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08. Februar 2012

Solidarisch mit Verbrauchern

Der biologische Luzernenhof in Seefelden öffnet sich in einer Wirtschaftsgemeinschaft für Mitglieder mit Stimmrecht.

  1. Viel Platz im Laufstall und gute Laune haben die Kühe auf dem Luzernenhof in Seefelden. Foto: Sigrid umiger

BUGGINGEN-SEEFELDEN. Wo kommt die Nahrung her, was ist drin und wer produziert sie? Immer mehr Bürger wollen chemie- und schadstofffreie Lebensmittel und Fleisch von Tieren, die ohne Stress leben und sterben durften. Bio-Höfe können dem Anspruch gerecht werden, kämpfen aber ums Überleben. Marga Widmaier bewirtschaftet ihren Hof in Seefelden seit 1986 nach Bioland-Richtlinien. Heute ist das ein Luzernenhof, der eine solidarische Gemeinschaft mit Verbrauchern anstrebt.

Um die nachhaltige, ökologische Landbewirtschaftung aufrechterhalten zu können, wird Marga Widmaier heute von einem erfahrenen Team unterstützt. Zur Hofgruppe gehören Benjamin Busch und seine Familie, eine Imkerin und ein Jungbauer. Der Hof in Seefelden ist bundesweit der 20. Luzernenhof. Sein Konzept ist es, umweltbewusste Verbraucher mit ins Boot zu nehmen. Sie sollen als Wirtschaftsgemeinschaft das vorab festgelegte jährliche Budget des Hofes tragen und als Rendite Bioprodukte wie Milch, Käse, Honig, Kartoffeln erhalten. So erläutert es Benjamin Busch.

Zum Hof gehören 33 Hektar Fläche, davon 25 Hektar Ackerland und acht Hektar Heuwiesen. Zwölf Milchkühe, vier junge und drei ältere Kälber sowie Jungbulle Armin haben freien Auslauf im Stall und einem überdachten Außenbereich. Kälber werden nicht mit Pulver, sondern mit Rohmilch großgezogen. Zum Hof gehören einige freilaufende Hühner und demnächst auch vier Schweine.

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Der Biohof wirtschaftet im geschlossenen Kreislauf. Die Kühe verwerten den Futteranbau – vorrangig Luzerne – und liefern den wertvollen Dünger für den Ackerbau, erklärt Busch. Bevor der Hof ökologisch betrieben wurde, waren die Kühe im Stall festgebunden und oft krank. Seit sie im Laufstall seien, werde der Tierarzt selten gerufen, zumal Marga Widmaier notfalls homöopathische Mittel einsetze, so Busch. Jährlich liefern die Kühe 50 000 bis 60 000 Liter Rohmilch. In der eigenen Käserei produziert Widmaier Feta-, Schnitt- und Weichkäse aus Rohmilch, Frischkäse aus pasteurisierter Milch – wie die EU das vorschreibt – und Joghurt.

Produkte der Käserei Seefelden im Lebensmitteleinzelhandel

Vermarktet wird der Käse über den Einzelhandel und wie die Rohmilch direkt ab Hof. Da die Käseherstellung ziemlich energieaufwendig sei, müsse die Wirtschaftsgemeinschaft nach ihrer Gründung entscheiden, ob die Käserei weiter bestehe oder gar ausgebaut werde und ob und wie die Produktpalette des Hofes erweitert werde, erklärte Marga Widmaier zahlreichen Gästen beim Hofrundgang am Tag der offenen Tür.

Die erste solidarische Verbrauchergemeinschaft der Region ist die Gartencoop in Tunsel. Zu dieser Gruppe gehört die Lehrerin Elvira Erdem, die sich seit Jahren für den Umweltschutz engagiert, auch bei Greenpeace. Marga Widmaier helfe ebenfalls in der Gartencoop mit, ihren Hof habe die Gemeinschaft aber nicht integrieren können, denn Gartencoop stehe für Bio-Gemüse, daher seien die Mitglieder Vegetarier oder Veganer. Im Luzernenhof sind aber auch Nutztiere miteinbezogen, so Erdem.

Der Termin für die erste Mitgliederversammlung, in der Gebote abgegeben werden können, stehe noch nicht fest, informieren kann man sich aber jederzeit, sagt Busch. Zur Solidarität gehöre für ihn auch die Wertschätzung der bäuerlichen Arbeit und Respekt vor der Natur und den Tieren. Jeder kann ehrenamtlich auf dem Hof helfen und im Stall seine Fleischlieferanten kennen und schätzen lernen. Das Konzept Luzernenhof beinhaltet laut Benjamin Busch, dass die Solidargemeinschaft die Verantwortung trägt und dass sich alle das Risiko, die Kosten und die Ernte teilen.

Luzernenhof in Buggingen-Seefelden, Weingartenstraße 18: Weitere Informationen gibt es unter http://www.Luzernenhof.de

Autor: Sigrid Umiger