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28. Juni 2017

"Literatur hat eine wichtige Funktion"

BZ-INTERVIEW mit TV-Moderatorin Bettina Böttinger über ihre neue Büchersendung im WDR-Fernsehen.

  1. Bettina Böttinger Foto: dpa

TV-Moderatorin Bettina Böttinger präsentiert eine neue Literatursendung – in "Böttingers Bücher" trifft sie sich von kommendem Montag an mit bekannten Autoren, um mit ihnen über ihre Bestseller und die Geschichten dahinter zu sprechen. Cornelia Wystrichowski hat sich mit Böttinger unterhalten.

BZ: Frau Böttinger, sind Sie ein echter Bücherwurm?
Böttinger: Ich bin eine begeisterte und engagierte Leserin. Engagiert heißt, dass ich mich auch für Literatur einsetze, indem ich zum Beispiel bei Veranstaltungen wie dem Festival "lit.Cologne" Gespräche mit Autoren moderiere.
BZ: Ist die Zerstreuungsmaschine Fernsehen nicht der natürliche Feind guter Literatur?
Böttinger: Literatur hat im Fernsehen Schwierigkeiten, den richtigen Platz zu finden. Normalerweise ist es so, dass in Büchersendungen drei oder vier Leute sitzen und über ein Buch diskutieren, im besten Fall mit dem Autor. Für meine Sendung habe ich einen ganz anderen Ansatz gewählt, es ist ein Format, das für das Fernsehen gemacht ist.

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BZ: Inwiefern?
Böttinger: Es sind Gespräche mit Schriftstellern in Reportageform. Ich besuche die Autoren und will dahinter kommen, was das für Menschen sind. In der ersten Folge fangen wir mit Frank Schätzing und Hanns-Josef Ortheil an, beides erfolgreiche Autoren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Sie haben aber etwas gemeinsam, nämlich ihre große Liebe zur Musik, beide hätten Berufsmusiker werden können. Ich war mit Ortheil auf dem Kölner Dom, und mit Schätzing war ich in seinem hochprofessionell eingerichteten Tonstudio. Da bekommt man ganz andere Eindrücke, als wenn man in einem Fernsehstudio an einem runden Tisch sitzt und über ein Buch spricht.
BZ: Wollen Sie Ihr Publikum eher unterhalten oder bilden?
Böttinger: Literatur hat gerade in unserer Zeit eine wichtige Funktion. Ein Buch ist für mich dann sinnvoll, wenn es mir neue Gedanken bringt, neue Perspektiven vermittelt, mich dazu bringt, über etwas neu oder anders nachzudenken. Ich will mit meiner Sendung Lust auf solche Bücher machen. Ich bin keine große Freundin von Unterhaltungsliteratur. Viele Menschen wollen sowas zur reinen Entspannung lesen, und das ist ihr sehr gutes Recht. Aber ich brauche solche Bücher nicht zu propagieren, die finden ihre Leser ja auch so.
BZ: Lesen Sie jedes Buch zu Ende?
Böttinger: Meistens schon. Das liegt zum einen daran, dass ich oft beruflich lese, etwa wenn ich einen Sachbuchautor in der Sendung "Kölner Treff" zu Gast habe und mich darauf vorbereite – oder jetzt natürlich für "Böttingers Bücher". Außerdem bin ich oft zu neugierig, um ein Buch einfach wegzulegen. Aus zeitökonomischen Gründen bevorzuge ich in der Regel aber etwas dünnere Bücher. Mit den dickleibigen warte ich meistens bis zum nächsten Urlaub.
BZ: Woher beziehen Sie Ihre Lesetipps?
Böttinger: Ich schaue gerne "Druckfrisch", ich kenne Denis Scheck und schätze seine literarischen Ansichten. Das, was er in die Tonne drückt, muss ich nicht in die Hand nehmen, darauf kann ich mich, glaube ich, verlassen. Ich halte auch viel von den Literaturbesprechungen in den großen Feuilletons. Außerdem habe ich eine wunderbare Literaturbuchhandlung hier in Köln, die kennen ihre Kunden und geben mir Tipps. So was wird ja leider immer seltener.
BZ: Und welches Buch können Sie aktuell selber empfehlen?
Böttinger: Das Buch "Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara. Es hat zwar fast 1000 Seiten und ich habe drei Wochen dafür gebraucht, trotzdem ist es meine ganz große Empfehlung.

Bettina Böttinger (1956 in Düsseldorf geboren), wurde mit der Mediensendung "Parlazzo" und der Talkshow "B. trifft" bekannt. Seit 2006 moderiert Böttinger den "Kölner Treff". "Böttingers Bücher" startet Montag, 3. Juli, um 22.40 Uhr im WDR.

Autor: wys