BZ-Interview mit Wolfgang Kirner zu 60 Jahren Bing Boys

Pia Wiesner

Von Pia Wiesner

Fr, 12. Januar 2018 um 16:58 Uhr

Lahr

Groupies, desinteressierte Ehefrauen und Bandanfänge – Wolfgang Kirner stand schon auf der Bühne als die Rolling Stones noch Zukunftsmusik waren.

LAHR. Als Wolfgang Kirner das erste Mal mit den Bing Boys auf der Bühne stand, hatten sich die Rolling Stones noch nicht mal gegründet. Vor 60 Jahren in Herbolzheim war das, und sie treten immer noch auf – zum Beispiel morgen, Sonntag, von 15 bis 17 Uhr in der Dammenmühle in Sulz. Pia Wiesner hat sich mit dem Mitgründer Wolfgang Kirner getroffen – zum Gespräch über Bandanfänge, Groupies und desinteressierte Ehefrauen.

BZ: Herr Kirner, wann haben Sie angefangen, Musik zu machen?
Kirner:
Mit 15 Jahren, das war 1955. Ich habe immer viel Musik mit anderen gemacht, wir waren ein zusammengewürfelter Haufen. 1958 gründete der Kern dann die Bing Boys.

BZ: Woher kommt der Name Bing Boys?
Kirner:
Unser musikalischer Leiter hieß Bing. Deswegen waren wir dann die Bing Boys.

BZ: 60 Jahre sind eine lange Zeit. Wie haben sich die Bing Boys über die Jahre verändert?
Kirner:
Ich verließ die Band schon 1963. Von den späten 1960er-Jahren bis 1993 gab es die Bing Boys nicht mehr. 1993 trommelte ich für ein Jubiläum eines Bandkollegen die alte Band zusammen. Wir überraschten ihn mit der Originalbesetzung und alten Stücken. Bis 2005 spielten wir in dieser Formation. In den letzten drei Jahren haben sich viele aus Altersgründen verabschiedet, auch der Namensgeber Erwin Bing. Ich bin der Letzte aus der Originalbesetzung.

BZ: Was machen die Bing Boys, wenn sie nicht auftreten?
Kirner: Alle sind berufstätig und viel unterwegs, außer mir. Ich bin im Ruhestand.

BZ: Sehen sich die Musiker auch außerhalb der Proben?
Kirner: Nein, da alle verstreut leben, ist es schwierig. Wir proben alle zwei Wochen. Manchmal klappt es zeitlich nicht. Wir hatten immer ein Weihnachtsessen, das ist aber dieses Jahr nicht zustande gekommen.

BZ: Müssen die Bing Boys denn wirklich noch proben?
Kirner: Eigentlich gar nicht, wir alle kennen die Lieder in- und auswendig. Ich richte das Programm und die Noten und dann spielen wir alles mal durch.

BZ: Das heißt, die Band spielt seit 1958 dieselben Lieder?
Kirner: Je nach Anlass passen wir unser Repertoire an. Aber zum Beispiel Elvis Presley spielen wir seit der Gründung und natürlich unsere charakteristischen Billy-Vaughn-Stücke. Auch wenn manche richtig schnulzig sind.

BZ: Sind das auch die Helden Ihrer Jugend?
Kirner:
Gar nicht. Ich habe von Kindheit an Jazz gehört, sowas wie den deutschen Posaunisten Albert Mangelsdorff oder das Modern Jazz Quartett.

BZ: Können Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt erinnern?
Kirner:
Kann ich tatsächlich. Damals war alles improvisiert und ich war gar nicht aufgeregt. Während ich heute schon nervös werde vor Auftritten.

BZ: Hatten Sie damals auch Groupies?
Kirner:
Klar, manche waren echt schlimm und die wurde man dann auch nicht wieder los.

BZ: Sind die Ehefrauen der Musiker auch Fans?
Kirner:
Überhaupt nicht. Meine Frau kommt morgen vielleicht zum ersten Mal mit. Eine andere lässt in der Dammenmühle den Hut rumgehen, aber sonst interessieren sich unsere Frauen nicht wirklich dafür. Die Verwandten und Bekannten kommen manchmal.

BZ: Warum spielen die Bing Boys in der "Dammenmühle", wenn sie eigentlich aus Herbolzheim sind?
Kirner: Ich wollte für Leute in meinem Alter eine Möglichkeit zum Tanzen schaffen – deswegen der Tanztee am Sonntagnachmittag. Abends bekomme ich kein Publikum mehr. Außerdem kann ich dann lecker essen nach dem Auftritt.
BZ: Wollen Sie das regelmäßig anbieten?
Kirner:
In der Dammenmühle sind wir am 28. Januar nochmal. Und ich versuche in Herbolzheim ein Mal im Monat in der "Galerie" den Tanztee zu veranstalten. Da laufen aber noch die Verhandlungen.

Wolfgang Kirner (77) spielt seit er 15 war in Bands, war als Fernsehtechnikermeister selbstständig und ist jetzt im Ruhestand. Er wohnt in Herbolzheim. Die Bing Boys spielen Rock 'n' Roll und Swing-Tanzmusik. Die aktuelle Besetzung besteht aus Wolfgang Kirner (Gitarre/zweites Saxophon), Rupert Weber (Keyboard), Peter Vetter (Bass), Horst-Dieter Iltgen (Schlagzeug) und Wolfgang Weber (Saxophon). Weitere Informationen gibt es unter http://www.bing-boys.de.