Der Mann, bei dem der Blues tiefe Spuren hinterließ

Bernd Peters

Von Bernd Peters

So, 29. Juli 2018

Rock & Pop

Der Sonntag Beim Rag’n’Bone Man hört man eine Seelenverwandtschaft zu Johnny Cash und Tom Jones – Auftritt bei der Foire aux Vins in Colmar.

Mit "Human" eroberte Rag’n’Bone Man die Hitparaden. Jetzt ist er bei der Foire aux Vins in Colmar zu erleben.

Der Blues ist ja die Urform aller Pop-Musik. In der Regel vergisst die Musikwelt diese Tatsache regelmäßig, nur um dann alle paar Jahre bei einem neuen Blues-Revival verzückt in die Hände zu klatschen (im Off-Beat freilich) angesichts der emotionalen Kraft und Frische, die dieser Musikform bis heute innewohnt. Erstaunlicherweise sind es überwiegend junge, weiße Musiker, die von diesen Revivals profitieren, während die Originale des Genres ein Schattendasein in der Fachpresse und weit hinten im Plattenregal der Musikmärkte fristen. Eine Paradebeispiel für die regelmäßig wiederkehrenden und mit Vorliebe in England hochschlagenden Blues-Wellen ist Rory Graham aus Brighton im Süden Englands. Mit "Human" war der 33-jährige gelernte Heilerziehungspfleger im vergangenen Jahr einer der großen Abräumer in den Hitparaden. Nun reist er für zwei Konzerte in unsere Region.

Eigentlich kommt Graham, der sich als Künstler Rag’n’Bone Man ("Lumpensammler") nennt, vom HipHop. Als er 2013 mit seiner Version des Klassikers "House of the Rising Sun", die bei ihm schlicht "Rising Sun" hieß, auf sich aufmerksam machte, wechselte er sich am Mikrofon noch mit dem britischen Rapper Stig of the Dump ab. Doch darf man sich vom modernen Mantel, den Graham seiner Musik mit fetten Beats und tiefer gelegtem Bass verleiht, nicht täuschen lassen: Der Rag’n’Bone Man ist keiner, der sich nur beim Blues und Soul bedient, weil es gerade angesagt wäre. Vielmehr hat er diese Musik sprichwörtlich mit der Muttermilch aufgesogen. Er habe sich lieber die Platten seines Vaters reingezogen, als vorm Fernseher rumzuhängen, hat Graham einmal über seine Kindheit gesagt. JJ Cale zum Beispiel. Oder Otis Redding. Sie haben tiefe Spuren hinterlassen: Wenn Graham seine Hymnen wie "Skin" oder "Human" anstimmt, dann klingt das weniger nach "Joe Cocker, der über einen Track von Moby singt", wie ein Kritiker im Guardian geschrieben hat. Sondern vielmehr nach Gospel, tiefem Süden und jeder Menge Seele. Hört man Graham ganz ohne Hightech-Begleitung, so meint man einen Seelenverwandten von Johnny Cash und Tom Jones gleichermaßen im Ohr zu haben: Sein "Hard Come the Rain" muss da keine Vergleiche scheuen.

Viele Platten hat Rory Graham noch nicht veröffentlicht, doch hat er längst den Beweis dafür erbracht, dass seine Stimme trägt. Durch die Rückbesinnung von modernen, elektronischen Musikformen hin zu den Wurzeln der Pop- und Rock-Musik geht von seinen Songs eine universelle, zeitgemäße Frische aus. Dazu kommt seine angenehme Persönlichkeit, der man die einstige Scheu vor Publikum bis heute abnimmt.Bernd Peters
Rag’n’Bone Man und Beth Ditto, Donnerstag, 2. August, 20 Uhr, "Foire aux Vins, Colmar.
Der Sonntag verlost dreimal zwei Karten für das Konzert. Einfach heute die Nummer 0137/808 01 30 anrufen (50 Cent/Anruf aus dem Festnetz)
Die Foire aux Vins in Colmar dauert noch bis zum 5. August. Informationen zu den Konzerten unter http://www.foire-colmar.com

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