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12. Dezember 2009

Bürger wehrten sich gegen Deponie

BZ-SERIE KAHLENBERG (TEIL 3): Wie die stillgelegte Eisenerzgrube in Ringsheim zur Deponie gewandelt wurde /.

  1. Umwandlung der Grube Kahlenberg in eine Deponie. Vorne die Gebäude, dahinter die rekultivierte Kippe Süd und das Nordfeld, das heute noch genutzt wird. Foto: DEPONIE

  2. Georg Gibis Foto: TRU

RINGSHEIM. Vor 40 Jahren endete eine Ära: Die Grube Kahlenberg stellte nach rund 30 Betriebsjahren die Eisenerzförderung ein. Der ober- und untertägige Abbau hatte die Vorberglandschaft bei Ringsheim nachhaltig verändert. Die Badische Zeitung blendet zurück und erinnert in einer Artikelreihe an die wörtlich zu nehmenden riesigen Umwälzungen am Kahlenberg.

Der wohl am weitesten verbreitete Irrglaube bezüglich der Stilllegung der Eisenerzgrube Kahlenberg im Jahr 1969 ist, dass die bis dahin aufgefahrenen mehr als 30 Kilometer Stollen anschließend mit Müll verfüllt wurden. "Das wäre völlig unmöglich", sagt der heutige Deponiechef Georg Gibis. Wie die Grube tatsächlich zur Deponie gewandelt wurde, ist Thema des dritten Teils der BZ-Reihe.

Zunächst galt es, die stillgelegte Grube zu sichern. Zahlreiche Mundlöcher wurden gesprengt, ebenso zahlreiche untertägige Abbaue – zu Bruch geschossen, wie die Bergleute sagen. Nur einige Hauptstollen erhielten Eisentore, besonders die auf dem Ringsheimer Grubengelände.

Dort galt es auch, das mehr als 100 Hektar große Tagebauareal zu sichern. Damals genügte ein vier Meter hoher Zaun, der Abbau wurde allerdings in dem Zustand belassen wie er war: Eine gelblich klaffende Wunde an der Ostflanke des Kahlenbergs, zur Rekultivierung waren die Betreiber der Barbara Erzbergbau GmbH nicht verpflichtet.

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Die Idee mit der Deponie kam recht schnell auf, die Deponien der Landkreise Emmendingen und Lahr waren fast alle rappelvoll. Gegen die Widerstände einer Bürgerinitiative mit Bürgern aus Ringsheim, Ettenheim und Herbolzheim erfolgte bereits im Mai 1973 der sogenannte Planfeststellungsbeschluss, womit die Deponie in Betrieb gehen konnte.

Auf die Idee, den Müll in die Stollen und Kammern unter Tage zu stopfen, kam aber niemand. "Viel zu aufwendig und gefährlich", sagt Georg Gibis. Die Deponiegase würden für eine ständige Explosionsgefahr sorgen und eine Abdichtung wäre wohl kaum möglich. Giftstoffe könnten mit dem Grubenwasser ins Grundwasser gelangen. Der Müll kam daher nicht in die Stollen, sondern in eine Schlucht, die der Tagebau hinterlassen hatte, genannt Kippe Süd, südlich der ehemaligen Grubengebäude, von denen heute nur noch die alte Werkstatt steht.

In die 16,6 Hektar große Kippe Süd wurden bis 1983 etwa 1,4 Millionen Tonnen Müll eingebaut. Das erledigten unter anderem große Walzmaschinen, die Kompaktoren. Es galt, den Müll möglichst stark zu verdichten, aber auch mit Drainagen den Abfluss des Deponiewassers zu sichern (das wird in einer Kläranlage auf dem Deponiegelände gereinigt) und die Deponiegase aufzufangen. Diese wurden früher abgefackelt, heute wird damit in einem Blockheizkraftwerk vorwiegend elektrischer Strom gewonnen. Noch rund 50 Jahre, schätzt Gibis, wird aus der Deponie noch Gas ausströmen. Um es einzufangen, sind zahlreiche Gasbrunnnen gesetzt, ihre weißen Deckel sind am Berg allerorten zu finden. Auch nördlich der Deponiegebäude, denn von 1984 an wurde dort in einer riesigen Tagebaumulde ein zweites Deponiefeld aufgefüllt.

Der eingelagerte Müll wurde zunächst täglich mit Erde bedeckt

Der Müll wurde zunächst täglich mit Erde bedeckt, aber das verbrauchte viel Deponievolumen und zudem stellte sich bald heraus, dass die Erde die Gerüche nicht ausreichend abdeckte. Den Ringsheimern stank das wortwörtlich gewaltig. 1993 war der Protest besonders heftig, die Deponieleitung musste sich etwas einfallen lassen und gab zahlreiche Studien und Messungen in Auftrag. Von 1994 an wurde nicht mehr mit Erde, sondern mit Deponieschaum abgedichtet, zudem wurde viel Geld in eine bessere Entwässerung und Entgasung investiert. Sogar eine sogenannte Deo-Kanone kam zum Einsatz, kurzzeitig roch die Deponie nach Shampoo, aber das hielt nicht lange an. 1995 kam gab es einen Störfall und es stank besonders stark. Die Bürger organisierten eine Demonstration, forderten die Schließung der Deponie und drohten mit Sitzblockaden. Fortan wurden die Deponie unter anderem mit Plastikfolien abgedeckt, Gestank und damit Klagen sind seither im Dorf kaum noch zu vernehmen.

Seit 2005 ist zudem die neue Deponieverordnung in Kraft. Deponiert werden dürfen seither nur noch mineralische Stoffe, etwa Bauschutt, die sich kaum noch zersetzen und daher auch nicht stinken. "In Europa ist die Deponie ein Auslaufmodell", sagt Deponieleiter Gibis. Rund 500 000 Kubikmeter haben noch Platz am Kahlenberg, eine Erweiterung hält Gibis für nicht wahrscheinlich und "wohl auch nicht durchsetzbar."

Die Nachsorge von Deponie und Bergbau wird Gibis und seine Mitarbeiter aber noch Jahrzehnte beschäftigen. Dazu zählt die Sicherung der ehemaligen Stollen ebenso, wie die Entgasung und Entwässerung der Deponie – und natürlich die Rekultivierung. Was dafür alles geleistet werden muss, dazu mehr im nächsten Teil der BZ-Serie.

Autor: Stefan Merkle