Comedy, Musik und ganzer Einsatz

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mi, 12. September 2018

Breitnau

Beim Hochschwarzwälder Kleinkunstfestival im gilt die "Offene Bühne" als heimlicher Höhepunkt.

BREITNAU. Für manche Besucher ist die "Offene Bühne", die Präsentationsfläche für talentierte Amateure, der mehr oder weniger heimliche Höhepunkt des Hochschwarzwälder Kleinkunstfestivals. Diesmal bieten am Mittwoch, 19. September, vier Solisten und ein Trio Comedy, ganz viel Musik und vollen Einsatz.

Akif Altan
Ganz schön abgebrüht gibt sich Akif Altan vor seinem ersten öffentlichen Auftritt. "Ich beginne einen Tag vorher", sagt der 29-Jährige, der in St. Georgen lebt, über seine Programmplanung. "Die Ideen gibt’s schon", beruhigt er: "Ich habe ein Rohkonzept im Kopf" und "sporadische Proben vor dem Spiegel" hinter sich. Ob er auf der Bühne eher fiepsig oder sonor klinge, will er vom Altersdurchschnitt des Publikums abhängig machen, kündigt Altan augenzwinkernd an. Und passend zu den Besuchern will er "eine der vielen Persönlichkeiten und Identitäten rausholen", die offenbar in ihm schlummern.

Noch hat er ja keine Erfahrungswerte, aber rechnet Akif Altan bei seiner Premiere mit Lampenfieber? "Das hab’ ich tatsächlich", bekennt der Neuling, "weil ich nicht weiß, wie moralisch flexibel Breitnau ist". Denn, ergänzt er, "dieses Multikulturelle ist ja noch nicht so oft in Breitnau aufgetreten". Als Türke und Schwabe habe er in Baden gleich "doppelten Migrationshintergrund". Altan ist zu der Erkenntnis gelangt, "unterm Strich sind alle gleich", er propagiert "Humor für alle".

Er habe davon in seiner Erziehung eine Überdosis abbekommen, verrät der im Kreis Sigmaringen geborene und aufgewachsene Wahl-Schwarzwälder. Beruflich arbeitet der Pädagoge mit schwer erziehbaren Jugendlichen, die so "verhaltenskreativ" seien wie er." Egal, wie sein Mix aus Comedy und Musik genau ausfallen wird, eines verspricht Altan vorab: "50 Prozent des Programms wird das Flirten mit dem Publikum einnehmen."

Franziska Clementi

Die Liebe zur Musik und zum Theater erwachte bei Franziska Clementi bei ihrem ersten Auftritt mit der Musical-AG der Bonndorfer Realschule. Damals war sie elf. Inzwischen ist die Grafenhausenerin 18 und Abiturientin. Sie spielt Gitarre und Ukulele, seit drei Jahren nimmt sie Gesangsunterricht. Bei den jährlichen Schulaufführungen und als Sängerin beim Zunftfest an Fastnacht sammelte sie weitere Bühnenerfahrung. Außerdem macht sie Straßenmusik. Sie probiert gern Neues, folgerichtig schreibt sie die Lieder, Geschichten und Gedichte, mit denen sie auftritt, alle selbst. In Breitnau singt die jüngste Akteurin "emotionale Lieder, die meine Geschichte erzählen".
"De Schwö"
Für Thomas Schwörer aus B. ist sein Auftritt im anderen B. im Hochschwarzwald auch ein Besuch beim Kollegen. Denn ebenso wie Martin Wangler in Breitnau organisiert "Schwö" seit Jahren die "Offene Bühne" in Bubenbach, ebenfalls mit Erfolg. Als sich beide mal wieder über den Weg liefen, meinte Wangler, Schwörer könnte doch bei ihm auftreten. "Ja klar", habe er vollmundig gesagt, ohne ein Programm zu haben.

Womit will er sein Publikum am Mittwoch bespielen und bespaßen? "Ich weiß es noch nicht ganz genau", sagt Thomas Schwörer und klingt tiefenentspannt. Kein Hauch von Stress beim 54-Jährigen. An Ideen fehlt es dem Hausmeister der Eisenbacher Wolfwinkelhalle nicht, grob hat er den möglichen Programmablauf für seinen Part im Kopf: "Kleine Geschichten in Gedichtform, am Schluss noch was über Dialekt und ein kurzes Lied über den Hochschwarzwald, wenn noch Zeit ist." Er macht sowieso alles in Alemannisch, stellt Schwörer klar, aber in diesem Fall den eigenen Dialekt halt auch mal zum Thema und das alles "Richtung Comedy".

Fasnet macht er schon seit Jahren, "das war der Ursprung vom Kabarettistischen" bei ihm. Seine Gitarrenausbildung erhielt er als "ganz junger Kerle", erst bei der Jugendmusikschule, dann noch zwei Jahre privat. Gesanglich ist er Autodidakt, sagt Schwörer. Er spielte und sang bei "T. J. Art" und in der Coverband "Decades", als "Spitz und Schwö" und mit "Lümmel Südwest" machte er Musik-Comedy und stand mit beiden Formationen auch schon in Breitnau auf der Bühne. Was er noch nicht gemacht hat: Thomas Schwörer tritt zum ersten Mal allein auf.
"TonSpiLe"
Dreistimmigen Gesang, begleitet von Gitarre und teils noch Klarinetten, das bieten "TonSpiLe" ihrem Publikum. Den Namen ihres neuen Trios setzten Antonia Winterhalder, Georg Spindler und Lea Bölle aus Bestandteilen ihrer Namen zusammen. Alle drei leben in Göschweiler und sind musikalisch auf gleicher Wellenlänge. Das haben sie schnell gemerkt, nachdem Spindler die beiden Frauen fragte, ob sie Lust hätten, mal mit ihm zusammen zu singen, dreistimmig eben. Der 40-Jährige (Tenor) kannte die zwei und ihre Stimmen von Auftritten mit der Trachtenkapelle und ihren Gesangseinlagen im Kinder- und Jugendtheater Göschweiler. Lea Bölle (Alt) und Antonia Winterhalder (Sopran/Mezzosopran) hatten Lust. Seit einem Jahr proben nun "TonSpiLe" fast wöchentlich zwei bis drei Stunden und traten auch schon mit Erfolg auf. Sie singen ausschließlich Eigenkompositionen. Wobei Spindler den Begriff Komposition gleich relativiert: "Wir schreiben unsere Lieder nicht auf, nur den Text." Er sei "kein Notenmensch", mache alles nach Gehör. "Ruhig, nachdenklich und zeitkritisch" nennt er die Texte zu Themen wie Umweltzerstörung, doch auch Liebes- und Fernwehlieder finden sich im Repertoire. Schwer zu beschreiben sei der Musikstil. Liedermacher, Folk – diese Begriffe weisen die Richtung. "Ich bin ein Freund schräger Akkorde aus dem Jazzbereich", verrät der professionelle Käser.

Hannes Stehle
Der 31-jährige Bachheimer ist zwar auch schon solo aufgetreten, nicht aber mit seinen selbst geschriebenen Stücken in englischer Sprache. Seine Themen? "Zwischenmenschliche Geschichten über alles Mögliche", sagt der Physiotherapeut. In Breitnau will er "drei ganz simple Akustiknummern mit Gesang" zum Besten geben. Welche drei, das weiß er noch nicht genau. Jedenfalls eine Auswahl aus den neun Stücken, die er auf seinem ersten Soloalbum in den nächsten Monaten veröffentlichen wird. Auf der Offenen Bühne testet er einen Teil davon erstmals vor Publikum. Damit das weiß, worum es jeweils geht, wird Stehle vorher immer ein paar Worte zu seinen Stücken sagen.