Musik aus Italien

CD: KLASSIK: Mit Farben und exquisiter Eleganz

Christine Adam

Von Christine Adam

Sa, 21. April 2018

Klassik

Aus der Tradition erwächst die Moderne. Schon jene um 1880 geborenen Tonkünstler des italienischen Neoklassizismus, die Generazione dell’Ottanta, hatten beim Barock angeknüpft. Auch Bruno Maderna, dieser Avantgardist, der den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik eng verbunden war, bearbeitete Werke aus der italienischen Renaissance und dem Barock. Dennis Russell Davies hat nun mit dem Orchestra della Svizzera italiana eine verdienstvolle Einspielung realisiert. Helle, nie schwere Klänge, die Streicher mit dezentem Vibrato. Für Maderna lebt die Tradition, indem sie weiterkomponiert wird. Bei den "Tre Pezzi" legt er die von Girolamo Frescobaldi geschaffenen kontrapunktischen Strukturen offen. Unterhaltungswert hat "Le Sinfonie", eine Suite, die auf Lodovico da Viadana zurückgeht. Da verströmt "La Romana" mit Bläsern, Harfe und zwei Streicherensembles exquisite Eleganz. Für alle Stücke gilt: Die Instrumentengruppen werden oft nebeneinandergestellt, gliedern die Form. Bei der Giovanni-Gabrieli-Transkription "Canzoni a tre cori" simuliert Maderna, der 1920 geborene Venezianer, virtuos die Raumwirkung von San Marco, übersetzt er die Mehrchörigkeit in Klangfarben. Zusammen mit Maderna gründete Luciano Berio 1955 das Mailänder Studio für elektronische Musik. In den 1992 entstandenen und jetzt erstmals aufgenommenen "Chemins V" für Sologitarre (Pablo Márquez) und Kammerorchester analysiert er ein eigenes Werk: "Sequenza XI".

Bruno Maderna, Luciano Berio: Now, and then. Orchestra della Svizzera italiana. Leitung: Dennis Russell Davies (ECM).