Vom Autobastler zum Wahnsinnigen

dpa

Von dpa

Sa, 08. September 2018

Computer & Medien

Der Fall Mollath: Hans Steinbichlers Film "Gefangen – Der Fall K." mit Jan Josef Liefers im ZDF.

Aus Nähe und Vertrauen werden manchmal Verachtung und Hass. Und aus zwei Menschen, die sich geliebt haben, erbitterte Gegner, die sich beleidigen, verdächtigen und bereit sind, keine Rücksichten mehr auf ihren Partner zu nehmen. Das TV-Drama "Gefangen – Der Fall K." erzählt diese Geschichte einer zerrütteten Ehe eindrucksvoll und mit allen Einzelheiten, die an die Schmerzgrenze gehen. Das ZDF zeigt den Film, der im Februar bereits auf Arte zu sehen war, am Montag (10. September) um 20.15 Uhr.

"Mein Name ist Sebastian Kronach, und ich bin in eine absolut unglaubliche Geschichte geraten", erzählt zu Beginn Wastl Kronach (Jan Josef Liefers), der in einer Münchner Klapse einsitzt, gebrochen und ergraut. Eine Rückblende führt in die 70er Jahre, als der Automechaniker ein gefragter Restaurator von Oldtimern war. Kronach und seine Frau Elke (Julia Koschitz) haben sich zunehmend voneinander entfernt – die Scheidung wird eingereicht. Dann wird Wastl beschuldigt, Elke geschlagen und gewürgt zu haben. Es kommt zur Trennung und zu einem Gerichtsverfahren, bei dem er aufgrund dubioser Gutachten als gemeingefährlich und paranoid eingestuft und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird, in der er lange bleiben wird.

Diese Geschichte ist – insbesondere mit dem Blick von heute auf die damalige Zeit – wirklich haarsträubend. Regisseur Hans Steinbichler hat sich zweifellos am wahren Fall Gustl Mollath orientiert, der sieben Jahre lang – vermutlich aufgrund von Intrigen und Willkür – in der Psychiatrie einsitzen musste. Steinbichler hat allerdings alle Namen geändert und setzt auf ernsthafte Töne, Musik wird sehr sparsam verwendet.

Sein Film zeigt nicht nur die private Seite der Zerrüttung einer Ehe, sondern insbesondere das Versagen von Ärzten, Gutachtern, Psychologen und Richtern, die alle am gleichen Strang gezogen und den vorher lebensfrohen Autobastler zu einem "gemeingefährlichen Wahnsinnigen" abgestempelt haben.