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06. August 2010 07:28 Uhr
Rundfahrt
Colmar stoppt Touristenzug – Anbieter ignoriert Verbot
Zwei Züge konkurrieren in Colmar darum, Touristen durch die Stadt zu kutschieren. Die Fahrer der grünen Lok haben sich in der Fußgängerzone als Rowdys erwiesen – und verloren ihre Fahrerlaubnis. Doch das kümmert sie wenig.
COLMAR. So ein Touristenzug ist eine feine Sache. Die Fahrgäste nehmen Platz, packen die Tüte mit den Souvenirs auf den Schoss, öffnen die Limonadendose und werden gemütlich übers Kopfsteinpflaster geschuckelt. Statt mühselig zu Fuß die Stadt zu erkunden, lassen sich die Besucher mehr oder weniger bequem an den Sehenswürdigkeiten vorbeifahren. Solche Züge, vorne dran der sich nostalgisch als Lok ausgebende Zugwagen, gefolgt von zwei oder drei Anhängern mit den Sitzplätzen, sind in vielen Fremdenverkehrsorten zu finden. So auch in Colmar.
Seit 2007 konkurrieren sogar zwei Züge um den profitablen Touristenmarkt in der Stadt. Eines der beiden Unternehmen hat sich jedoch inzwischen besonders in der Fußgängerzone als veritabler Rowdy erwiesen. Zum Leidwesen der Stadtverwaltung missachten die Fahrer des grünen Minizugs konsequent alle Vorschriften, die eigentlich für die Fahrzeuge gelten. So werden Geschwindigkeitsbeschränkungen übertreten, Park- und Durchfahrverbote ignoriert, und wo Blumenkübel, die die Fahrspur begrenzen sollen, dem Zug im Weg stehen, werden sie von den Fahrern eigenmächtig versetzt.
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Aufgrund dieser Vorkommnisse entzog die Stadtverwaltung Ende 2009 dem Unternehmen namens "Train’s" die Fahrerlaubnis in der Innenstadt und zugleich die Betriebsgenehmigung. Doch das erschütterte den Betreiber des grünen Zugs wenig. Er missachtet auch alle Abmahnungen der Stadtpolizei und lässt seine Wagen dreist weiter fahren. Yves Hemedinger, erster Beigeordneter des Oberbürgermeisters und zuständig für den Verkehr, äußerte jüngst mit ratloser und säuerlicher Miene im regionalen Fernsehen: "Die Fahrer des grünen Zuges ignorieren einfach unser Verbot." Verständlich, dass ihm die Angelegenheit nicht gerade Laune macht. Zumal er am Tag nach seiner Rückkehr aus dem Sommerurlaub, am 16. August, vor Gericht auftreten muss: "Train’s" ist in die Offensive gegangen und hat die Stadt wegen Geschäftsbehinderung verklagt.
Hubert Niess, der Direktor des Office de Tourisme, kritisiert, dass der grüne Minizug dem Image der Stadt schade und zudem die Touristen gefährde. "So, wie die Fahrer sich verhalten, ist das, als ob wir Stadtführer mit schlechtem Benehmen zulassen würden." Zu dem Streit, der allgemein als unangenehm empfunden wird, gibt es sonst kaum Kommentare. Auch nicht von der Konkurrenz, dem weißen Touristenzug. "Uns betrifft das nicht", heißt es dort, "das müssen die Stadt und der andere Minizug unter sich austragen."
Autor: Bärbel Nückles
