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23. August 2010 14:18 Uhr
Ermittlungsergebnisse
Fall Kalinka: Neue Missbrauchsvorwürfe gegen deutschen Arzt
Der Franzose André Bamberski hat 2009 den deutschen Arzt Dieter Krombach nach Mulhouse entführen lassen. Er wirft ihm den Missbrauch und Tod seiner Tochter Kalinka vor. Ermittler berichten nun von drei weiteren Missbrauchsvorwürfen.
Bamberskis 14 Jahre Tochter Kalinka verbrachte 1982 die erste Hälfte der Sommerferien am Bodensee im Hause von Dieter Krombach. Er lebte damals mit Kalinkas leiblicher Mutter zusammen. Kalinka wurde am 10. Juli tot in der Wohnung des Deutschen gefunden. Im Obduktionsbericht waren Einstichstellen vermerkt. Krombach erklärt sie mit eisenhaltigen Präparaten, die er Kalinka gespritzt habe. Er bestreitet, an ihrem Tod schuld zu sein.
Während die deutsche Justiz das Verfahren gegen den Mediziner 1987 mangels Beweisen einstellte, verurteilte ein französisches Gericht den Mediziner 1995 in Abwesenheit zu 15 Jahren Gefängnis. Deutschland lieferte den Arzt aber nie aus.
Kalinkas leiblicher Vater André Bamberski versucht seit Jahrzehnten, den Tod seiner Tochter aufzuklären. Vergangenen Herbst griff er zur Selbstjustiz: Er ließ Krombach am Bodensee entführen und einem Gericht in Mulhouse vor die Tür legen. Krombach droht nun in Frankreich ein neues Verfahren.
Die französischen Behörden haben nach Angaben der Zeitung "Le Parisien" alte Ermittlungsakten durchforstet und mögliche Zeugen in Deutschland kontaktiert. Ergebnis: Drei Frauen sagten aus, sie seien als Minderjährige von dem Arzt betäubt und sexuell missbraucht worden. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen handelt es sich in allen drei Fällen um die Töchter von Lebensgefährtinnen des Mediziners. Der Missbrauch sei im gemeinsamen Urlaub passiert, nachdem ihnen Krombach angeblich das Mittel Kobalt-Ferrlecit gespritzt habe. Bewahrheiten sich die Angaben, würde sich der Ablauf mit dem im Fall Kalinka decken.
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Zudem hätten die Ermittler mit dem Notarzt gesprochen, der 1982 zu Kalinka gerufen worden sei. Er habe es damals Krombach überlassen, die Polizei vom Tod des Mädchens zu informieren. Krombach habe aber keinen Kontakt zu den Beamten aufgenommen. Erst ein hinzugezogener Bestattungsunternehmer habe die Polizei gerufen.
Der Mediziner verlor 1997 seine Zulassung als Arzt in Deutschland wegen sexuellen Missbrauchs in einem anderen Fall. Das Landgericht Kempten befand ihn seinerzeit für schuldig, eine 16-jährige Patientin unter Narkose vergewaltigt zu haben. Er bekam dafür zwei Jahre auf Bewährung und übte seinen Beruf illegal weiter aus.
- André Bamberski: Rächer seiner toten Tochter
Autor: Peter Disch mit AFP



