Georges Schmitt

CD: KLASSIK: Das Varieté winkt

cad

Von cad

Mi, 17. Oktober 2018

Klassik

Georges Schmitt konnte Liedmelodien schreiben. Lieder für den großbürgerlichen Salon und, man staune, das dahingeträllerte Chanson der Varietés, den doppelbödig-anzüglichen Ton hatte er auch drauf – obwohl der gebürtige Trierer von Hause aus Kirchenmusiker war. Paris, 1850 bis 1900. Schmitt wird Titularorganist an St-Sulpice, dort 1863 jedoch vom Orgelbauer Cavaillé-Coll aus dem Amt gemobbt. Klavierlehrer, Chorleiter – sein Traumberuf aber war Opernkomponist. Und er schuf Sololieder. Das Trio Cénacle hat sich dem Lied-Œuvre Schmitts gewidmet. Effektvolle, hymnische Mélodies – der Komponist vertonte große französische Lyriker – kulminieren auch im Klaviertremolo (elegant: Michèle Kerschenmeyer). Die Harmonik erinnert mal an Offenbach. Zart "Le Vase brisé" (mit klarem Sopran: Evelyn Czesla). Duftiges in der Singstimme, der Klaviersatz ist solide. Bei "La Chanson de Mai" (Bassbariton Nico Wouterse) ist der Cancan nicht mehr weit. Eine verdienstvolle CD. Klingende Kulturgeschichte.

Georges Schmitt: Lieder. Trio Cénacle (Edition Günter Hänssler PH18042)
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