BZ-Interview

Bergturnfest Dachsberg: "Eine gewaltige Erfolgsgeschichte"

kss

Von kss

Do, 18. Juli 2013

Dachsberg

BZ-INTERVIEW mit Reinhold Berger über die Geschichte des Bergturnfestes Dachsberg, das in diesem Jahr zum 60. Mal stattfindet.

DACHSBERG. Das 60. Bergturnfest des TuS Dachsberg in Folge findet am Wochenende auf dem Dachsberg statt. Über den Verein, der dieses recht außergewöhnliche Jubiläum begehen kann, sprach Karin Steinebrunner mit Reinhold Berger.

BZ: Herr Berger, als der TuS Dachsberg gegründet wurde, waren Sie noch ein Schulkind. Was wissen Sie denn noch über dessen Anfänge?

Berger: Die datieren ins Jahr 1952. Einige junge Männer waren an Rudolf Kaiser aus Fröhnd und Hubert Behringer aus Hierholz herangetreten. Sie fanden es schade, dass es auf dem ganzen Dachsberg keine Sportmöglichkeit gab. Kaiser stellte daraufhin eine Namensliste von Turnwilligen zusammen. Als er 30 junge Leute beisammen hatte, ging er zu dem in Hierbach ansässigen Turnlehrer Willi Röthenmeier, der in Rheinfelden unterrichtete, und bat ihn, mit den Interessierten zu trainieren. Röthenmeier willigte ein. Das Training fand anfangs im Saal des Gasthauses Krone in Hierbach statt, in Straßenschuhen und mit alten Matratzen anstelle von Matten.

BZ: Das klingt recht abenteuerlich, oder?

Berger: Ja, alles war improvisiert. Ein wackliger Tisch und eine Bank waren die ersten Turngeräte. Um ein bisschen Geld in die Kasse zu bekommen und Geräte anschaffen zu können zahlte jeder pro Turnstunde zehn Pfennig an Kassenwart Alois Baumgartner aus Fröhnd. An Sonntagnachmittagen veranstalteten die Turner Wettbewerbe im Schießen oder Flaschenangeln, auch Theaterstücke wurden aufgeführt. Von dem Erlös konnten gebrauchte Geräte angeschafft werden. Am Samstagabend des 15. März 1952 wurde dann nach der Turnstunde offiziell der Verein gegründet. Mein älterer Bruder Egon wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt, Röthenmeier führte den unerfahrenen 21-Jährigen an diese Aufgabe heran und knüpfte auch die Verbindung zum Markgräfler-Hochrhein-Turngau.

BZ: Spezialisierte sich der Verein damit erst einmal auf das Geräteturnen?

Berger: Nein, gleich am 26. April beschloss die Versammlung, einen Sportplatz herzurichten. Hermann Schlegel aus Wolpadingen stellte das Gelände zur Verfügung, die reinste Wildnis mit Lehmgrube. Aber schon am 7. September richtete der TuS das erste Herbstfest mit Schauturnen auf dem Platz aus. Auch das Geräteturnen absolvierten die Turner im Freien. Sogar ein Gerüst für die Ringe hatten wir. Zum ersten Bergturnfest am 23. September 1953 konnte der TuS bereits 240 Teilnehmer willkommen heißen. Im April 1954 wurde beschlossen, am Waldsportplatz in Wolpadingen einen Geräteschuppen zu errichten.

BZ: Das hört sich ja sehr nach Erfolgsgeschichte an. Wie ging es dann weiter?

Berger: Ja, es war in der Tat eine gewaltige Erfolgsgeschichte. Der TuS ist ja der Ausrichter des Bergturnfestes, veranstaltet wird es aber eigentlich vom Turngau, und die Ausschreibungen laufen über ihn. Die Teilnehmerzahlen stiegen weiter an und waren über viele Jahre hinweg ungebrochen hoch. Am 12. Bergturnfest zum Beispiel waren es 664 Wettkämpfer, am 22. kamen 696 Turner zusammen. Im Jahr 1992 wurde es erstmals international ausgeschrieben.

Rechtzeitig zum 50. Bergturnfest erhielt der Sportplatz ein neues Gesicht, einschließlich der Erweiterung der Weitsprunganlage durch ein Beach-Volleyball-Feld, dem Neuaufbau der 100-Meter-Bahn und der Sanierung der Toilettenanlagen.

Reinhold Berger war lange Gruppenübungsleiter der Turner und von 1980 bis 1992 Vorsitzender des TuS Dachsberg – seither ist sein Sohn Roland Vorsitzender und sein Sohn Jürgen Oberturnwart. Beim 40. Bergturnfest wurde ihm gemeinsam mit Manfred Ebner die Gauehrennadel verliehen. In dieser Saison ist Berger als Übungsleiter für das Schülerturnen erneut in die Bresche gesprungen, das dadurch in zwei altersgerechte Gruppen geteilt werden konnte.