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10. Juli 2012
Bürger feiern mit ihren Beschützern
Feuerwehr Auggen wurde vor 150 Jahren gegründet und gehörte zu den Ersten im Feuerlöschwesen des Großherzogtums Baden.
AUGGEN. Nach einem verheerenden Großfeuer im Oktober 1727 bekannte sich Superintendent Johann Lorentz Hölzlein als "mitweinender Pfarrer im gestraften Auggen" und lud seine "betrübten Pfarrkinder" zu einem aufmunternden Gottesdienst ein. Nachbarschaftliche Brandhelfer gab es zwar schon damals, aber die Feuerwehr wurde erst 1862 gegründet. Am kommenden Wochenende feiert die Auggener Wehr ihren 150. Geburtstag.
Schon im 17. Jahrhundert waren alle erwachsenen Männer des Dorfes, eingeteilt in vier Gruppen, zur Hilfe im Brandfall verpflichtet. Unverzichtbare Bausteine waren die Handwerkszünfte, da diese über Organisationstalent verfügten, heißt es in der Feuerwehrchronik. Die Wasserbeschaffung regelten die Küfer, und jeder Bürger eilte mit einem Löscheimer aus Leder zur Brandstelle. Die erste Feuerwehrspritze erhielt Auggen schon 1774, der folgte 1845 eine fahrbare Spritze und 1851 die erste Feuerleiter. Mit Leitern, schweren Feuerhaken und einer Handdruckspritze ausgestattet waren damals auch schon die Bürger von Hach.Als im früheren Großherzogtum Baden das Feuerlöschwesen landesweit eingerichtet wurde, zählte Auggen noch vor Müllheim zu den ersten Gemeinden in der Region mit einer eigenen Wehr. Diese bestand 1862 aus 118 Männern – inklusive der wichtigen Trommler, die im noch drahtlosen Zeitalter lautstark zum Einsatz riefen. Unter Feuerwehrhauptmann August Schaub fand 1863 die Fahnenweihe statt. Ein Jahr später stellte die Wehr ihre Einsatzbereitschaft beim Brand des Wohnhauses von Jakob Zöllin unter Beweis. Zwischen 1893 und 1895 musste die Wehr acht Mal in Auggen ausrücken.
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Auf den kostspieligen Erwerb einer Motorspritze, die 1928 zur Diskussion stand, verzichte die Wehr wegen knapper Geldmittel. Doch ein Jahr später hätte man die Spritze gut brauchen können, als das Gasthaus Krone trotz umfangreicher Löscharbeiten einem Großbrand zum Opfer fiel. 1930 wurde bei der Generalversammlung statt Bier erstmals Wein ausgeschenkt. Da Feuerwehrleute laut Chronik "nicht selten über einen beachtlichen Durst verfügen" vermerkte Schriftführer Robert Gugelmeier im damaligen Protokoll: "Sollte mit diesem Quantum Wein der Durst nicht gestillt sein, wird jedem Kamerad vom Wirt Fritz Bolanz zum Tagespreis nachgeschenkt." 1934 gab Bürgermeister Hermann Pfunder sein Amt als stellvertretender Kommandant an Wilhelm Krumm ab. Nach dem II. Weltkrieg, der 20 Kameraden das Leben gekostet hatte, bildeten 56 Männer die neue Wehr unter Kommandant Fritz Muser.
Ende der 1950er Jahre kämpfte die Feuerwehr vor allem gegen Unwetter. 1962 wurde Helmut Röther Kommandant. Der spätere Ehrenkommandant führte die Wehr bis 1989. Das erste große Löschfahrzeug wurde 1968 angeschafft. Dessen Kosten von 31 800 Mark hat die Gemeinde mit den Einnahmen aus dem Holzhieb finanziert. Erste Funkgeräte gab es 1979, die Jugendfeuerwehr wurde 1983 gegründet. Drei Jahre später konnte die Feuerwehr in das Gebäude der alten Winzergenossenschaft, ihrem heutigen Standort, umziehen. Umgebaut wurde das neue Domizil mit 1500 ehrenamtlichen Helferstunden der Wehrmänner.
Angeregt von Günter Kiefer – er war ab 1989 zehn Jahre lang Kommandant – kauft die Gemeinde 1996 das neue Löschfahrzeug für stolze 325 000 Mark. Vor elf Jahren wurde die Ausstattung um einen Mannschaftstransportwagen erweitert, und neuerdings hat die Wehr – vor allem dank privater Spenden – eine Wärmebildkamera. Timo Richter war 13 Jahre lang Feuerwehrkommandant, bis sein Nachfolger Patrick Barthelmes im März 2012 zum Kommandanten bestellt wurde. Die Freiwillige Feuerwehr Auggen besteht heute aus 30 Aktiven, darunter eine Frau – Sprechfunkerin Carina Wehrle – sowie fünf Jugendlichen und 15 Kameraden in der Altersmannschaft. Stellvertretender Kommandant ist Ulrich Mast, Schriftführer Dominik Kittler, Kassenwart Philip Kiefer. Alle Kameraden setzen sich derzeit gemeinsam ein für die Vorbereitungen zum zweitägigen Jubiläumsfest mit Rahmenprogramm.
Autor: Sigrid Umiger



