Interview

Charlize Theron: „Jeder will sein eigenes Raumschiff“

tsc

Von tsc

Mi, 08. August 2012

Kino

TICKET-INTERVIEW: Schauspielerin Charlize Theron über die Dreharbeiten zu "Prometheus".

Erst vor wenigen Wochen erlebten wir Charlize Theron als böse Königin in der Märchenadaption "Snow White and the Huntsman". In dem neuen Science-Fiction-Spektakel "Pr

ometheus" agiert die Südafrikanerin erneut als kühle Blonde. Privat ist sie wohl eher das Gegenteil: Im März wurde bekannt, dass sie einen Jungen adoptiert hat, dem nun ihre ganze Liebe gehört. Theron hat gerade ihren 37. Geburtstag gefeiert. Markus Tschiedert sprach mit ihr.

Ticket: Mrs. Theron, man erlebt Sie in "Prometheus" schon wieder als Schurkin. Müssen Sie nicht langsam aufpassen, dass Sie nicht darauf abonniert werden?
Charlize Theron: Ich würde nicht sagen, dass ich gern Bösewichte spiele, aber ich tendiere zu gebrochenen Figuren, weil ich mich mit denen mehr identifizieren kann. Ich nicht viele Leute, die perfekt sind. Die gibt es nur im Kino, und ich frage mich immer, was spielen die da? Menschen, die so rein und selbstsicher sind, gibt es doch gar nicht.
Ticket: Trotzdem: Müssen Sie jedes Mal Ihre eigene dunkle Seite erforschen, um eine solche Rolle zu spielen?
Theron: Ja, jedes Mal, und das ist eine hübsche Sache. Schauspieler verlangen regelrecht danach, sich in allen menschlichen Zuständen zu begeben. Doch der Weg, in eine andere Person zu tauchen, geht nur über dich selbst. Ich wüsste nicht, wie es anders funktionieren soll. Das ist gewiss nicht die einzige Methode, mit der ich arbeite, aber es gehört dazu, seine eigenen dunklen Seiten zu betrachten, sich davor auch zu fürchten. Wichtig ist, dass man den Weg zu sich selbst wieder findet. Dazu braucht man Ausgeglichenheit, und man muss wissen, was der Job ist, und was nicht.
Ticket: Brauchen Menschen nicht generell düstere Geschichten wie "Prometheus", um sich mit Ängsten auseinanderzusetzen?
Theron: Auf jeden Fall! Das Entscheidende ist doch, dass sich Menschen seit jeher gegenseitig Geschichten erzählen, um sich zu reflektieren. Früher hat man sie sich am Lagerfeuer erzählt, heute geht man ins Kino, um sie sich erzählen zu lassen. Geschichten funktionieren wie ein Spiegel, und wir mögen es, uns darin zu betrachten und zu reflektieren. Es geht nicht einfach nur darum, sich irgendetwas erzählen zu lassen. Nein, wir wollen eine emotionale Verbundenheit spüren, und das ist gewiss eine gute Sache.
Ticket: Bieten sich Science-Fiction-Storys dafür besonders an, weil Sie so fasziniert davon sind?
Theron: So viele Science-Fiction-Filme habe ich gar nicht gedreht, neben "Prometheus" war es nur "Æon Flux", mehr nicht. "Astronaut"s Wife" sehe ich eher als Horrorfilm, und selbst mein nächster Film "Mad Max: Fury Road", den ich gerade drehe, ist in meinen Augen ein postapokalyptischer Thriller.
Ticket:
Sie sollen es aber sehr genossen haben, in "Prometheus" Ihr eigenes Raumschiff zu haben?
Theron: Träumt nicht jeder davon, eines Tages sein eigenes Raumschiff zu bekommen (lacht)? Ich fand es einfach nur toll, als Regisseur Ridley Scott mir sagte: "Hier ist dein Raumschiff!" Wissen Sie, letztendlich sind Schauspieler wie Kinder, die sich immer wieder über neue Spielzeuge freuen, diesmal war es ein Raumschiff. Aufgebaut wurde es in der größten Halle in den Pinewood-Studios bei London. Nach "Prometheus" fingen gleich in der 007-Halle die Dreharbeiten zu "Snow White and the Huntsman" an. Ich konnte also gleich dableiben und beobachten, wie mein Raumschiff wieder abgerissen wurde, und ich dafür ein Schloss hingesetzt bekam.
Ticket: Ihren größten Wunsch haben Sie sich aber sicherlich mit der Adoption eines Kindes erfüllt...
Ja, mein Sohn hat jetzt höchste Priorität, und es fällt mir schwer, nicht die Zeit mit Jackson zu verbringen. Ich bin zum ersten Mal Mutter. Ich fühle mich wie auf einer großen Wolke, und würde am liebsten jeden einladen, darauf Platz zu nehmen. So glücklich bin ich gerade.
Ticket: Viele Stars wie etwa Will Smith haben Ihre Kinder früh vor die Kamera geholt. Käme Ihnen das irgendwann auch in den Sinn?
Theron: Vielleicht, aber das hängt allein von der Sensibilität eines Kindes ab. Manche sind ängstlicher, andere können es gar nicht erwarten, sich darzustellen. Eltern müssen ein Gespür dafür haben, was ihre Kinder wollen und aushalten können.