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02. März 2009
Scheibenbuben hatten viel Arbeit
Gemeinsam mit "Scheibenvater" Markus Stiegeler hatten sie 750 Scheiben gefertigt und den Holzstoß für das Feuer aufgebaut
BUCHENBACH-WAGENSTEIG "Schibii, Schibo, wem soll die Schiebe go?" Wenn dieser Ruf auf der Höhe über dem Wagensteigtal ertönt, liegt der arbeitsreichste Teil des Scheibenschlagens mit erheblichem Zeitaufwand hinter den Scheibenbuben. So war es auch dieses Jahr am vergangenen Samstag. Ihr Engagement mit dem Ziel, einen traditionellen Brauch wach zu halten, geht gewissermaßen in Feuer und Rauch auf.
Ist es nur der Spaß am Spiel mit dem Feuer oder steckt mehr hinter dem leuchtenden Spektakel? Die Antwort darauf ergab sich aus der Gelegenheit, die Scheibenbuben viele Wochen hindurch bei ihren Vorbereitungen bis zu dem Zeitpunkt zu beobachten, an dem der Holzstoß aufgerichtet war.Der zeitliche Ursprung des Scheibenschlagens liegt in vorchristlicher Zeit; es markierte den Ausgang der Winterzeit. Geschichte und Tradition weichen im Brauchtum der einzelnen Talgemeinden nur unwesentlich voneinander ab. Aber ohne örtliche Trägergruppe kein Scheibenschlagen! In Wagensteig sind es 25 Jugendliche, die sich zur Gemeinschaft der Scheibenbuben zusammengeschlossen haben. "Es ist schön", sagt Markus Stiegeler, der diesjährige, für ein Jahr gewählte "Scheibenvater", dass es "nicht weniger" werden.
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Einige Wochen vor dem Ereignis werden 750 Scheiben mit viel handwerklichem Geschick alljährlich in der Werkstatt eines hilfreichen Schreiners angefertigt. Aus Abschnitten von Buchholzbrettern entstehen maschinell in vielen Freizeitstunden die schräg gehobelten Scheiben in Form einer stumpfen Pyramide mit einem Loch in der Mitte.
Die Scheibenbuben tragen in der folgenden Zeit gespendetes Holz aus ortsnahen Waldstücken zusammen; hieraus entsteht ein aufgeschichteter Turm von fast 100 Kubikmetern, auf dem Areal über dem Saierhof, Wirts Acker. In der Mitte des Turms, hoch über der letzten Schicht aus Tannenreisig, hängt an einer Stange als Strohpuppe "d’Hex". Daneben auf der Wiese wird auch die Scheibenbank als Abschussrampe für die glühend gemachten Holzscheiben installiert.
Samstagmittag ist alles fertig. Das Ritual, das bei Anbruch der Dunkelheit beginnt, "wird von Generation zu Generation weitergegeben", betont Scheibenvater Stiegeler und erläutert den weiteren Verlauf des Ereignisses: Um 18.45 Uhr beginnt die Glocke der Nikolauskapelle zu läuten; ihr Klang begleitet die Scheibenbuben nach oben auf den Berg. Vor Beginn des Feuerzaubers umrunden die Scheibenbuben den Holzstoß und beten dabei den "Engel des Herrn". "Die Schieb soll de heiligschde Dreifaldigkeit, dem Pfarrer und dem Bürgermeister si", heißt es, wenn die erste glühende Scheibe mit einem Haselnuss-Stecken von der Rampe hinunter in die Tiefe geschleudert wird. Dann widmen die Scheibenbuben jeder Familie im Dörfle eine Scheibe. Ein brennendes Feuerrad aus Drahtgeflecht und Stroh rollt zum Abschluss des Scheibenschlagens ins Tal.
Unüberhörbar ziehen am Sonntag die Scheibenbuben von Haus zu Haus, verschenken eine mit ihren Namen verzierte Holzscheibe und verkünden ihre "einzige Bitte": "Das Unheil verschone Familie und Haus", jedoch mit dem Nachsatz: "Und wollt Ihr uns beschenken, mit Wein, Bier, Speck oder Geld sogar, so wollen wir uns bedanken und wieder Scheiben schlagen im nächsten Jahr". Mit ihrem freundlichen Empfang der Scheibenbuben sichern sich die Wagensteiger so das Scheibenschlagen im nächsten Jahr. Aber die jungen Männer würden es 2010 auch ohnedies wieder tun.
Autor: Ulrich Kluge


