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04. August 2009 14:56 Uhr

Umweltbewegung

Carrotmob-Anhänger wollen Basler Laden stürmen

Hunderte von Kunden soll der erste Carrotmob in Basel in die Geschäfte locken. Der übers Netz initiierte Masseneinkauf dient einem guten Zweck: Die Hälfte des Tagesumsatzes soll in energiesparende Lampen und Geräte investiert werden.

  1. In Basel findet am Freitag der erste Carrotmob statt. Foto: -

  2. Alban Market: Hier soll der Carrotmob in Basel stattfinden. Foto: Andrea Drescher

BASEL. Was tun, wenn sich Unternehmer nicht für den Klimaschutz interessieren? Ihre Geschäfte zu boykottieren, wäre eine Idee. Eine andere ist, sie über mehr Umsatz dazu zu bringen, Geld in energiesparende Technologien zu stecken. Carrotmob heißt diese Idee aus den USA, bei der Geschäftsleuten wie störrischen Eseln eine symbolische Möhre (englisch carrot) vor die Nase gehalten wird. Dieses Zuckerbrot als Alternative zur Boykott-Peitsche besteht aus einem positiven Image und aus einer zusätzlichen Kunden-Meute (mob).

Der erste deutsche Carrotmob fand kürzlich in Berlin statt – am Freitag soll in Basel erstmals einer stattfinden. Wie viele Menschen im "Alban Market" am Freitag einkaufen werden, kann Initiator Raphael Faeh nicht abschätzen. Der 28-Jährige studierte am Institut Hyperwerk an der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst und ist daher schon studienbedingt daran interessiert, wie sich mit und unter dem Einfluss der Neuen Medien ein gesellschaftlicher Wandel vollzieht.

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Das Internet sieht Faeh als Chance an, einen grünen Lebensstil zu propagieren. Als er und seine Mistreiter vor einem Jahr vom ersten Carrotmob in San Fransisco erfuhren, fanden sie sofort: "Das ist eine Super-Idee." Energieeffizienz "als Rübli" – das kam bei den Schweizern gut an. Letztlich waren es jedoch die Berliner Nachahmer, die die Basler nun aktiv werden ließen.

In zehn Quartiersläden im Multikulti-Stadtteil Kleinbasel haben Faeh und Kommilitonen die Betreiber darauf angesprochen, ob sie sich beteiligen wollen. Wegen der Sommerferien, aber auch wegen Verständigungsproblemen gaben jedoch nur fünf Geschäfte ein Angebot ab. Vier Inhaber wollten 15 bis 25 Prozent des Umsatzes in mehr Energieeffizienz investieren. Fadil Jakupaj vom "Alban Market" (zur Karte) sagte die Hälfte seines Umsatzes zu.

"Wir haben zu hohe Stromrechnungen", begründet der Ladeninhaber seinen Schritt. Aktuell zahle er "zwischen 4000 bis 6000 Franken pro Quartal". Das soll sich ändern. Zu kaufen gibt es bei den Jakupajs neben Obst, Gemüse und Getränken auch Fleisch- und Wurstspezialitäten nach Rezepten aus dem Balkan. Denn die Familie stammt aus dem Kosovo, und ihre Fleischspezialitäten, die sogar badische und elsässische Kunden in den Laden locken, stellt sie selbst her.



Ein Vertrag mit Faeh und Kollegen bindet Fadil Jakupaj an sein Versprechen. Vor wenigen Tagen hat sich ein Experte des Basler Energieunternehmens IWB das Geschäft angeschaut, um zu klären, mit welchen Maßnahmen sich am meisten Strom sparen ließe. Sein Fazit: "Am ehesten müssen die Lampen erneuert werden", wie Fadil Jakupai nun weiß. Doch auch Kühltruhen und Stand-by-Geräte verbrauchen nach Ansicht von Raphael Faeh zuviel Strom. Er rechnet damit, dass der Quartiersladen zwischen 1000 und 2000 Franken pro Jahr an Energiekosten einsparen kann.

Voraussetzung ist, dass genügend Leute den Umsatz am Freitag in die Höhe treiben. In der Facebook-Gruppe für den "Carrotmob Basel" sind inzwischen 600 Mitglieder eingetragen. Wenn 300 bis 400 von ihnen kämen, wären die Organisatoren zufrieden.

Doch Fadil Jakupai hofft natürlich auf mehr, denn schon an normalen Tagen zählt er zwischen 400 und 600 Kunden in seinem Geschäft. Dreimal mehr sollten es seiner Ansicht nach schon werden. Schließlich können die Unterstützer der Aktion den ganzen Tag von 10 bis 21 Uhr bei ihm einkaufen.

Bei der Deutschlandpremiere im Juni in Berlin kamen innerhalb der drei anberaumten Zusatzstunden 400 Menschen in den ausgewählten Laden und brachten mit 2000 Euro das Dreifache des normalen Tagesumsatzes mit. Davon flossen 35 Prozent in Wärmeschutzfolien, Energiesparlampen und eine Zeitschaltuhr.

Autor: Andrea Drescher