Nippes und Nostalgie

Weihnachstmärkte in Colmar

Silke Kohlmann

Von Silke Kohlmann

Fr, 01. Dezember 2017

Colmar

Echte Schafe und hölzerne Pferde: Weihnachtlicher Familienausflug nach Colmar.

"Ohh, Eisbär!" Den Kopf in den Nacken gelegt, den Mund zu einem großen O geformt, steht Malou (2 Jahre) in Colmars Altstadt. Was ihn so fesselt? Über ihm schaut ein mächtiger Plüsch-Eisbär über den Rand eines Hausdaches. Dahinter in einer Schneelandschaft aus weißem Vlies: Robben, Schlittenhunde, der Weihnachtsmann. Im weihnachtlichen Dekorieren sind die Elsässer beinahe unübertroffen. Tannengrün, goldene Kugeln, glitzernde Päckchen, Lebkuchenherzen aus Holz und jede Menge Lichter: In der Altstadt von Colmar zeigt sich fast jede Hausfassade in weihnachtlichem Glanz. Mal ganz dezent in Rot-Weiß und Holz, mal ist die Grenze zum Kitsch weit überschritten. Aber in jedem Fall: Staunende Kinderaugen sind garantiert.

Man muss sich seinen eigenen Weg suchen durch das weihnachtliche Colmar, um die schönsten Ecken zu entdecken. Wir starten auf dem Kinderweihnachtsmarkt auf der Place des Six Montagnes Noires im Viertel Klein Venedig. Fünf Weihnachtsmärkte beherbergt die Innenstadt von Colmar, dieser ist ganz auf die Bedürfnisse der jungen Besucher ausgelegt. Ein paar Schafe kauen ihr Heu und scheinen sich von dem Gewusel auf der anderen Seite des Gatters nicht stören zu lassen. Gegenüber neigen die Heiligen drei Könige wohlwollend die Köpfe vor dem Jesuskind. Die mechanische Krippe zieht jede Menge Kinder an, die einen Blick auf das Kind in der Krippe erhaschen wollen. An den Ständen des Marktes gibt es viel Kinderspielzeug und natürlich elsässische Naschereien: Lebkuchen, Mannele (Weckmänner), Bredele und zum Aufwärmen einen warmen Apfelsaft.

Sehnsüchtig wandern die Blicke der Kinder zu den hölzernen Pferden, auf denen man eine Runde drehen kann. Wir aber haben noch ein anderes Ziel: das wunderbar-nostalgische Karussell auf der Place Rapp. Es ist eines der ältesten und größten seiner Art in Frankreich mit vielen Originalteilen aus dem Jahr 1900, und weil es sich um einen geschlossenen Karussellsalon handelt, ist es drinnen angenehm warm.

Pferd, Zug, Eselkarren – die Kinder können sich kaum entscheiden, wo sie zuerst auf- oder einsteigen wollen. Malou entscheidet sich schließlich für das Kamel, der Bruder macht es sich auf dem Elefanten gemütlich, und die große Schwester wagt einen Ritt auf dem Vogel Strauß. Und weil auch die Preise aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen (15 Fahrten für 10 Euro), dürfen die Kinder gleich nochmal. In einem altertümlichen Flugzeug heben sie ab, der Korb des Fesselballons dreht sich im Kreis und die Glocke des Feuerwehrautos muss natürlich kräftig geläutet werden. Zu jeder Runde spielt die betagte Besitzerin die schönsten Weihnachtsschnulzen: White Christmas, Jingle Bells – selbstverständlich in der französischen Version. Eine bessere Einstimmung aufs Fest kann es kaum geben.

Übrigens: Da in Frankreich der Père Noël erst am 25. Dezember kommt, ist der Weihnachtsmarkt auch an Heiligabend bis 17 Uhr geöffnet: Das Warten aufs Christkind kann also geschickt mit einem Colmar-Ausflug verkürzt werden.

Weitere Infos: Anfahrt und Parken: In Colmar der Beschilderung Zentrum und Place Rapp folgen, dort gibt es ein Parkhaus und mehrere Parkplätze. Weihnachtsmärkte bis 30.12.: Mo-Do 10-19 Uhr, Fr-So 10-20 Uhr, 24.12. 10-17 Uhr, 25.12. 14-19 Uhr; Karussell Place Rapp: Mi-Mo 14-19 Uhr; weitere Infos:
http://www.noel-colmar.com/de/