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BZ-Wahltalk: Schlagabtausch der OB-Kandidaten Behringer, Kröber und Wermter

Florian Kech, BZ

Von Florian Kech & BZ-Redaktion

Mi, 11. April 2018 um 19:27 Uhr

Freiburg

Sie treten ohne Partei im Rücken bei der OB-Wahl an: Anton Behringer, Manfred Kröber und Stephan Wermter waren beim BZ-Talk in der Stadtredaktion. Für Wermter war die Podiumsdiskussion eine Premiere. Unter den Kandidaten kam es zum Schlagabtausch:

"Sie gibt es ja wirklich!" Mit diesen Worten begrüßte OB-Kandidat Manfred Kröber seinen Kontrahenten Stephan Wermter am Mittwochabend im Empfang der BZ-Stadtredaktion. Die beiden waren sich während des Wahlkampfs noch nie persönlich begegnet, weil Wermter Podiumsdiskussionen bisher gemieden hatte. Beim BZ-Talk, der live übertragen wurde, kam es zur Premiere. Und eine der Fragen im Vorfeld war: Wie wird sich der zu Provokationen neigende Ferrari-Fahrer präsentieren?
Neben Kröber und Wermter nahm an dem Talk auch Anton Behringer teil. Die drei Kandidaten eint der Umstand, dass sie ohne Unterstützung einer Partei in den Wahlkampf gezogen sind. Moderiert wurde die fast eineinhalbstündige Veranstaltung von Uwe Mauch, dem Leiter der Freiburger Stadtredaktion, und BZ-Redakteur Fabian Vögtle.



Ohne Partei im Rücken bei einer Wahl anzutreten – "Was hat Sie zu diesem aussichtslosen Unterfangen bewogen", fragte Mauch zum Einstieg in die Runde. "Aussichtslos?", fragte Kandidat Kröber gegen. "Abwarten! Mit Trump hatte auch niemand gerechnet." Auch Behringer mochte sich mit der Außenseiterrolle nicht abfinden. "Ich hätte im Wahlkampf mehr Unterstützung von der Presse erwartet – auch von der BZ", sagte er. Und Wermter? Der wollte sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen. "Ich tue auch einiges dafür", sagte er grinsend.

Als die Runde auf das Freiburger Megathema Wohnungsmarkt zu sprechen kam, erklärte Behringer, warum er den geplanten Stadtteil Dietenbach ablehnt. Die 6000 Wohnungen entstünden frühestens in fünf Jahren, die Stadt brauche aber kurzfristige Lösungen. Dazu zählte er den systematischen Ausbau von Dachböden in Altbauten. "Dadurch entstünden vielleicht 500 Wohnungen", gab Moderator Mauch zu bedenken. Das sei besser als nichts, sprang Wermter dem Kontrahenten bei.

Wermter schlug überdies vor, für zusätzlichen Wohnraum könnten auch Bürogebäude genutzt werden. "Warum richten wir über dem neuen Obi-Komplex im Industriegebiet Haid nicht einfach zwei Stockwerke mit günstigen Wohnungen ein?", warf er in die Runde.

Kandidat Kröber wollte den Freiburger Wohnungsmangel globaler angehen und riet zum "Innehalten." "Was heißt das? Zuzugsstopp?", fragte Mauch. "Nein, aber wir sollten vom Gas gehen und die wirtschaftsfreundliche Politik überdenken." Weniger Büros bedeutet nach Kröbers Rechnung mehr Platz für Wohnraum. Ein Vorschlag, dem die beiden anderen Kandidaten nicht folgen wollten.

Einig waren sich die drei in ihrer Solidarität mit den Dietenbach-Bauern, denen mit Enteignung gedroht wurde, wenn sie ihre Flächen nicht freiwillig verkauften. Eine solche Drohung passe nicht zu einem grünen Oberbürgermeister, sagte Behringer, der Salomon bei den vergangenen beiden Wahlen nach eigener Auskunft noch gewählt habe.

Kandidat Wermter mit einigen Entgleisungen konfrontiert

Weitere Themen beim BZ-Talk waren Verkehr, Haushalt und Bürgerbeteiligung. Die Kandidaten lieferten sich und den Moderatoren einen munteren Schlagabtausch, den rund 3000 Zuschauer live am Bildschirm verfolgten.
Auf seinem ersten Wahltalk wurde Kandidat Wermter auch mit einigen Entgleisungen konfrontiert. Moderator Vögtle sprach ein geschmackloses Auschwitz-Foto an, das Wermter als Kommentar zur Flüchtlingsdebatte gepostet hatte. "Das war ein Fauxpas und ich habe mich dafür entschuldigt", sagte Wertmer. In einem anderen Post schrieb Wermter von "arabischen und afrikanischen Hosenpissern", die seine Frau auf der Straße belästigt haben sollen. "Ist das der richtige Ton für einen Amtsträger?", fragte Mauch. Er würde jederzeit wieder so sprechen, sagte Wermter. Die beiden anderen Kandidaten distanzierten sich von der derben Ausdrucksweise.

Einigkeit herrschte wiederum in der Eishallen-Frage. Naja, fast. Während Behringer und Kröber sich eindeutig für einen Neubau mit zwei Eisflächen aussprachen, setzte Wermter noch einen drauf. Er sei für eine neue Halle mit drei Eisflächen.

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