"Es gab keine Vorurteile über Frauen in einer Männerdomäne"

Sigrid Umiger

Von Sigrid Umiger

Do, 20. Juli 2017

Buggingen

BZ-INTERVIEW mit Katharina Ebi, die als Kachelofenbauerin im Berufswettbewerb auf baden-württembergischer Ebene als Beste abgeschnitten hat.

BUGGINGEN. Der Beruf des Kachelofenbauers ist immer noch eine Männerdomäne. Katharina Ebi war die einzige Frau in ihrer Berufsschulklasse in Stuttgart, aber besser als alle Männer. Die Gesellenprüfung als Kachelofen- und Luftheizungsbauerin hat sie als Beste in ganz Baden-Württemberg und Zweitbeste im Bundeswettbewerb abgeschlossen. Ausgebildet wurde sie in der Bugginger Firma Markgräfler Ofenbau, dem Meisterbetrieb ihres Vaters Rainer Ebi. Mit der 27-jährigen Katharina Ebi sprach Sigrid Umiger.

BZ: Sie sind nicht nur Kammersiegerin der Handwerkskammer Freiburg, sondern auch die Beste in Baden-Württemberg, wofür Sie der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima ausgezeichnet hat. Wie haben das die Mitschüler aufgenommen?

Ebi: Sehr gut. Ich hatte nie Probleme mit den Jungs, es gab keine Vorurteile gegenüber Frauen in einer Männerdomäne, im Gegenteil. Die Männer haben sich sogar gefreut, dass endlich auch mal eine Frau diesen Beruf ergreift. Beim Blockunterricht in Stuttgart waren wir 23 Auszubildende, nicht nur aus Baden-Württemberg, sondern auch aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und aus Hessen. Mir hat die Schule Spaß gemacht.

BZ: War Ihnen schon immer klar, dass Sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten wollen?

Ebi: Nein, überhaupt nicht. Ich hatte schon immer viele Interessen, und da ich Tiere liebe, habe ich nach meinem Abitur in der Tierklinik Dr. Breuer in Müllheim eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten absolviert. Lustig ist, dass meine damalige Berufsschulklasse nur aus Mädchen bestand. Danach wollte ich eigentlich Tierärztin werden, aber der Gedanke an ein fünfjähriges Studium mit viel Theorie hat mich abgeschreckt. Ich liebe praktische Arbeit. Deshalb habe ich mich umorientiert. Mit dem Kachelofenbau bin ich ja aufgewachsen und das hat mich stets interessiert.

BZ: Was war den Ihr preisgekröntes Gesellenstück?

Ebi: Gesellenstücke gibt es in diesem Metier nicht, denn der Aufbau eines Kachelofens dauert acht bis zehn Tage. Wir hatten alle die gleiche Aufgabe und mussten innerhalb von sechs Prüfungsstunden das Logo der Kachelofenbauerinnung in einen Viererblock von zwei Zentimeter dicken Kacheln einarbeiten. Alles von Hand ohne elektrische Werkzeuge, nur mit Hammer, Dorn, Meißel und Haumesser. Das ist nicht einfach, wenn man nur ein bisschen daneben klopft, ist gleich eine ganze Kachel kaputt.

BZ: Warum macht Ihnen gerade dieser Beruf Spaß?

Ebi: Er ist sehr abwechslungsreich, erfordert handwerkliches Geschick und Disziplin, lässt aber auch viel Raum für Kreativität. Bei uns wird jeder Ofen individuell als Unikat geplant, dazu gehört das Gespräch mit den Kunden und die Beratung. Dann muss der Ofen mit verschiedenen Materialien aufgebaut werden. Und ich gestalte auch gerne die Rückwand hinter dem Kachelofen mit einer speziellen Spachteltechnik. Da ich selbst viel koche und backe, baue ich auch gerne Backöfen, mit denen man Grillen und Pizzen machen kann.

BZ: Werden Sie bald noch den Meister machen?

Ebi: Ob es nun die Meisterprüfung ist oder die Weiterbildung zum Gestalter im Handwerk weiß ich noch nicht. Auf alle Fälle lerne ich gerne weiter.

BZ: Preisgekrönte Gesellen sind ja auch immer eine Auszeichnung für den jeweiligen Lehrbetrieb. Ihr Vater ist sicher mächtig stolz auf seine Tochter?

Ebi: Klar, aber ich auch auf ihn. Mein Vater hat mich nie bei meiner Berufswahl beeinflusst, freut sich aber natürlich, eine Nachfolgerin zu haben. Wir haben uns schon immer gut verstanden, daher gibt es kein Generationsproblem. Wir lernen gegenseitig voneinander.

Katharina Ebi ist 27 Jahre alt, wohnt in Badenweiler-Lipburg und hat zwei Berufsausbildungen abgeschlossen. Sie ist Tiermedizinische Fachangestellte und preisgekrönte Kachelofen- und Luftheizungsbauerin in der Markgräfler Ofenbau GmbH in Buggingen.