Bilanz der BZ-Aktion Weihnachtswunsch

BZ-Leserinnen und -Leser spenden 355.000 Euro

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 14. Januar 2019 um 13:16 Uhr

Freiburg

Es ist Hilfe für 73000 Menschen in Notlagen: BZ-Leserinnen und -Leser haben in diesem Jahr 355.000 Euro für die BZ-Aktion Weihnachtswunsch gespendet – ein großes Dankeschön dafür!

Die BZ-Aktion Weihnachtswunsch war ein großer Erfolg: 355 000 Euro kamen zusammen – zwar 8000 Euro weniger als im vergangenen Jahr, dafür aber 4000 Euro mehr als vor zwei Jahren. 16 ausgesuchte soziale Projekte erhielten 50 000 Euro. Der Großteil der Spenden ging an Einzelpersonen und Familien, die sich mit wenig Geld durch den Alltag hangeln. Rund 3500 Anträge auf Unterstützung hat das Team vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ausgewählt, die kleinen Zuschüsse erreichten etwa 7300 Menschen.

400 Anträge mehr bewilligt als im Vorjahr

Im Vergleich zum Vorjahr profitierten diesmal mehr Menschen von der Solidarität der BZ-Leserinnen und -Leser: "Es wurden fast 400 Anträge mehr bewilligt", sagt Kerstin Schlechtendahl vom DRK-Team. Damit möglichst viele etwas bekommen konnten, mussten die Summen wieder relativ klein bleiben: Mehr als die Hälfte der Antragsteller erhielt um die 50 Euro, die durchschnittliche Summe lag mit 45 Euro sogar noch etwas darunter. Je nach Situation der Menschen, von denen es bei vielen an sehr existentiellen Dingen mangelt, sind in Einzelfällen auch mal größere Zuschüsse möglich – der höchste Betrag lag bei 800 Euro und ging an ein Paar.

"Mich hat die große Dankbarkeit sehr beeindruckt." Kerstin Schlechtendahl, DRK
Klar ist, dass die Unterstützung durch die BZ-Aktion Weihnachtswunsch nichts grundsätzlich an der Armutssituation von Menschen ändern kann, die dauerhaft mit Arbeitslosengeld II, Grundsicherung oder einer Mini-Rente am Existenzminimum leben. Doch neben der symbolischen Bedeutung empfinden viele auch relativ kleine Geldbeträge als hilfreich, betont Kerstin Schlechtendahl: "Mich hat die große Dankbarkeit sehr beeindruckt." An den Reaktionen sei ihr bewusst geworden, wie unterschiedlich der Wert von kleineren Summen wahrgenommen werde: Für viele, die nicht in Not leben, sei es normal, abends mal gemeinsam Essen zu gehen und dafür 50 Euro auszugeben – für die Menschen, die sich bei der Aktion Weihnachtswunsch melden, seien 50 Euro aber sehr viel Geld.

Die Wohnungsnot in Freiburg macht sich bemerkbar

Für die Sozialarbeiterin war diese Aktion Weihnachtswunsch die erste, die sie organisiert hat. Inzwischen haben so gut wie alle, deren Anträge ausgewählt wurden, ihre Zuschüsse bekommen. Der größte Teil der Anträge wird nicht von den Menschen selbst eingereicht, sondern von Sozialarbeitern, Betreuern oder Einrichtungen, die regelmäßig mit ihnen zu tun haben.

Aufgefallen sind Kerstin Schlechtendahl zwei Tendenzen, die gleichzeitig etwas aussagen über aktuelle Entwicklungen: Fast ein Viertel der Antragsteller waren über 67 Jahre alt – die Altersarmut breitet sich aus. Und besonders erstaunlich fand sie, dass sich knapp fünf Prozent aller Anträge auf Menschen bezogen, die keinen festen Wohnsitz haben.

Diese so hohe Zahl sei neu im Vergleich zu den vergangenen Jahren, sagt Kerstin Schlechtendahl: "Daran merkt man, wie zugespitzt die Wohnungssituation in Freiburg ist." Inzwischen sei es längst "normal" geworden, dass auch Familien mit Kindern in Notunterkünften leben müssen, weil sie keine bezahlbare Wohnung mehr finden und nicht genug Geld für die in Freiburg üblichen hohen Mieten haben.