Region

Bürgermeister wollen rasche Umsetzung der Radschnellwege ins Freiburger Umland – aber nicht dafür bezahlen

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Do, 12. Juli 2018 um 09:18 Uhr

Freiburg

Die Bürgermeister in der Region bekräftigen ihre Forderung nach der raschen Realisierung der geplanten Radschnellwege nach Freiburg. Gleichzeitig fordern sie die Landesregierung zur Finanzierung auf.

Mit dem Regionalverband Südlicher Oberrhein wollen die Städte Freiburg, Emmendingen und Waldkirch sowie die Gemeinden Denzlingen, Gundelfingen, March und Umkirch Druck aufs Land ausüben. Nach den geförderten Machbarkeitsstudien sollen auch die konkreten Planungen und Baukosten mit einem Großteil finanziell übernommen werden.

"Das Land ist gut beraten, hier kräftig zu investieren"Freiburger Baubürgermeister Martin Haag
Rund 30 Millionen Euro sollen die beiden von Gutachtern vorgeschlagenen Trassen von Freiburg ins Umland kosten. Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag findet das vergleichsweise gering – vor allem bei dem in puncto Verkehrsbelastung und Luftreinhaltung großen Gewinn, den die Radschnellwege brächten. "Das Land ist gut beraten, hier kräftig zu investieren", sagt Haag. Er weiß aber, dass die Finanzierung kein Spaziergang wird. "Manchmal seien die Nüsse eben dicker, die zu knacken sind", sagt auch Emmendingens Oberbürgermeister Stefan Schlatterer.

10 000 Radfahrer sollen die Radwege pro Tag nutzen

Er sieht das Verkehrsministerium in der Verantwortung, denn über das große Potenzial dürfe das Land nicht einfach hinwegsehen. In der Machbarkeitsstudie, die im Juni präsentiert wurde, kam heraus, dass die 26,2 Kilometer lange Strecke über Gundelfingen in Richtung Denzlingen und Emmendingen sowie nach Waldkirch den höchsten Kosten-Nutzen-Faktor im Ländle hat. "Das allein ist doch schon Grund genug, hier in die Bresche zu springen", findet Gundelfingens Bürgermeister Raphael Walz.

Insgesamt gibt es nach Schätzungen ein Potenzial von weit über 10 000 Radfahrern pro Tag in der Region um Freiburg. "Es geht auch darum, einem Kulturwandel Rechnung zu tragen", betont Schlatterer. Bisher galt, dass das Radfahren für Pendler nicht so attraktiv ist. Doch mit E-Bikes habe sich das geändert. Bis zu 20 Kilometer oder auch länger, so Schlatterer, seien daher kein Problem mehr.

"Und alles ist sinnvoll für Ökologie und Ökonomie", ergänzt Roman Götzmann, Oberbürgermeister von Waldkirch. Dass das Ministerium bereits drei andere Strecken im Land aus einem Fördertopf finanziert hat,findet er, wie seine Amtskollegen, ärgerlich. Dass bis 2025 insgesamt zehn Radschnellwege ohne Hindernisse wie Ampeln oder Kreuzungen entstehen sollen, spornt jedoch weiter an. "Neben dem Ausbau müssen auch Pflege und Unterhalt der Trassen Ländersache sein", fordert Denzlingens Bürgermeister Markus Hollemann. Neben der gestern von allen unterzeichneten Absichtserklärung sei es daher wichtig, mit den Landtagsabgeordneten dauerhaft über das Thema zu sprechen. Martin Haag, der die Radschnellwege als perfekte Ergänzung zu den städtischen Vorrangrouten sieht, ist sich sicher, dass Verkehrsminister Winfried Herrmann die Radler-Region Freiburg nicht vernachlässigen wird.

Beleuchtung und Räumdienst auch Aufgabe des Landes

Auch eine dieses Jahr noch im Landtag zu beschließende Novelle zum Straßengesetz mache Mut, findet Dieter Karlin. Der Direktor des Regionalverbands Südlicher Oberrhein hofft darauf, dass Radschnellwege Ländersache werden und damit dann auch Beleuchtung und Räumdienst. "Das kann keine kommunale Aufgabe sein", sagt er und betont: "Wer die Studie zu 80 Prozent finanziert, kann im Anschluss nicht einfach stehen bleiben." Das gelte auch für die ausgewählte 7,4- Kilometer-Trasse, die für 12,5 Millionen Euro entlang der S-Bahntrasse in Richtung March entstehen könnte. "Ich bin froh, dass wir hier zusammen einen Vorstoß machen", sagt Helmut Mursa, Bürgermeister von March. Und sein Amtskollege aus Umkirch, Walter Laub, sagt: "Wir werden dafür kämpfen, dass das Land die Kosten übernimmt."

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