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03. August 2011
Motown à la française
TICKET-INTERVIEW: Ben L’Oncle Soul tritt in Colmar in einem Programm mit der Sängerin Zaz auf.
Wenn am Montag Zaz bei der Colmarer Weinmesse auftritt, dann ist dieser Name in Deutschland geläufig, hat die Sängerin ja auch hier zu Lande Erfolg. Wer aber ist der Sänger, der nach ihr (und der Vorband Été 67) in Colmar auf dem Programm steht? Ben L’Oncle Soul singt mal Englisch, mal Französisch, seine Musik aber ist stets klassischer Sixties-Soul à la Motown und Stax. Stefan Franzen sprach mit dem 27-Jährigen, der in Frankreich ein Star ist.
Ticket: Benjamin Duterde, Ihr Künstlername klingt wie der Titel einer Kinderfernsehserie: "Ben, der Soulonkel"...Ben: (lacht) Nein, er hat eher mit dem Uncle Ben’s Rice zu tun. Schon auf dem Collège habe ich Fliege und Hosenträger getragen, und da ich auch noch Benjamin heiße, haben mich meine Schulkameraden jahrelang Oncle Ben genannt. Doch die Reisfirma war nicht damit einverstanden, dass ich das als Künstler verwende, also habe ich es ein bisschen vermischt und es ist "Ben L’Oncle Soul" daraus geworden.
Ticket: Sie sind mit dem Old-School-Soul groß geworden, haben Sie denn nie mit HipHop oder Hardrock rebelliert wie ein normaler Jugendlicher?
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Ticket: Sind Sie ein Pionier oder greifen auch andere Künstler klassischen Soul in Frankreich auf?
Ben: Es gibt in der Tat nur wenige, meine musikalischen Bezugspunkte sind ausschließlich US-Amerikaner. Ich bin Mischling, mein Vater ist Martinikaner. Zwangsläufig berührt mich die Geschichte der Schwarzen, sei es in den USA, auf den Antillen, in Afrika. Beim Schreiben der Texte allerdings, da habe ich mich auch an Claude Brassens, Jacques Brel, Claude Nougaro, Nino Ferrer und Charles Aznavour orientiert. Daher sehe ich meine Musik auch als Verbindung zwischen der Musik der Schwarzen Amerikas und meiner Kultur des französischen Chansons. Es stört mich auch nicht, wenn man meine Arbeit als Retro bezeichnet, denn letztendlich ist die Art wie ich mich kleide und auch die Choreographie auf der Bühne eindeutig das Resultat dieser Rückorientierung. Die Retro-Philosophie durchzieht heute alle Genres, auch den HipHop und den Reggae. Warum soll ich also nicht umsetzen, was ich immer gelebt und geliebt habe?
Ticket: Es gibt ja unter den Fans des klassischen Soul aus den USA die beiden Lager: Die Motown-Fans schwören auf den etwas glatten, kommerziellen Sound aus dem städtischen Norden, die Stax-Anhänger mögen das Raue, Ruppige der ländlichen Südstaaten. Wozu zählen Sie?
Ben: Das ist vielleicht das Besondere an mir: Ich liebe beide enorm, mit dieser Gegensätzlichkeit. Insgesamt mag ich an Motown vielleicht mehr das Songmaterial, aber meine Lieblingsstimme ist ohne Zweifel die von Otis Redding, und der war bekanntlich bei Stax, der Konkurrenz.
Ticket: Wie haben Sie zu Ihrer Stimme gefunden?
Ben: Das hat sich sehr natürlich entwickelt. Ich habe zuhause immer zu den Platten gesungen, die ich gehört habe. Dann war ich zwei Jahre lang Teil einer Gospelgruppe, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das hat mich trainiert für die Bühnensituation, hat mir die Schüchternheit genommen.
Ticket: Und wie haben Sie Ihre Musiker gefunden? Soulbands gibt es ja in Frankreich nicht sehr viele.
Ben: Der Großteil meiner Band kommt eher aus dem Jazz, das sind Kumpels von mir, die ich aus Tours kenne. Eines Tages habe ich unsere Songs auf My Space gestellt, und dann kam ein Typ und sagte: "Wollt ihr nicht als Eröffnungsact in Paris auftreten?" So sind wir in die Szene reingekommen, haben uns dann noch ein bisschen Choreographie im Stile der Temptations und Supremes draufgeschafft.
Ticket: Neben Ihren eigenen Songs hört man in Ihrem Repertoire auch immer wieder Coverversionen von Pop- und Rocksongs, die auf klassischen Soul zurechtgeschnitten werden, ihre Single "Seven Nation Army" zum Beispiel stammt von den White Stripes. Warum machen Sie solche Cover?
Ben: Auch wenn der Soul eine Musik ist, die auf gestern zurückdatiert, hatte ich Lust zu zeigen, dass ich der Generation angehöre, die eben mit "Barbie Girl" von Aqua und mit den Spice Girls aufgewachsen ist. Eine augenzwinkernde Brücke zwischen Gestern und Heute.
Termin: Colmar, Konzertprogramm der Weinmesse: Ben L’Oncle Soul/Zaz/ Été 67, Freiluft-Amphitheater auf d. Messegelände, Mo, 8. Aug., 19 Uhr; Info: BZ-Kartenservice 0761/4968888
Autor: fra
