Bürgermeisterkandidaten

BZ-Podiumsdiskussion liefert lebhafte Debatte unter den Kandidaten

Michael Behrendt

Von Michael Behrendt

Fr, 12. Januar 2018 um 16:21 Uhr

Bad Bellingen

Bei der BZ-Podiumsdiskussion gab es ein lebhaftes Gespräch unter den drei Bad Bellinger Bürgermeisterkandidaten – und ein aufmerksames Publikum.

Mit rund 350 Besuchern war die Veranstaltung BZ hautnah in Form einer Podiumsdiskussion mit Philip Dahm, Peter Hallebach und Carsten Vogelpohl bestens besucht. Und so interessant wie die Kandidatenvorstellung war die Podiumsdiskussion allemal. Das belegten die streckenweise sehr lebhafte Diskussion unter den Kandidaten und die Reaktionen des aufmerksamen Publikums.

Gesprächsleitung und Programm

Wer dachte, es sei nun alles gesagt gegen Ende des Wahlkampfs um das höchste Amt, das die Gemeinde Bad Bellingen zu vergeben hat, der irrte. Denn aus den drei Bürgermeisterkandidaten Philip Dahm, Peter Hallebach und Carsten Vogelpohl ließ sich auch kurz vor dem Wahltermin am kommenden Sonntag bei der BZ-hautnah-Podiumsdiskussion noch das eine oder andere Neue herauskitzeln – dank der Gesprächsleitung von Alexander Huber, dem Leiter der zuständigen BZ-Lokalredaktion Müllheim, und dank des kompakten Programmablaufs, der nicht nur informative, sondern durchaus auch unterhaltsame, ja sogar für Heiterkeit sorgende Elemente enthielt.

Streitthema Tourismusmarketing

Im Kern ging es natürlich auch bei dieser Podiumsdiskussion um das den Bürgermeisterwahlkampf beherrschende Thema Tourismus und Tourismusmarketing. Und hier wurden auch die Unterschiede zwischen den Kandidaten am deutlichsten. Einigkeit herrschte zwar darüber, dass Bad Bellingen durchaus eine Chance hat, als Kur- und Tourismusort auch in Konkurrenz zu Bad Krozingen und Badenweiler dauerhaft zu bestehen. Auch wenn es eine Tatsache ist, dass die Übernachtungszahlen beziehungsweise die Auslastungen der Beherbergungsbetriebe für Bad Bellingen derzeit zu wünschen übrig lassen. Ebenso einig waren sich die Kandidaten darüber, dass die Vermarktung des Tourismus in der Kurgemeinde vorangebracht werden muss. Doch über die Art und Weise eines erfolgreichen Tourismusmarketings gingen die Meinungen der Kandidaten zum Teil doch weit auseinander.

Die hier am weitesten reichenden Vorstellungen hat der Tourismusfachmann Peter Hallebach. Er will, sollte er Bürgermeister von Bad Bellingen werden, zwar nicht alles umkrempeln aber doch das Ortsmarketing von der Bade- und Kurverwaltung (BuK) trennen. Denn er sieht die BuK als einen technischen Betrieb und das Ortsmarketing als ein Instrument, das den ganzen Ort betrifft. Zudem steuerte Hallebach ein paar Zahlen bei: Die Belegungsquote bei den Beherbergungsbetrieben im Kurort sei mit 37 Prozent unzureichend. Damit könne kein Betrieb "Deckungsbeiträge" erwirtschaften, um etwa anstehende Generationswechsel in den Betrieben zu organisieren. Und: 2016 seien rund 1200 Arbeitsplätze registriert worden, 500 bis 600 davon direkt oder indirekt abhängig vom Tourismus. Diese Fakten zeigten, dass sich Bad Bellingen in der "Bredouille" befinde. So wünschten sich die touristischen Leistungsträger im Ort Neuerungen. Deshalb müsse das Ortsmarketing aus der BuK herausgelöst werden, damit es sich um den ganzen vom Tourismus lebenden Ort kümmern und die gegenwärtige Entwicklung umgedreht werden könne.

Philip Dahm hält gar nichts von einer solchen Trennung. Das koste nur Geld und bringe nichts ein. Schließlich habe die BuK einen stellvertretenden Leiter, der sich um das Ortsmarketing kümmere. Und Dahm will, dass dies mit "unseren Leuten" geschieht. Die BuK erbringe ihre Leistung. Man solle "nicht neu erfinden, was wir schon haben." Alle Beteiligten müssten aber an einen Tisch, Stärken und Schwächen müssten analysiert werden. Dahm will auch, dass sich das Markgräflerland, das viel zu bieten habe, besser vermarktet. Und in diesen Kontext soll ein potentes Bad Bellingen ein gewichtiges Mitsprache- und Entscheidungsrecht haben. Dahm: "Allein schaffen wir das nicht." Die Therme sei für Bad Bellingen zwar wichtig, aber nur ein Aspekt. So drängt es Dahm, konkret das Projekt "Bad Bellingen rückt an den Rhein" in Angriff zu nehmen. All das werde dann auch für mehr Auslastung sorgen, nicht zuletzt dann, wenn die Politik die passenden "Leitplanken" setze.

Carsten Vogelpohl pflichtete Philip Dahm bei. Die aktuelle Bad Bellinger Struktur fürs Tourismusmarketing sei "ganz gut". Ebenso das Team, das sich darum kümmere. Man dürfe hier "nicht ohne Not alles umwerfen". Vogelpohl will zudem dafür sorgen, dass der Kurort überörtlich sichtbarer wird.

Die Rheinstraße

Auch beim Thema Rheinstraße waren sich alle einig, dass diese – nicht zuletzt wegen der Sogwirkung des Kurgebietes und der dort angesiedelten Geschäfte Rewe und Rossmann – verwaist und dass sie wieder belebt werden muss. Hallebach hält es für wichtig, zunächst in der Bevölkerung und bei den Touristen nachzufragen, was diese an der Rheinstraße vorfinden wollen. Und dann müsse die Gemeinde das organisieren. Carsten Vogelpohl hält "viele kleine Schritte" zur Belebung der Rheinstraße für erforderlich. Leben hineinbringen könne man etwa auch mit Hilfe eines umgebauten Rathauses. Lege man den Gemeinderatssaal ins Erdgeschoss, könne dieser zum Beispiel auch als Konzertsaal genutzt werden. Einmal mehr erwähne Vogelpohl das erfolgreiche Wirken des an der Rheinstraße angesiedelten Weinladens mit Onlinehandel und Direktverkauf. Events auf und an der Rheinstraße, etwa ein Bürgerfest, hält er ebenso für möglich. Philip Dahm forderte "Realismus". Die Leute kauften inzwischen im Internet ein und erledigten ihre Bankgeschäfte ebenso online. So werde die Rheinstraße nie mehr über eine Ladenstruktur wie früher verfügen. Er favorisiert für die Rheinstraße vorzugsweise ein attraktives kulturelles Angebot. Und unten, beim Kurgebiet hält er eine Ladenzeile für möglich.

Unterhaltung und Heiterkeit

Bei der Podiumsdiskussion ging es aber nicht nur um ernste Sachthemen. Es durfte auch gelacht werden. So präsentierte Gesprächsleiter Huber den Kandidaten eine Reihe von begrifflichen Gegensatzpaaren, und jeder musste sich für einen Begriff entscheiden. Da warf Huber etwa "Beatles oder Beethoven" in den Raum. Hallebach entschied sich für die Beatles, Dahm und Vogelpohl für Beethoven. Beim Gegensatzpaar "Wein oder Bier" muss hier im Markgräflerland nicht näher beschrieben werden, wofür sie alle drei entschieden – also auch der Münsterländer Vogelpohl. Wie es überhaupt etliche Übereinstimmungen gab: bei Süddeutsche ober Badische Zeitung – klar – die BZ, bei Groko oder Neuwahl die Groko.

Ob aufschlussreich oder nicht, jedenfalls interessant war dann die Aufforderung an die Kandidaten, eine Wahlempfehlung für den jeweiligen Bewerber zur Linken auszusprechen. Philip Dahm kam sofort auf den Punkt. Peter Hallebach sei ein Tourismusfachmann. Hallebach mochte für Carsten Vogelpohl nicht wirklich eine Empfehlung aussprechen – und handelte sich dafür beim Publikum einige Buhrufe ein. Und Vogelpohl schließlich würde sich vom Önologen Dahm gerne zum Thema Wein beraten lassen.