Burglind fegt über den Südwesten

BZ/dpa

Von BZ-Redaktion & dpa

Do, 04. Januar 2018

Südwest

Orkan stürzt zahlreiche Bäume um / Ein Toter in Frankreich / Zahlreiche Straßen und Bahnverbindungen in Südbaden gesperrt.

»Ortenau
In der Ortenau war in erster Linie der nördliche Teil sowie Teile des Kinzigtals von Stromausfällen in Folge des Sturms betroffen. Die B 415 zwischen Reichenbach und Schönberg musste kurzzeitig gesperrt werden. Bei Gernsbach krachte ein Baum auf ein Haus. Umgestürzte Bäume gab es auch bei Biberach und Rheinau. Weitgehend verschont wurde die Stadt Offenburg.

»Rheintal
Im Rheintal war die Autobahn 5 zwischen Riegel und Teningen am Mittwochnachmittag wegen umgestürzter Bäume in Richtung Süden gesperrt. Der Verkehr staut sich hier über mehrere Kilometer.

»Dreiland
Im Kandertal wurde ein Motorradfahrer von einem umstürzenden Baum getroffen und leicht verletzt. Schwerer traf es eine Fußgängerin im elsässischen St. Louis, die von einer umstürzenden Mauer erheblich verletzt wurde. Auch die Zollfreie Straße zwischen Lörrach und Weil am Rhein (B 317) war zeitweise gesperrt. In Grenzach-Wyhlen deckte der Wind das Dach eines Hauses ab.

»Freiburg
In Freiburg musste die Schauinslandbahn ihren Betrieb einstellen, der Dreisamuferradweg wurde wegen Hochwassergefahr gesperrt. Im Bereich des Münsterplatzes gingen Dachziegel nieder, der Markt fiel nahezu komplett aus. Im Bereich Oberried waren einige Bereiche zeitweise ohne Strom, der Wirt der Höfener Hütte war komplett abgeschnitten.

»Hochschwarzwald
Raitenbuch, ein Ortsteil von Lenzkirch, war zeitweise komplett abgeschnitten, nachdem beide Zufahrtsstraßen durch umgestürzte Bäume blockiert waren. Am Rinken wurde es dramatisch, weil ein Notarzt zunächst nicht zu seinem Einsatzort kam. Die Feuerwehr musste den Weg für das Rettungsfahrzeug freisägen. Ein durch den Sturm bedingter Verkehrsunfall sorgte auf der B 500 bei Schluchsee für eine Sperrung. In St. Märgen und Lenzkirch saßen nach einem Stromausfall mehrere Personen in Fahrstühlen fest. Die Notfallteams des Stromversorgers hatten zeitweise Mühe, an die betroffenen Stellen zu gelangen.

»Zugverkehr
Die Rheintalstrecke war seit 11.10 Uhr in beiden Richtungen unterbrochen. "Zwischen Emmendingen und Denzlingen ist ein Baum in Gleisnähe umgestürzt", sagte ein Sprecher der Bahn. Am Nachmittag um 14.53 Uhr hieß es: Keine Störungen mehr im Fernverkehr. Am Abend teilte die Bahn mit, dass die Schwarzwaldbahn zwischen Immendingen und Hausach auch am Donnerstag gesperrt bleibt. Die Höllentalbahn und die Dreiseenbahn (Titisee-Seebrugg) werden erst am Samstag, 6. Januar, wieder in Betrieb gehen. Behinderungen gibt es auch auf den Strecke Rottweil-Villingen und Singen-Schaffhausen. Es soll ein Ersatzverkehr eingerichtet werden. Hintergrund der langen Dauer ist die hohe Zahl der Schäden.

»Basel
Am Euro-Airport Basel-Mulhouse-Freiburg wurde am Vormittag der Betrieb kurzzeitig eingestellt. Von 170 vorgesehenen Flügen an diesem Tag wurden sechs Flüge annulliert, fünf wurden umgeleitet. Auch am deutlich kleineren Flughafen Straßburg wurde der Luftverkehr laut der Flugsicherheitsbehörde vorübergehend gestoppt.

»Schweiz
Beim Entgleisen eines Bahnwagens im Kanton Bern sind am Mittwoch bei Lenk mehrere Menschen verletzt worden. Nach Angaben des Lenker Gemeindepräsidenten René Müller entgleiste der Bahnwagen wegen einer Windböe. Der Unfall sei aber relativ glimpflich verlaufen, sagte Müller. Im Schweizer Skigebiet Pizol im Kanton St. Gallen sind nach Unwettern mehrere Bäume auf die Tragseile einer Bergbahn gestürzt. Wie viele Menschen am Mittwoch in den Gondeln festsaßen und ob es Verletzte gab, war bislang unklar, wie die Polizei mitteilte. Helikopterflüge waren nicht möglich. Burglind zog Mittwochfrüh mit Spitzen von bis zu 200 Kilometern pro Stunde über die Schweiz. Die Lawinengefahr in den Bergen wurde als "sehr kritisch" eingestuft.

»Deutschland
Auf der A 3 im Landkreis Aschaffenburg in Bayern prallte ein mit 15 Tonnen Metallrohren beladener Lkw gegen einen entwurzelten Baum. Im Landkreis Bamberg drückte der Wind die Mauer einer Scheune um. Witterungsbedingt blieben in München auch die städtischen Friedhöfe gesperrt. In Cuxhaven wurde die einzige Insel-Fährverbindung nach Helgoland vorsorglich eingestellt. Einige Urlauber seien bereits am Dienstag abgereist, andere würden zurück fliegen oder länger bleiben, sagte eine Sprecherin auf der Hochseeinsel.

»Frankreich
In Frankreich forderte Sturm Eleanor, wie er bei den Nachbarn heißt, ein Menschleben bei einem Unfall im Alpen-Skiort Morillon. Laut einer vorläufigen Bilanz wurden 15 weitere Personen verletzt, vier davon schwer. Landesweit zählte der Zivilschutz bis zum frühen Nachmittag 4300 Einsätze wegen des Sturms. Am frühen Nachmittag waren 225 000 Haushalte ohne Elektrizität, wie der Netzbetreiber Enedis mitteilte. Betroffen waren vor allem der Norden und Nordosten des Landes, auch in der Hauptstadtregion Île-de-France gab es Ausfälle. Auch der Eiffelturm in Paris wurde wegen Windböen von bis zu hundert Stundenkilometern geschlossen. 2500 Mitarbeiter seien im Einsatz, um die Versorgung wieder herzustellen. In der Normandie und im Elsass war der regionale Zugverkehr am Vormittag als Vorsichtsmaßnahme unterbrochen.

»Niederlande
In den niederländischen Küstengebieten wurden zum ersten Mal sind alle fünf Sturmflutwehre geschlossen worden. "Das hat es noch nie zuvor gegeben", twitterte die niederländische Wasserbehörde.

»Wasserstand
Der Sturm war begleitet von teils starken Niederschlägen. Entsprechend schwollen zahlreiche Bäche und Flüsse massiv an. Nach Angaben der Hochwasserzentrale liegen die Pegel noch im Bereich der Zwei-Jahres-Hochwassermarke, lediglich Dreisam und Wiese erreichten die Meldemarke. Allerdings teilte das Regierungspräsidium auch mit, dass man mit weiteren Niederschlägen rechne. Am Freitag um Mittag dürfte der Rheinpegel im Bereich Basel/Weil am Rhein seinen höchsten Stand erreichen. Dabei könnte die Marke überschritten werden, ab der die Rheinschifffahrt gesperrt wird.