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30. August 2010
Die Frühreifen: Solaris und Findling werden schon gelesen
Erste Weinlese: Öko-Weingut Ruesch in Buggingen herbstete am Samstag Solaris, das Weingut Zimmermann in Schliengen holt heute die ersten Findlingtrauben.
MARKGRÄFLERLAND. In diesem Herbst erwarten die Winzer keine verfrühte, sondern eine normale Lesezeit, die Mitte September beginnt. Es gibt aber Rebsorten, die zwischen Blüte und Ernte weniger als die obligatorischen 100 Tage für die Reife brauchen. Zum Beispiel die pilzresistente Rebe Solaris und der Findling, eine Mutation der Sorte Müller-Thurgau.
Am Samstag hat das Bugginger Öko-Weingut Ruesch seinen ersten Solaris mit einem Mostgewicht von 92 Grad Öchsle gelesen. Der Biowinzer keltert daraus Traubensaft, Wein und aus der diesjährigen Lese erstmals auch einen Perlwein, den er "Solaris-Seccolino" nennt. Im Vorjahr wurde der Solaris des Bugginger Weinguts als "Bester Badischer Biowein 2009" ausgezeichnet.
Die 1975 neu gezüchtete weiße Rebsorte ist bekannt für fruchtige Weine. Die Rebe ist gerade im Ökoanbau sehr beliebt, weil sie eine gute Frostfestigkeit hat und resistent ist gegen Peronospora, den "falschen" Mehltau. Gegen den Fäulnispilz Botrytis ist aber auch diese Rebe nicht gewappnet. Daher war die frühe Lese trotz und wegen der feuchten Witterung notwendig. Außerdem sei, so Friedrich Ruesch, ein kühleres Erntewetter ganz gut, denn bei Hitze bestehe die Gefahr einer zu schnellen Gärung. Das gelte aber generell für alle Trauben.
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Zwischen den Solaris-Rebstockreihen hat der Winzer Wicken und Roggen gesät. Wicken seien gute Stickstoffsammler und versorgen die Böden auf natürliche Art mit Stickstoff. Weil Wicken aber auch die Eigenschaft haben, sich um die Rebstöcke zu ranken, stellt man ihnen Getreide zur Seite, den Roggen. Um dessen Halme können sich dann die Wicken nach Belieben winden, sagt Friedrich Ruesch.
Die erste Weinlese des Jahres beginnt heute, Montag, auch im Weingut Zimmermann in Schliengen. Hier geht es um die Neuzüchtung Findling, eine Mutation aus der Rebe Müller-Thurgau, die erstmals 1971 als neue Sorte zugelassen wurde. Der Findling reife schneller als andere Rebsorten und habe eine relativ niedrige Säure, sagt Weingutsbesitzer Karl-Ernst Zimmermann. Das seien hervorragende Eigenschaften für einen "Neuen Süßen", erklärt der Fachmann.
Bereits am Samstag hat der Winzer bei seinen Findling-Trauben ein Mostgewicht von 77 Grad Öchsle gemessen und nennt das "optimal für einen harmonisch-fruchtigen Wein". Aus der kompletten Ernte keltert das Weingut Zimmermann seinen ersten "Neuen". Den gibt es noch diese Woche, ab Freitag – "fädrewieß", wie der Markgräfler sagt – in seiner Weinschenke Zimmermann. Dass der "Neue" stets mit einer echten "Ziebelewaie" – dem alemannischen Zwiebelkuchen mit Speck – kredenzt werde, sei selbstverständlich, sagt Karl-Ernst Zimmermann.
Solaris und Findling sind aber nur die ersten Vorboten des diesjährigen Weinjahrgangs. In den Reben reifen noch viele gute Traubensorten, auf deren Verarbeitung die Kellermeister warten. In zwei Wochen geht die Lese richtig los. Und alle Winzer hoffen, dass das "Gold" des Markgräflerlandes bis dahin noch ein bisschen von der Sonne verwöhnt wird.
Autor: Sigrid Umiger
