26. Juni soll über das weitere Vorgehen beraten werden.

Das örtliche Gewerbe
Reinhard hat den ortsansässigen Gewerbetreibenden angeboten, die Versorgung mit Lebensmitteln und Artikeln für den täglichen Bedarf zu übernehmen und dafür die Räume in der Hauptstraße 14 zu nutzen. Diese stehen dem Angebot jedoch zurückhaltend gegenüber.

Bäcker Sascha Kreutz will nicht in das Dorfladengeschäft einsteigen – in diesem Bereich habe er keine Erfahrungen. Er sagt auch: "Ich glaube nicht, dass das ein Lebensmittelladen in Buchenbach wirtschaftlich zu betreiben ist." Er hat jedoch begonnen, sein Angebot an Milchprodukten ein wenig zu erweitern und bietet jetzt auch Joghurt an. "Wir hören in die Kundschaft rein, was für Wünsche es gibt", sagt er. Für mehr als ein bis zwei zusätzliche Artikel fehle jedoch der Platz – einen Ersatz für den Lebensmittelmarkt könne er nicht bieten.

Auch Martin Fritz von der gleichnamigen Metzgerei hat kein Interesse daran, einen weiteren Laden aufzumachen. Sein Sortiment erweitern will er nicht. Fritz glaubt nicht daran, dass ein Lebensmittelgeschäft in Buchenbach eine Zukunft hat.

Jürgen Gerlach vom Schwarzwälder Landmarkt, der in Buchenbach eine Filiale betreibt, will sich noch nicht festlegen. Er sei zwar "grundsätzlich nicht abgeneigt", es fehle aber an den richtigen Räumlichkeiten und der richtigen Idee. Gerlach sagt: "Die Zeit des kleinen Dorfladens ist vorbei." Einen Hofladen, der lokale Produkte vertreibt, hält er für denkbar. Ein funktionierendes Ladenkonzept benötige aber mindestens 300 Quadratmeter Fläche, so Gerlach

Die Edeka-Betreiber
Bis zur Gemeinderatssitzung am 26. Juni will Reinhard auch mit Markus Strecker und Johannes Ruf gesprochen haben, die Beide verschiedene Edeka-Filialen in Freiburg und Umland betreiben. Allzu große Hoffnungen kann sich die Gemeinde dabei aber nicht machen, zumindest nicht auf einer Fläche von 100 Quadratmetern. Strecker hat früher in Stegen ein Geschäft mit 200 Quadratmetern betrieben – das habe sich kaum gelohnt. Erst seit er auf 700 Quadratmetern ein breites Sortiment anbieten kann, stimmt das Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Auch für Johannes Ruf ist auf 100 Quadratmetern nichts zu machen. Zudem habe er mit dem in Sölden geplanten Supermarkt genug zu tun, wo er viel Gegenwind bekommt.

Die Erfahrungen Christian Renners
Über allen Erwägungen um die Zukunft des Lebensmittelmarktes in Buchenbach schweben die Erfahrungen Christian Renners. Dieser hatte sein Geschäft nach 27 Jahren Anfang Mai überraschend aufgegeben. Er sagt: "Ich habe alles versucht." Er habe ebenso hochpreisige Bioprodukte wie günstige Artikel angeboten, auch mit einem Brötchenlieferservice am Wochenende habe er es versucht. Aufwand und Ertrag hätten sich trotzdem nicht mehr gerechnet. "Ich bin 51 Jahre alt, noch kann ich den Absprung schaffen. In fünf Jahren wäre das vielleicht nicht mehr möglich." Dass der Laden nicht mehr lief, erklärt sich Renner durch den gesellschaftlichen Wandel: "Die Alten sterben aus, und die Jungen schätzen den Laden im Ort nicht mehr." Frauen seien heute ebenso wie die Männer berufstätig, in den meisten Haushalten gebe es nun zwei Autos. Auch die Konkurrenz aus Kirchzarten sei härter geworden.


Genossenschaft und Markttag
Renner hält einen genossenschaftlich organisierten Laden für denkbar. Die Bürger könnten Anteile an dem Geschäft erwerben, der Laden müsste zunächst vor allem ehrenamtlich betrieben werden. "So könnte eine Kundenbindung gelingen", sagt Renner. Vorbilder sind die Dorfläden in Rötenbach und Müllheim-Britzingen. Dies sei für die Gemeinde aber mit einigem Aufwand verbunden, so Reinhard. Es müsse sich zeigen, ob daran überhaupt Interesse bestehe. Er hält auch die Einführung eines Markttages für denkbar. Beide Optionen sollen in der nächsten Gemeinderatssitzung zur Sprache kommen.