Polizei ermittelt

Sabotage an Bewässerungsanlagen belastet Landwirte – und Millionen Liter Wasser versickern

Susanne Ehmann, Mitarbeit: Jutta Schütz

Von Susanne Ehmann & Mitarbeit: Jutta Schütz

Mi, 22. August 2018 um 15:05 Uhr

Neuenburg

Ein Unbekannter sabotiert seit Wochen Beregnungsanlagen auf Äckern in Buggingen und Neuenburg. Millionen Liter an Wasser versickern und zerstören Äcker. Betroffene Landwirte haben Anzeige erstattet – sie rätseln, was der Grund für die Taten sein könnte.

Es reicht von Manipulationen bis zur Beschädigung von Anlagen, die Felder mit Saatmais oder Futter beregnen. Der Unbekannte nimmt Blinddeckel ab, so dass zusätzlich zur Beregnung literweise Wasser ungenutzt auf Acker und Feldwege fließt und diese im schlimmsten Fall beschädigt. Er schlitzt Löcher in Schläuche und manipuliert Anschläge, die verhindern sollen, dass das Regnerwägelchen, das während der Beregnung nach und nach nach hinten gezogen wird, um das gesamte Feld mit Wasser zu versorgen, auf die Maschine gezogen wird. Betroffen sind bisher etwa zehn landwirtschaftliche Betriebe im Dreieck Buggingen, Zienken, Grißheim.

Los ging es Ende Juni bei Landwirt Rainer Weber in Buggingen-Seefelden, seither gab es alle ein bis zwei Wochen einen weiteren Vorfall. Sie konzentrierten sich zunächst auf Buggingen; der bisher letzte ereignete sich am Montagmorgen jedoch an einer Beregnungsanlage der Familie Nußbaumer, Besitzer des Rheinhofs in Neuenburg-Zienken. An gleich zwei Beregnungsanlagen wurden die Blinddeckel entfernt; mehr als zwei Millionen Liter Wasser liefen in einem Zeitraum von etwa sieben Stunden auf die Felder – normalerweise sind es in diesem Zeitraum 400 000 Liter. Dadurch wurde Neusaat überschwemmt und zerstört, die wegen der Futterknappheit aufgrund der anhaltenden Trockenheit nötig wurde, erklärt Susanne Nußbaumer. Hinzu kommen die zusätzlichen Wasserkosten – insgesamt ein Schaden von mehreren Hundert Euro.

Zwischen 22 und ein Uhr kommt der Unbekannte; denn beregnet wird überwiegend nachts, von etwa 20 bis 6 Uhr, der Effekt ist dann am größten. Es ist nachts meist windstill, weniger Wasser verdunstet und der Stress für die Pflanzen ist geringer, weil der Unterschied zwischen der Lufttemperatur und der des Wassers, das aus Tiefbrunnen nach oben gepumpt wird, kleiner ist.

Einige Landwirte fahren mittlerweile nachts Kontrollen

Für die Landwirte, die zurzeit überdies mit den Auswirkungen der Trockenheit zu kämpfen haben – Missernten, Ernteverlust und zu wenig Futter für das Vieh – bedeuten die Vorfälle eine weitere Sorge. Stress, zusätzliche Arbeit und Schlafmangel sind die Folgen, denn einige Landwirte fahren mittlerweile nachts Kontrollen. Und sie beregnen tagsüber.

Auch, weil durch die Sabotage der Beregnungsplan durcheinander gerät. Die Landwirte sind nach Gemeinden in Beregnungsverbänden mit gemeinsamen Pumpstationen und Beregnungsnetzen organisiert. Wer wann beregnen darf, dafür gibt es einen festen Plan. Kann ein Landwirt sein Zeitfenster nicht einhalten, wirkt sich das also auch auf andere aus, die dann nicht beregnen können. Die Hitze macht derzeit allerdings auch eine Beregnung bei Tag nötig, ein Acker kommt außerdem alle sieben bis acht Tage dran, sonst nehmen die Pflanzen Schaden.

Durch Sabotagen versickern Unmengen an Wasser einfach im Boden

"Wir sind angehalten, nachhaltig zu beregnen", sagt Rainer Weber. Und das ist auch der Anspruch der Landwirte: Nur soviel Wasser zu verbrauchen, wie nötig ist. Doch durch die Sabotagen versickern Unmengen an Wasser einfach im Boden. Ein unnötiger Verbrauch, gerade in diesen Tagen, der die Landwirte außerdem noch ordentlich Geld kostet. Etwa 20 Cent pro Kubikmeter Wasser im Schnitt, sagt Friedrich Nußbaumer. Bei zwei Millionen Litern (2000 Kubikmetern) sind das etwa 400 Euro.

Schäden in Höhe von 400 bis 4000 Euro haben die betroffenen Betriebe bisher zu beklagen. Und die zahlt keine Versicherung, betont Michael Fröhlin, Kreisverbandsvorsitzender Müllheim des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands. Hinzu kommen noch die Schäden auf Straßen und Feldwegen, die die Gemeinden wieder instandsetzen müssen. Was, so Fröhlin weiter, wiederum die Allgemeinheit bezahlen muss.

Landwirtevermuten, dass der Täter Kenntnis von der Technik hat

Der Täter muss Kenntnis haben über die Technik, sagen die Landwirte übereinstimmend. Denn er scheint sehr genau zu wissen, wo und wie er manipulieren oder beschädigen muss, um einen bestimmten Effekt zu erreichen. Warum er das tut, darüber ist nur zu spekulieren. Aus falsch verstandenem Naturschutz vielleicht oder aus Neid oder einfach nur aus Spaß an mutwilliger Zerstörung? Einige Landwirte haben mittlerweile Anzeige bei der Polizei erstattet.
Das Polizeirevier Müllheim kümmert sich um den Fall und sucht nach möglichen Zeugen und eventuell weiteren Geschädigten. Sie werden gebeten, sich unter der Tel. 07631/17880 zu melden.