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10. September 2008 07:33 Uhr

Breitbandversorgung

"Der ländliche Raum ist abgehängt"

Teile des Schwarzwaldes sind vom Breitbandnetz abgeschnitten, weil sich der Ausbau für die Betreiber nicht rechnet. Über die Konsequenzen, hat Daniel Gräber mit der Geografin Iris Gebauer gesprochen.

  1. Iris Gebauer Foto: privat

Das Internet wird schneller und schneller, doch nicht für alle. Teile des Schwarzwaldes sind vom Breitband-Netz abgeschnitten, weil sich der Ausbau für private Netzbetreiber nicht rechnet. Über die Konsequenzen für Wirtschaft und Bevölkerung, hat Daniel Gräber mit Iris Gebauer gesprochen. Die Geografin forscht an der Universität Stuttgart über

BZ: Frau Gebauer, in Ihrer Studie weisen sie auf ein deutliches Gefälle bei der Breitbandversorgung zwischen Stadt und Land hin. Wie kommt das zustande?

Gebauer: Genauer gesagt ist das Gefälle zwischen dicht besiedelten und dünn besiedelten Räumen. Es gibt kleine Gemeinden in Baden-Württemberg, die sehr gut versorgt sind. Aber die befinden sich meistens in oder neben Ballungsräumen. Dort bauen die Anbieter ihre Breitbandnetze aus, weil sie gute Marktchancen sehen. In dünner besiedelten Räumen hinkt der Netzausbau hinterher, weil er mehr Geld kostet, aber weniger neue Kunden bringt.

BZ: Heißt das, der ländliche Raum verpasst den Anschluss ans digitale Zeitalter und wird irgendwann abgehängt?

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Gebauer: Er ist schon abgehängt. Zumindest die Orte, in denen sich niemand für den schnellen Internetzugang einsetzt. Gerade im Schwarzwald hat sich gezeigt: Wenn eine Kommune sich informiert und engagiert, kann eine Einzellösung gefunden werden. Da existieren die unterschiedlichsten Modelle, wie Kommunen mit Netzbetreibern zusammenarbeiten. Aber es muss sich eben vor Ort jemand darum kümmern.

BZ: Was ist die Gefahr, wenn dies nicht geschieht?

Gebauer: Dass die ohnehin schon strukturell benachteiligten Wirtschaftsräume weiter an Attraktivität verlieren. Schnelle Datenleitungen sind in unserer vernetzen Welt ein entscheidender Standortfaktor.

BZ: Welche Branchen betrifft das?

Gebauer: So gut wie alle. Ein Autowerkstatt etwa muss im Internet auf die Handbücher zum jeweiligen Fahrzeug zugreifen können. Oder Fotografen, die verschicken ihre Bilder meist nur noch als Dateien. Aber auch für Privatleute könnten fehlende oder zu langsame Internetanschlüsse problematisch werden. Nämlich dann, wenn öffentliche Dienstleistungen nur noch im Netz angeboten werden.

BZ: Wenn der Markt an seine Grenzen stößt, werden die Rufe nach dem Staat lauter. Wie kann die Politik eingreifen?

Gebauer: Baden-Württemberg ist hier ein Vorreiter. Das Ministerium für Ländlichen Raum berät Gemeinden, die einen Anschluss ans Breitbandnetz wollen und es gibt ein Förderprogramm, mit dem kommunale Investitionen kofinanziert werden. Aber letztendlich muss jede Kommune eine individuelle Lösung mit einem Netzbetreiber finden. Denn die Voraussetzungen sind sehr unterschiedlich.

BZ: Hängt das Ergebnis dann vom Verhandlungsgeschick des Bürgermeisters ab?

Gebauer: Ja. Die Kommunalvertreter werden immer wichtiger. Bürgermeister haben diesbezüglich heute eine ganz andere Rolle als noch vor zehn Jahren.

BZ: Im Ministerium heißt es, langfristig sei die flächendeckende Verkabelung mit Glasfaser das Ziel. Was halten Sie davon?

Gebauer: Das ist ein gutes Ziel. Aber es muss über den Wettbewerb erreicht werden. In den öffentlichen Haushalten fehlt das Geld für eine so umfangreiche Investition.

BZ: … während für den Straßenbau enorme Summen ausgegeben werden.

Gebauer: Das stimmt. Wenn man überlegt, was für ein Aufwand es war, das Eisenbahnnetz aufzubauen oder die Autobahnen. Da würde man sich wünschen, dass so ein Infrastrukturausbau auch beim virtuellen Netz möglich wäre.