Bürger machen ihrem Ärger Luft

Reinhard Cremer

Von Reinhard Cremer

Fr, 09. November 2018

Efringen-Kirchen

Anwohner stellen kritische Fragen – an Kühl und auch ans Landratsamt / Hess: Unversehrtheit des Menschen muss im Vordergrund stehen.

EFRINGEN-KIRCHEN (cre). Bei der Informationsveranstaltung im Nachgang zum Brand bei der Firma Kühl machten viele Anwesende ihrem Ärger Luft. In der Fragerunde monierten mehrere Bürger, unter anderem Hans-Jürgen Scheer, ein für sie fehlendes aktives Löschsystem in der Lagerhalle. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Matthias Gutheil, entgegnete, dass man nach den früheren Bränden in Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde "alles Mögliche" getan habe, damit es nicht zu einem erneuten Brand komme. Scheer schilderte, er habe sich tagelang gefühlt, als lebe er "in einem Aschenbecher".

Gemeinderat Rudolf Ritz griff dies auf und bekannte, "schockiert" zu sein angesichts der Tatsache, dass bei ungünstigen Windverhältnissen der ganze Rauch über das angrenzende Wohngebiet gezogen wäre. Rauch sei bereits in geringen Mengen toxisch, sagte er. Daraufhin entspann sich eine wissenschaftliche Diskussion zwischen Ritz und dem von Kühl mit Lösungen beauftragten Ingenieur Andreas Hagemann, die von Bürgermeister Schmid mit dem Hinweis beendet wurde, man wolle jetzt keine "Anfängervorlesung in Chemie" abhalten.

Auf die Frage des Bürgers Marco Jansen, ob denn auch das Brandschutzkonzept angepasst worden sei, antwortete Georg Lutz vom Fachbereich Umwelt des Landratsamts, dass die von Kühl nach dem Brand ergriffenen Maßnahmen wie vom Amt vorgegeben vorgenommen worden seien. Lutz erklärte: "Wir sind keine Brandschutzexperten, Sachverständige nehmen für uns eine Risikoanalyse vor, auf deren Basis wir dann entscheiden." Zum Thema Kontrollen sagte Lutz, dass die Zahlen offiziell der Gemeinde zugestellt würden und jedem zur Einsicht zur Verfügung stünden.

Selina Denzer wollte von Gutheil wissen, ob weiterführende Maßnahmen am fehlenden Geld des Unternehmens gescheitert seien und somit Auswirkungen auf den Brand gehabt hätten. Gutheil wies dies von sich mit dem Hinweis auf die nachlesbaren, guten Geschäftsergebnisse des Betriebs. Er wiederholte, dass alle Kühl-Standorte gleich ausgestattet seien. Gutheil hielt am jetzigen Standort fest, räumte jedoch ein, dass künftige Erweiterungen der Niederlassung bei passenden Angeboten auch auf anderem Gelände angesiedelt werden könnten. "Der Mensch ist immer noch der schlimmste Abfallentsorger", sprach er auch noch das Problem an, dass Leute Problemstoffe oder Sprühdosen in den Müll werfen, die dort nicht hingehören.

Rat Karlfrieder Hess attestierte, dass Kühl "nicht an der Spitze" stehe. "Es gibt Schlimmere!" Er forderte als Fazit seiner umfassenden Aufzählung der Unzulänglichkeiten aber, dass – wie jetzt beim Diesel – die Unversehrtheit des Bürgers im Vordergrund stehen müsse. Zudem sollten Genehmigungen sich nicht auf das beziehen, was war, sondern auf das, wie es künftig sein soll. Seiner Meinung nach könne der derzeitige Standort so nicht akzeptiert werden. Anwohner Alexander Müller warf dem Unternehmen vor, erst auf Beschwerden hin zu reagieren. Die Recyclinganlagen seien "auf billigste Weise gebaut worden", so sein Vorwurf. Irmtraud Töppler kritisierte, dass die kontrollierende Behörde gleichzeitig Auftraggeber sei. Behördenvertreter Georg Lutz wies den angedeuteten Interessenkonflikt von sich, Auftraggeber und Kontrollbehörde im Landratsamt seien nicht identisch.

Gegen Ende der Veranstaltung platzte dem ehemaligen Feuerwehrkommandanten Werner Schmid ganz offenkundig der Kragen. Zwar könne die Feuerwehr keine Vorgaben zum Thema Brandschutz machen, sagte er, doch sei es unbestritten, dass nur eine bis zum Dach oder darüber hinaus ragende Brandschutzwand das Überspringen des Feuers von einem Bereich in den anderen verhindere. Er rief das Unternehmen auf, dringend mehr zu tun, als das Landratsamt verlange.

Auf den ironischen Vorwurf des Gewerbevereinsvorsitzenden Helmut Vormann hin, das Unternehmen habe sich zur besseren Außendarstellung bisher an keiner Gewerbeschau beteiligt, versprach Gutheil, bei der nächsten Schau in drei Jahren dabei zu sein. Zudem lud er alle Interessierten, möglichst in kleinen Gruppen, zur geführten Besichtigung in die Efringen-Kirchener Niederlassung.