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23. Januar 2012 15:47 Uhr

Tarifkonflikt

Busfahrerstreik im Markgräflerland – mit welchen Folgen?

Keine Schulbusse: Die Busfahrer der Firma Will haben in Müllheim und Umgebung gestreikt. Schüler kamen trotzdem zu den Schulen – dank Eltern und Fahrgemeinschaften.

  1. Rund 25 Busfahrer der Firma Will informierten am Müllheimer Busbahnhof die Passanten über die Gründe ihres Streiks. Sie wurden von Udo Grotz (vorne links), Vorsitzender des DGB-Ortsverbands, unterstützt. Foto: Philipp

Manche hatten angesichts des Busfahrerstreiks bei der Firma Will am Montag vor Schulbeginn an den Müllheimer Schulen ein Verkehrschaos erwartet. Doch die Appelle der Schulleitungen, rechtzeitig zu kommen und Fahrgemeinschaften zu bilden, hatten offenbar gefruchtet. Mit Hilfe von vier Streifen des Müllheimer Polizeireviers konnte der Verkehr rund um Müllheims Schulen flüssig gehalten und Gefahrensituationen vermieden werden. Auch andernorts hatten sich Schulen, Schüler und Eltern auf den Streik eingestellt, etwa in Schliengen.

"Es ist wichtig, dass hier Flagge gezeigt wird, lasst euch nicht kirre machen!" Appell an die Streikenden
"Wir haben hier einen ganz entspannten Umgang mit der Situation", sagte Heribert Hertramph, Direktor am Markgräfler Gymnasium in Müllheim, wo ein Großteil der auswärtigen Schüler in der Regel mit Will-Bussen zur Schule kommt. Etwa 20 Minuten mussten die Polizisten an der Kreuzung Bismarckstraße/Goethestraße den Verkehr regeln, um die in Pulks zu Fuß oder mit dem Velo kommenden Schüler sicher über die Straße zu bringen und den Pkw-Verkehr am Laufen zu halten. "Ich finde nicht, dass hier mehr los ist als sonst", meinte ein Vater aus Schweighof, der seinen Sohn öfter zur Schule fährt. Viele ankommende Autos waren voll besetzt, die Kofferräume voller Schulranzen, der Appell, Fahrgemeinschaften zu bilden, hatte offenbar gewirkt. Kurz vor acht Uhr hatte sich die Lage vollständig normalisiert, die Polizei rückte ab.

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In zwei Klassen des Markgräfler Gymnasiums waren zur ersten Stunde Prüfungslehrproben von Referendaren angesetzt. Hier habe man an die Schüler appelliert, rechtzeitig da zu sein, sagte Hertramph.

Verständnis, aber auch Verärgerung in Schliengen

In einer dieser Stunden seien zwar zwei Schüler etwas zu spät gekommen, doch die betroffene Referendarin habe sich nicht beeinträchtigt gefühlt.

Währenddessen standen etwa 25 streikende Busfahrer der Firma Will am Müllheimer Busbahnhof, um im Gespräch mit Passanten auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Udo Grotz, Vorsitzender des Müllheimer DGB-Ortsverbands, sprach den Streikenden Mut zu: "Es ist wichtig, dass hier Flagge gezeigt wird, lasst euch nicht kirre machen!" Es streike niemand ohne Grund, sagte er der BZ. Hier gehe es nicht in erster Linie um eine Lohnrunde, sondern um eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Auch wenn ihr Arbeitgeber im Vergleich zum Manteltarif besser bezahle, sei das eine freiwillige Leistung, die jederzeit zurückgenommen werden könne, sagte ein Busfahrer, der seit 25 Jahren im Linienverkehr fährt. "Eine Betriebsvereinbarung ist das eine und ein Manteltarifvertrag, auf den man sich verlassen kann, das andere."

Busfahrer fordern andere Schichtzeiten

Eine Verbesserung fordern die Busfahrer beispielsweise bei den Schichtzeiten. Bis zu 14 Stunden dauere eine Schicht, das Fahren selbst werde immer anstrengender, da die Belastungen durch renitente Fahrgäste, vor allem durch Jugendliche, stetig wüchsen. "Der Respekt ist weg", sagte ein Kollege resigniert. Diese Attacken und Rangeleien, gegen die ein Busfahrer nicht das Geringste unternehmen könne, seien das eigentlich Stressige. "Das Fahren selbst ist das Allerwenigste", sagte er. Was die Fahrer außerdem belastet, sind die vielen Fortbildungsveranstaltungen, die sie in ihrer Freizeit absolvieren müssen. "Da fährt man nach Freiburg, sitzt acht Stunden im Seminar und fährt wieder zurück, da ist der Tag weg", erklärte einer. Rückendeckung erhielten die Streikenden auch durch die Gewerkschaftsfunktionärin Gabriele Fieback von Verdi. Auch Passanten hätten sich verständnisvoll gezeigt, als man ihnen die Gründe für den Ausstand erläuterte, sagte einer der Streikenden.

Auch vor der Hebelschule in Schliengen gab es am frühen Morgen zwischen 7.15 Uhr und 7.30 Uhr kleinere Autoschlangen wegen des Busfahrerstreiks bei Will. Betroffen waren die Schüler der Hebelschule, aber auch die der weiterführenden Schulen in Neuenburg und Müllheim, die in Eggenertal, Liel und Kandern wohnen. Kaum mal saß nur ein Kind im Auto – die meisten waren voll besetzt. Das zeugte von einer guten Absprache. Große Autos waren am frühen Morgen für Transporte besonders gefragt, wie ein Schüler bei den Vorabtelefonaten unter den Eltern mitbekommen hatte. Die Familien hatten bereits im Vorfeld von den Schulen erfahren, dass der Busverkehr gestört sein könnte. Viele Schüler und ihre Väter und Mütter hatten aber auch in der Zeitung gelesen, dass der Fahrerstreik angekündigt war. Einige Eltern ärgerten sich darüber. "Schließlich zahle ich für zwei Kinder jeden Monat 70 Euro, damit sie nach Neuenburg und Müllheim kommen", erklärte eine Mutter. Eine andere, die "allerdings sowieso jeden Tag mit dem Auto ihre Kinder von Müllheim aus an die Hebelschule bringt", war der Ansicht, dass man bei einem Streik immer beide Seiten betrachten müsse.

Will-Chef: "Erstaunlich ruhig"

Andreas Hecker aus Liel fuhr mit seinem VW-Bus gleich mehrere Runden. Beim ersten Mal setzte er kurz nach sieben Uhr fünf Schüler an der Hebelschule ab und fuhr dann gleich wieder los. "Ich schau jetzt mal, wer noch an den Haltestellen steht und vergessen wurde, die Schüler sammle ich ein und bringe sie nach Schliengen", sagte er pragmatisch.

Als "erstaunlich ruhig" bezeichnete Will-Geschäftsführer Mathias Heck den Verlauf des Streiktags. Weder habe es Beschwerden gegeben, noch seien ihm Verkehrsprobleme bekannt geworden. Nach einem Gespräch mit Gabriele Fieback von Verdi hofft Heck, dass mit der ganztätigen Arbeitsniederlegung der Streik für Will beendet ist – "wegen der besonderen Bedingungen" bei seiner Firma, die ihre Fahrer übertariflich bezahlt. "Wenn’s so wäre, wären wir gut durchgekommen durch den Streik", sagte Mathias Heck.

Autor: Dorothee Philipp, Jutta Schütz und Andrea Drescher