Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
24. Mai 2011 22:05 Uhr
Lokalposse
Das pittoreske Colmar zankt um seine Touri-Kutschen
Sie gehören zu Colmar wie der Isenheimer Altar: Die grünen Bimmelbahnen, die Touristen durch die Stadt kutschiert. Nun gibt es Ärger, der sogar den Verwaltungsrichter beschäftigt. Wo sollen die Züglein parken?
Der grüne Touristenzug klappert seine Stationen in der Altstadt von Colmar weiter ab – und parkt dort, wo es die Stadtverwaltung verboten hat. Anne Ludmann, die Inhaberin von Train’s, dem Unternehmen hinter dem grünen Zug, sitzt ihren Streit mit der Stadtverwaltung seit gut einem Jahr aus.
Am Montag hat nun das Straßburger Verwaltungsgericht in der jüngsten Klage Ludmann gegen die Stadt Colmar entschieden. Die Stadt habe zu Recht ein Parkverbot für den Quai de la Sinn ausgesprochen, lautet das Urteil. "Wir wollen nicht, dass sie ausgerechnet dort parkt", sagt der Justiziar der Stadt, Alain Kunegel. Nebenan ist der Erweiterungsbau des Unterlindenmuseums geplant. Die Stadt will einen Verweilort für Fußgänger und Touristen, keinen Parkplatz.
Ludmanns alternativen Vorschlag, die Place des Martyres, hatte die Verwaltung inzwischen dem Konkurrenzbetrieb mit dem weißen Zug zugewiesen. "Jeder der beiden Betreiber muss eine Route akzeptieren", beharrt Kunegel und vertraut auf eine Einigung.
Ende 2009 hatte die Stadt Train’s die Genehmigung entzogen. Seitdem hat sich ein Gezerre aus zahllosen Klagen und Berufungen ergeben. Von Anne Ludmann war auf eine Anfrage gestern keine Antwort zu bekommen. In einer früheren Stellungnahme hatte sie widersprochen, dass sie auf eine Fahr- und Parkgenehmigung der Stadt überhaupt angewiesen sei, und berief sich auf die Erlaubnis der Präfektur in Colmar. Just deren Genehmigung hob das Straßburger Verwaltungsgericht im Sommer des Jahres 2010 auf. Wegen eines alten Formfehlers hätte sich die Entscheidung allerdings auch auf den Konkurrenten, den weißen Zug, erstrecken müssen.
Werbung
Wird die Stadt mit Ludmanns Vorwurf der Benachteiligung konfrontiert, listet man dort diverse Verstöße auf: Der grüne Zug missachte die vorgeschriebene Fahrtrichtung vor dem Koïfhus, das Fahrverbot in der Hauptstraße, die Beschränkung des Touristenzugverkehrs auf die Monate April bis Oktober. Manche wollen beobachtet haben, wie Zugführer bei Bedarf Blumenkübel umgestellt hätten.
Alain Kunegel, der Stadtjustiziar, bescheinigt Frau Ludmann eine gewisse Streitlust und räumt ein, dass es der Stadt längst nicht mehr um unbezahlte Gebühren oder vergebliche Verwarnungen gehe. Zweifelsohne hat die Betreiberin des grünen Zuges einen langen Atem. Eine Gaststätte wäre in einer vergleichbaren Situation längst geschlossen worden.
- Schnäppchen-Paradies: Elsässer lieben den Einkauf in Südbaden
Autor: Bärbel Nückles
