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19. Juli 2010

ZMF 2010

Chaostheater Oropax: Hosenträger und Sprühsahne

"Im Rahmen des Unmöglichen": Das Chaostheater Oropax mit neuem Programm beim ZMF.

  1. Athletische Spaßvögel: Oropax Foto: GRabherr

Manche Männer stecken ewig in der Vorpubertät – und zelebrieren ihre Albernheiten sogar jahrzehntelang öffentlich und erfolgreich. So wie das 1983 von den Brüdern Volker und Thomas Martins gegründete Freiburger Chaostheater Oropax, das jetzt zum sechsten Mal beim ZMF gastierte. "Im Rahmen des Unmöglichen" nennt sich ihr neues Programm, mit dem das Comedy-Duo im fast ausverkauften Zirkuszelt Freiburg-Premiere feierte.

Schon der Auftakt sitzt: Unter Schwarzlicht geben die beiden athletischen Spaßvögel mit überdimensionierten Neon-Sonnenbrillen und leuchtenden Hosenträgern eine artistische Parodie, bei der Reifen und Keulen an Akkubohrern rotieren. In Bauarbeiterkluft, mit allerhand Werkzeug und zwei Baugerüsten geht’s weiter: Zu intelligenten Kalauern und sinnentleerten Blödeleien wird mit Kaffee in der Sodamaschine herumexperimentiert, ein groteskes Kasperletheater mit Bauschaum-Perücken zum Besten gegeben oder das folienverpackte Publikum mit der Pumpspritze attackiert. Einen roten Faden gibt es nicht, die Themen sind belanglos. Man erlebt eine wilde Show zwischen entglittenem Kindergeburtstag und anarchischem Happening.

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Dabei gibt es bei Oropax eine klare Rollenverteilung: Der glatzköpfige Volker ist der eloquente und intellektuelle Boss, Thomas dagegen agiert als bauernschlauer oder grenzdebiler Philosoph und Sprücheklopfer. So neckt man sich in Dick- und-Doof-Manier und erfindet dabei immer neue Spiele: Mal sind es Sketche beim Arzt, mal verrückte Erfindungen, mal Streitereien auf der eigenen Beerdigung. . . Ein bühnenwirksames Markenzeichen ist neben den ungewöhnlichen Requisiten wie Winkelschleifer oder Poliermaschine vor allem die schrille Oropax-Maskerade. Zum Piepen, wenn Volker als gelbe Mülltonnen-Schnecke einen Topf Basilikum mit Stumpf und Stiel verputzt oder als Baustellen-Sandmännchen mit rotweißgestreiftem Verkehrs-Hütchen in einer Betonmaschine einfährt. . .

Natürlich sind auch wieder altbekannte Figuren wie der kleine Tobias, der Mönch oder Harald Pinski mit von der Partie, wenn die Bühne nach und nach lustvoll mit Currywurst, Sprühsahne und Bier eingesaut wird. In der Übertreibung liegt dann auch der Event-Charakter von Oropax, zumal die Brüder viel spontane Spielfreude zeigen und gerade in der Improvisation glänzen.

Wohltuend unterscheidet sich die Oropax-Show dabei von üblichen Comedy-Formaten: Statt hämisch über andere zu lachen, ergötzt sich man sich hier an den eigenen Späßen, statt Alltagsgeschichten zu inszenieren, kreiert man eine eigene Welt mit durchgeknallten Charakteren. Alles in allem hat man’s mit einem originelles Gute-Laune-Spektakel zu tun, das nach der Pause allerdings mehr und mehr wie eine Riesentüte Gummibärchen wirkt: hoher Spaßfaktor, viele Geschmacksverstärker, wenig Nähstoffe. Wer’s nicht gewohnt ist, ist schnell pappsatt davon. . .

Autor: Marion Klötzer