Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. April 2010 17:31 Uhr

Am Schönberg

Bussard greift Freiburger Joggerin an

Es klingt wie in Hitchcocks "Die Vögel": Sibylle Seyda (42) traute ihren Augen nicht, als sie am Mittwochmorgen auf einer ihrer Joggingtouren am Schönberg von einem Greifvogel, vermutlich einem Mäusebussard, angegriffen wurde. Was passierte, schildert sie im Interview.

  1. Foto: ddp

Die Frau kam noch einmal mit dem Schrecken davon kam. Alexander Preker sprach mit der Freiburgerin über eine ungewöhnliche Attacke.

BZ: Frau Seyda, was ist denn passiert?
Sibylle Seyda: Nachdem der Bussard mich auf meiner Laufstrecke mehrmals umkreist und beobachtet hatte, flog er einige Male dicht und zielsicher von hinten über mich hinweg und streifte mich mit seinen Flügeln. Ich bekam Angst und war unsicher, wie ich mich in der Situation verhalten sollte. Ich wollte nur noch schnell aus seinem Revier heraus. Meine Vermutung: Je näher ich an seinen Horst herankam, desto aggressiver wurde er. Ich konnte in dem Moment überhaupt nicht einschätzen, wie gefährlich die Situation war. Passiert ist zum Glück nichts, so dass ich die Joggingtour fortsetzen konnte. Von weitem hatte ich die Vögel bereits öfters beim Laufen beobachtet, doch so nah kam mir noch keiner.
BZ: Was genau haben Sie im Moment des Angriffs gemacht?
Seyda: Ich bin immer schneller gelaufen und habe geschrien, um ihn zu vertreiben. Doch der Weg wurde immer steiler, so dass das schwer fiel. Ich hatte kurz überlegt, mich mit einem Stock zu wehren, doch ich wollte ihn nicht noch aggressiver machen. Nachdem ich mich von dem Vogel entfernt und einen größeren Weg erreicht hatte, ließ er schließlich von mir ab. Ein Pärchen, das auf dem oberen Weg spazierte, konnte ich noch warnen.

Werbung

BZ: Würden Sie sich wieder so verhalten?
Seyda: Das nächste Mal würde ich nicht so schnell weglaufen wie gestern. Wenn möglich, würde ich versuchen, ins Unterholz zu gehen – dorthin, wo die Greifvögel nicht so gut fliegen können. Und ich würde meinen Kopf schützen. Ich finde, man sollte Spaziergänger und Jogger, die sich im Wald bewegen, über diese Gefahr informieren, damit Sie die Wege meiden können – insbesondere zur Brutzeit.

Bussardattacken

Dass Bussarde Menschen attackieren, kommt äußerst selten vor. Helmut Opitz, stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbund Deutschland, geht bundesweit von einem Fall jährlich aus, auch wenn "in fast jedem Waldstück Bussarde nisten." Warum Bussarde Menschen attackieren, ist wissenschaftlich umstritten. Man vermutet, dass Bewegung eine Rolle spielt. Während der Brutzeit (März bis Mai) können die Vögel besonders aggressiv sein. Zwar attackieren Bussarde im Gegensatz zu manchen Eulen nicht direkt die Augen ihrer Opfer, dennoch können auch sie Menschen verletzen. Schützen kann man sich, in dem man ruhig bleibt und den Vogel mit einem Stock abwehrt, empfiehlt Opitz.

Autor: apr