Knastbrüder feiern das Alemannische

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Mi, 30. Januar 2019

Dachsberg

Jeannot und Christian verlängern spontan Konzert in Dachsberg / Publikum und Künstler haben gemeinsam Spaß.

DACHSBERG. Knastbrüder in absoluter Sonderlänge durften die Gäste der von der Frauengemeinschaft Hierbach organisierten Veranstaltung im Gemeinschaftsraum in Vogelbach am Samstag erleben. Mit ihrem Experiment des Kulturangebotes in den neu renovierten Räumen hatten die Frauen gleich voll ins Schwarze getroffen.

Publikum und Akteure waren derart begeistert voneinander, dass die beiden "Knastbrüder" Jeannot und Christian Weißenberger anstelle der Zugabe noch ein zweites kleines Päuschen einlegten, um danach einen veritablen dritten Konzertteil zu gestalten, in dem auch aus den Reihen der Zuhörer geäußerte Wünsche zum Zuge kamen.

Begonnen hatte der Abend mit einer Hommage an das Wiesental und dem Bekenntnis von Jeannot und Christian, sie redeten alemannisch, alles andere sei für sie eine Fremdsprache – auch hochdeutsch. Mit einem Lied darüber, was inzwischen aus dem Alemannischen geworden sei, bekräftigten sie diese Aussage, wobei sie ganz nebenbei für die Übersetzung etlicher alemannischer Begriffe sorgten. Neben Nachdenklichem bis Aufmüpfigem, Kuriosem bis absolut Groteskem, Liebenswertem bis Anrührendem, lieferten die Knastbrüder mit ihrem mitunter durchaus auch gewollt schrägen Humor vor allem ein gerüttelt Maß an guter Laune. Gleich bei der Beschreibung eines total verplanten Wochenendes, nach dem sich der gestresste Familienvater an seinen gemütlichen Arbeitsplatz zurücksehnt, mussten sie zweimal aufgrund des überbordenden Lacherfolgs zwischen den Strophen abbrechen. Und auch über die unorthodoxe Sicht auf Vor- und Nachteile von schönem Wetter amüsierten sich die Anwesenden köstlich.

Auch etwas andere Liebeslieder hat das Duo im Gepäck. Wenn Jeannot anstelle von Kleintieren – mit der Zeit, so weiß er, werden aus Häschen sowieso eher größere Exemplare, wie Rhinozeros oder Trampeltier – als Kosenamen für seine Angebetete alle möglichen Wehwehchen, Gebrechen und Krankheiten aufzählt, dann erkennt man darin durchaus einen liebevollen Unterton. Und mühelos leitet die Aufzählung all der Berufe, die er nicht hat, über zum Hymnus auf die schönen Augen der Frau.

Kritisch-Umweltbewusstes hat in den Heimatliedern des Duos ebenso seinen Platz wie der schwärmerische Lobgesang auf die schöne Landschaft und ihre Ein- und Ausblicke. Ihre Heimatverbundenheit thematisieren Jeannot und Christian indes nicht nur mit Geschichten, die neben dem befreiten Auflachen zugleich ein wissendes Schmunzeln des anheimelnden Wiedererkennens auf die Gesichter der mit dem Wiesental und seiner Umgebung vertrauten Zuhörer zaubern, sondern auch mit dem liebenden Blick, mit dem sie die kleinen Abenteuer und Ausrutscher ihrer Jugend humorvoll zum Besten geben. Da ist etwa das ungläubige Staunen der Jungs darüber, dass es das von ihnen lange als Verschaukelung seitens des Vaters wahrgenommene Böllen tatsächlich gibt, oder der Aufbruch zu einem kurzen Bierchen, der über diverse Stationen in einem berüchtigten Nachtlokal endet – "alles in de Finke".

Neben eigenen Kreationen präsentieren die Beiden auch immer wieder Lieder und Texte von anderen Mundartkünstlern, aber auch beispielsweise einen Song des amerikanischen Countrymusikers Hank Williams, von Christian im Original und von Jeannot auf Alemannisch vorgetragen als "Wer hilft dine schöne Fieß in’d Schue". Überhaupt sind Jeannot und Christian stilistisch ebenso versiert wie im Umgang mit ganz unterschiedlichen Spielweisen auf ihren Gitarren. Dazu kommen Jeannots diverse Schnurrehobel, die zwischendurch immer mal wieder gekonnt in Aktion treten, und der so gar nicht volkstümliche Drive in seiner Stimme, den er bisweilen durchscheinen lässt.

Bei manchen Liedern kann es durchaus hilfreich sein, sich ein wenig auszukennen in der Gegend, aus der die Knastbrüder kommen, beispielsweise, wenn sie "den Hieber" ins Visier nehmen oder Anekdoten aus dem Leben des italienischstämmigen Kranzwirts in Musik setzen. Lustig sind sie aber auf jeden Fall. Ganz herzhaft lachen kann dann sogar ein Nicht-Alemanne, wenn die zutiefst alemannischen Wortspielereien der Knastbrüder zum Zuge kommen, wie beispielsweise im konjunktivischen "wenn die dää updeite däte" bezüglich des in die Jahre gekommenen Computers samt Besitzern, oder bei der schon sprachakrobatisch zu nennenden Frage "wo isch de Hai dehei".