Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. Dezember 2011

DER ANDERE BLICK: Der Landwirt

BZ-SERIE:So war das Jahr 2011 aus Sicht von Hermann Ritter.

  1. H. Ritter Foto: umi

MÜLLHEIM/BUGGINGEN. Welche Spuren hinterlässt ein Jahr? Manche Ereignisse waren traurig, andere stimmten hoffnungsvoll. Einige waren eng mit Personen vor Ort verknüpft, andere geschahen in weiter Ferne und wirkten sich trotzdem auf die Menschen im Markgräflerland aus. Die Badische Zeitung lässt Vertreter hiesiger Vereine, Interessenverbände und Behörden zu Wort kommen. In dieser Ausgabe bilanziert Hermann Ritter, der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes BLHV Müllheim, das Jahr 2011:

"Uns Landwirten hat das Jahr ein Wechselbad der Gefühle beschert, vor allem wegen der anhaltenden Trockenheit. Sie war bereits im Frühjahr sehr extrem und ich persönlich habe noch nie einen so trockenen November erlebt wie in diesem Jahr. Zum Glück haben uns die fehlenden Niederschläge im Frühjahr doch nicht ganz so hart getroffen wie befürchtet.

Das Blatt hat sich durch Niederschläge im Juni gewendet. Die Ernte ist letztendlich besser als befürchtet ausgefallen. Dennoch mussten Landwirte, deren Äcker auf sehr trockenen Standorten liegen, also auf Böden mit kiesigem Untergrund wie den Feldern entlang des Rheins, Ertrags- und Qualitätsverluste hinnehmen. Gleichzeitig wurden aber auf Feldern, wo Beregnungsanlagen eingesetzt werden konnten, und im Gebiet der Vorbergzone überdurchschnittliche Ernteerträge erzielt.

Werbung


Die Erzeugerpreise waren in 2011 im Allgemeinen recht gut, mit Ausnahme der Ferkelerzeuger und für Schweinemastbetriebe. Diese mussten Mindereinnahmen verbuchen. Generell hat sich aber auch für andere Landwirte die Preis-Kosten-Relation nicht wesentlich verbessert, da die Betriebsmittelpreise ebenfalls gestiegen sind. Der sprichwörtlich goldene Oktober hat dieses Jahr schon im September begonnen und bis in den Dezember angehalten. Erstaunt hat der Monat November. Normalerweise rechnen Landwirte damit, dass sie im November wegen anhaltender Nässe ihre Äcker nicht pflügen können. Doch das Jahr 2011 hat alles auf den Kopf gestellt. Wir konnten zwar wie gewohnt nicht pflügen, aber nicht wegen der Nässe, sondern wegen der Trockenheit. Das ist, so lange ich denken kann, noch nie vorgekommen.

Aus der Situation der Landwirtschaft betrachtet, bin ich davon überzeugt, dass wir stark gefordert sind, auf den Klimawandel zu reagieren. Ich denke etwa an die Züchtung trockentoleranter Pflanzen, eine wasserschonende Bodenbearbeitung und an ein effizientes Energiemanagement. Die Energiewende erfordert dringend die Entwicklung eines sogenannten ’regionalen Energiemixes’. Hier liegen die Herausforderungen und Zukunftsaufgaben der Landwirtschaft, aber auch der gesamten Gesellschaft."

Autor: Protokoll: Sigrid Umiger