Cembalo hoch fünf

Hans Jürgen Kugler

Von Hans Jürgen Kugler

Fr, 22. Dezember 2017

Bad Krozingen

Beim Konzert des Berliner Cembalo Ensembles in Bad Krozingen wird die Musik sicht- und fühlbar.

BAD KROZINGEN. Es gibt nur wenige Spielorte, an denen einem fünfköpfigen Ensemble versierter Cembalistinnen die entsprechenden historischen Instrumente in einem erstklassigen – und vor allem bespielbaren – Zustand zur Verfügung stehen. Die Tasteninstrumentesammlung im Bad Krozinger Schloss zählt dazu. So war es keine Frage, dass die fünf Damen des Berliner Cembalo Ensembles "Cembalissimo" – Mitzi Meyerson, Natalie Pfeiffer, Marianna Henrikkson, Lora Korneeva und Jia Lim – zum wiederholten Male am Wochenende zu gleich zwei Konzerten im Schloss auftraten.

Reihum nahmen die Künstlerinnen an den aufwendig restaurierten Instrumenten Platz und präsentierten ihr einzigartiges Programm – Cembalo-Konzerte und eigens für dieses Instrumentarium von den Musikerinnen arrangierte Orgelwerke von Johann Sebastian Bach. Ensembleleiterin Mitzi Meyerson kommunizierte per Augenkontakt und Handzeichen mit ihren Mitspielerinnen, ganz so, wie man sich traulich vereint bei der Hausmusik Familie Bach vorstellen mag.

Die Transposition auf fünf Cembali verlieh den Orgelwerken eine beispiellose Durchhörbarkeit, Klangfarbenreichtum und dynamische Raffinesse. Was sich besonders in den fugierten Passagen zeigte, wenn jede Stimme beziehungsweise jedes Cembalo einzeln einstimmt. So wurde die Bach’sche Polyphonie gleichsam augenfällig, das eng verzahnte Klanggeflecht auch optisch ineinander verwoben. Zudem bot der Live-Auftritt der Künstlerinnen die seltene Gelegenheit, das nuancenreiche Zusammenspiel unterschiedlicher Cembali in einem Maße transparent zu machen, das so nicht einmal auf den besten Tonaufnahmen je möglich wäre: Denn das Auge hört mit – und das Ohr hört mehr, wenn der optische Eindruck hinzutritt.

Der einzigartige Ensembleklang machte sich besonders in den vollorchestrierten Passagen bemerkbar, ein kristallklares Funkeln silbern schimmernder Tonkaskaden, von fließenden Läufen und polyphonen Unterströmungen durchzogen. Transparent und anschaulich auch die Wiedergabe der langsamen Stücke, so wie beim Adagio aus dem Orgelkonzert a-Moll BWV 593, der Adaption eines Violinkonzertes von Antonio Vivaldi; von den Berlinerinnen wiederum exquisit für zwei Solo-Blockflöten und einer extrem reduzierten, trockenen Cembalobegleitung arrangiert. Volltönender Ensembleklang dann wieder im Finalsatz – mit kleinen solistischen Einlagen auf Blockflöte, kleiner Rassel, Kastagnetten und Tamburin. Die Musikerinnen sparten auch nicht mit witzigen Einfällen, um den zuweilen tänzerischen Gestus der Musik zu unterstreichen, wiegten sich synchron im Takt oder machten anderweitig auf sich aufmerksam, um die komplexe Verteilung der musikalischen Motive zu illustrieren. Zur Zugabe stimmten die Damen gar mit neckisch weihnachtlichem Kopfschmuck angetan "Stille Nacht" an: zum Entzücken des Publikums, das klangstark und ausdauernd mitsang.