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17. September 2008

Stand-up-Reportagen im Internet

NETZWELT: Der Nase nach durch Deutschland

Ins Auto steigen, losfahren, irgendwo in Deutschland am Rand eines Stadtkerns parken, aussteigen, Kamera anschalten, loslaufen und Zufall, Spontanität oder beides Regie führen lassen. So könnte man das Konzept der beiden Onlinefilmer Jörg Buschka und Jan Vogel zusammenfassen. Dabei steht der Diplom-Medienwirt und Projektmanager einer Digital-Agentur Vogel hinter der Kamera und der freie Fernsehjournalist und Filmemacher Buschka davor. Einen Drehplan gibt es nicht. Buschka geht einfach "immer der Nase" nach. Themen und Geschichten ergeben sich aus den zufälligen Begegnungen. Mal sammelt er mit Berliner Touristen auf Rügen Steine, mal schaut er einer Dresdner Familie beim Umzug zu oder quatscht sich in Wanne-Eickel durch Kneipe, Kiosk und Imbissbude.

Seit zwei Jahren sind Vogel und Buschka nun an ihren freien Tagen quer durch Deutschland unterwegs. Gedreht wird jeweils einen Tag. Das mehrstündige Material wird zu mehreren 30-Minuten-Häppchen zusammengeschnitten und im Netz kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise möchten sie "Lebenswirklichkeiten so nah und unmittelbar wie möglich zeigen". Ihr Leitsatz: "Alle Nuancen innerhalb der Extreme Liebe und Tod warten überall quasi um die Ecke." Um diese Nuancen zu entdecken, müsse man nur eins sein: unvorbereitet.

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Einem Fernsehsender konnten die beiden diese Idee nicht verkaufen, weil der das Risiko der mangelnden Vorbereitung scheut. Aber für das Internet sind diese Stand-up-Reportagen, wie sie Buschkas Mischung aus Leute reden lassen und so rumzuhampeln, wie es ihm gerade einfällt, nennen, offenbar wunderbar geeignet. Vor kurzem konnte sich das Duo über ihren millionsten Zuschauer freuen. Entsprechend hoch ist ihr Selbstbewusstsein. Zur Einordnung ihrer Art von Web-TV rücken sie sich ins Umfeld von Direct Cinema, Cinéma Vérité, filmischen Beobachtungen von Klaus Bednarz und Fritz Pleitgen, die Fotos von August Sander und den puristischen Reportagestil der BBC. So hoch muss man aber gar nicht greifen, um sich mit dieser Website aufs Beste zu unterhalten. Ein Beispiel, das Schule machen könnte, denn schließlich harren ja noch mehr als die 23 Städte, die Buschka und Vogel bisher erschlossen haben, auf ihre Entdeckung. http://www.buschka-entdeckt.de

Autor: Jürgen Reuß