Beharrungsvermögen eines Genres

KNA

Von KNA

Mi, 17. Oktober 2018

Computer & Medien

Vom 7. bis 11. November finden in Karlsruhe wieder die ARD-Hörspieltage statt.

Natürlich sind die ARD-Hörspieltage Werbung in eigener Sache. Die Öffentlich-Rechtlichen wollen dokumentieren, dass das altehrwürdige Medium Hörspiel auch im digitalen Zeitalter nicht an Relevanz verloren hat. Immerhin gut 70 Hörspiele produziert allein der Südwestrundfunk (SWR) Jahr für Jahr. Inzwischen eher per App abrufbar als im Mitternachtsprogramm der Kulturprogramme zu hören.

Der Leiter der Karlsruher Hochschule für Gestaltung Johan Hartle jedenfalls spricht vom großen "Beharrungsvermögen" des Hörspiels, gerade weil es dem gesprochenen Wort die zentrale Stellung einräume. Unbestritten bieten die Hörspieltag vom 7. bis zum 11. November dem Publikum die Gelegenheit, in einem dicht gepackten Programm die vielfältigen Spielarten des Hörspiels zu erleben: vom Kinderabenteuer bis zum Krimi, von der Politikdoku bis zur intellektuell unterfütterten Klangkunst.

Festivalleiter Ekkehard Skoruppa verwies bei der Vorstellung am Dienstag auf präsentierte Hörspiele, die brennend aktuelle Themen aufgreifen: "Mein fremdes Land" von Leyla Rabih und Mohammad Al Attar über die syrische Kriegskatastrophe oder die Mutter-Tochter-Geschichte "Bei Trost" von Naema Gabriel. Das Hörstück "Die Maschine steht still" nach einer 1909 entstandenen Erzählung von Edward Morgan Foster gehe der durch Künstliche Intelligenz brisant gewordenen Frage nach dem Mit- und Gegeneinander von Mensch und Technik nach.

Im Hauptwettbewerb des größten Hörspiel-Festivals im deutschsprachigen Raum werden sich zwölf Produktionen messen – darunter je eine aus der Schweiz und aus Österreich. Das Besondere: Jeweils nach der Vorführung im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) diskutiert die Jury öffentlich mit dem Publikum. Zusätzlich gibt es einen eigenen Publikumspreis und eine Auszeichnung für das beste Kinderhörspiel.

Am Familientag, klassischerweise immer der letzte Festivaltag am Sonntag, kommen jetzt erstmals zwei Live-Hörspiele auf die Bühne: das musikalische Märchen "Des Kaisers neue Kleider" und Christine Nöstlingers "Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse". Junge Festivalbesucher können zudem mit Geräuschen experimentieren und eigene Klangstücke produzieren.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden historische Stoffe. So gibt es eine Live-Aufführung des Hörspiels "Moabit" sowie die Hörspielfassung von Volker Kutschers historischem Roman "Der nasse Fisch" über das Berlin der 1920er Jahre. Das Festival will hier vom Erfolg der TV-Serie "Babylon Berlin" profitieren. Ob diese Programmentscheidung die Eigenständigkeit des Mediums Hörspiel beweist, wird das Publikum entscheiden müssen.

Zentralen Raum nimmt zudem ein "Fachtag" ein, der Pädagogen Lust auf Hörspiel machen soll. "Das Hörspiel ist ein Medium, das Schüler in einer beliebigen und verlärmten Welt abholt und zum konzentrierten Zuhören bringen kann", so die Leiterin des Karlsruher Kulturamts Susanne Asch.