sabotierter Landwirt Friedrich Nussbaumer

NACHGEFRAGT: Wasser zum Teufel gegangen

Das Gespräch führte Daniel Ruda

Von Das Gespräch führte Daniel Ruda

So, 26. August 2018

Neuenburg

Der Sonntag: Herr Nußbaumer, seit einigen Wochen werden im Markgräflerland Beregnungsanlagen von Landwirten sabotiert. In dieser Woche hat es auch ihren Milchviehbetrieb mit Ackerbau in Neuenburg-Zienken, den Rheinhof, erwischt. Zwei Millionen Liter Wasser sind deswegen in einer Nacht verschwendet worden. Was genau ist passiert?

Ich habe um halb fünf Uhr morgens eine Kontrollfahrt gemacht und schon von Weitem gesehen, dass die Straße an unserem Acker überschwemmt war. Das war natürlich ein Schock und ich wusste gleich, dass es uns auch erwischt hat. Die sogenannten Blinddeckel der zwei Beregnungsanlagen waren abgerissen, und somit ist das Wasser nicht über das Regnerwägelchen gleichmäßig über den Acker verteilt worden, sondern es ist mit einem Wahnsinnsdruck direkt um die Anlage herum in einem kleinen Bereich in den Boden gespült worden. Es ist quasi direkt zum Teufel gegangen.

Der Sonntag: Wie hoch ist der Schaden?

Wir hatten da noch Glück im Unglück. Zum einen habe ich das Ganze frühmorgens entdeckt und konnte das Wasser direkt abstellen. Am Ende waren es zwei Millionen Liter, die unnötig versickert sind. Das sind Kosten von rund 400 Euro, die müssen wir jetzt tragen. Bei den anderen neun betroffenen Kollegen geht der Schaden zum Teil in die Tausende, weil die Beregnungsanlagen richtig beschädigt worden sind. Bei uns geht es nur um den Verlust des Wassers und die Aufräumarbeit danach. Zwei Tage ist die Beregnung ausgefallen. Weil sie bei dem heißen, trockenen Wetter sehr eng getaktet ist, ist ein Ausfall für uns schlimm und folgenreich.
Der Sonntag: Aufgrund des heißen und trockenen Sommers haben Sie es als Landwirt derzeit ohnehin nicht leicht. Wie gehen Sie mit dieser Serie an Straftaten um?

Eben, wir sind sowieso am Anschlag und dann noch so etwas. Das kann einem schon den Rest geben, wir sind alle mehr als beunruhigt und gefrustet. Aber wir müssen damit klarkommen, der landwirtschaftliche Betrieb muss weiterlaufen, wir können den Kopf nicht in den Sand stecken. Das Futter für die Tiere ist knapp, deswegen haben wir gerade Gras eingesät und ohne Beregnung geht da auch nichts. Wegen der Sorge, dass der oder die Täter wieder zuschlagen, beregnen wir jetzt gerade nur noch tagsüber anstatt in der Nacht. Das ist aber nicht so effektiv, weil unter anderem die Verdunstung höher ist und die Pflanzen viel mehr Stress haben. Es gibt nur Nachteile.

Der Sonntag: Es muss also wieder nachts beregnet werden?

Ja, momentan haben wir aber nicht den Nerv und die Energie, uns auch noch die halbe Nacht um die Ohren zu hauen, wenn man tagsüber schon zwölf Stunden im Betrieb gearbeitet hat. Aber das wird wahrscheinlich nicht ausbleiben, wenn wir wieder verstärkt beregnen. Wir müssen dann nachts einfach noch mehr Kontrollfahrten machen und hoffen, dass diese Sabotage aufhört und die Täter gefasst werden.

Das Gespräch führte Daniel Ruda