Damit im Notfall schneller Hilfe kommt

Susanne Müller

Von Susanne Müller

Fr, 27. April 2018

Hartheim

Hartheim unterstützt den neuen Verein "Region der Lebensretter Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald".

HARTHEIM AM RHEIN. "Wir sollten das unterstützen", meinte Hartheims Bürgermeister Stefan Ostermaier in der jüngsten Gemeinderatssitzung. "Ich hätte das auch selbst entscheiden können, aber ich finde, das soll öffentlich gemacht werden". Gemeint ist das First-AED-System, das in Dänemark nach Ostermaiers Worten bereits seit fünf Jahren erfolgreich etabliert ist und von einem neuen Verein in der hiesigen Region publik gemacht wird. Der Verein gehe mit dem System von einer Verdoppelung der Überlebensrate bei Kreislaufstillständen aus, hieß es.

Rund 150 Menschen im Breisgau erleiden jedes Jahr einen Kreislaufstillstand, rund 70 000 sind es bundesweit. Nur zehn Prozent überleben die Attacke nach Aussage von Professor Michael Müller. Der Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin am Freiburger St. Josefskrankenhaus ist ehrenamtlich aktiv im Vorstand des Deutschen Rates für Wiederbelebung und hält die geringe Überlebensrate für steigerungsfähig – sofern die Ersthilfe schneller erfolgen kann, wie er den Räten erläuterte.

Chefarzt Müller schätzt, dass die Rate auf rund 40 Prozent erhöht werde, wenn in den ersten Minuten bereits eine lebensrettende Herzdruckmassage erfolgt, um die Sauerstoffversorgung im Gehirn wieder zu aktivieren. Das erhöhe zugleich die Chancen, eventuelle Folgeschäden zu minimieren.

Deshalb haben Notfallmediziner unter Vorsitz von Müller nun den Verein "Region der Lebensretter Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald" gegründet. Der Verein hat das Ziel, das FirstAED-System in der Region zu etablieren. Damit sollen Mitglieder von Hilfsorganisationen, Klinikmitarbeiter und Feuerwehrleute mobilisiert werden, sich eine kostenlose Smartphone-App zu installieren, mit der sie im Ernstfall geortet und alarmiert werden können. Sie sollen noch vor Eintreffen professioneller Rettungsdienste mit einer Herzdruckmassage beginnen, denn jede Minute zählt und spätestens innerhalb von fünf Minuten muss ein Ersteinsatz erfolgen. Immer wenn in der integrierten Rettungsleitstelle (ILS) ein Notruf eingeht, sollen in Sekunden qualifizierte Ersthelfer informiert werden. Ein weiterer Ersthelfer soll, falls möglich, zum nächstgelegenen Standort mit einem Defibrillator – wie sie in Hartheim auch schon installiert sind – geschickt werden, um vor dem Eintreffen von Rettungswagen oder Notarzt eingreifen zu können.

Die Stadt Freiburg zählt bereits zu den Unterstützern, der Landkreis hat ideelle Zustimmung signalisiert. Im Bürgermeistersprengel Markgräflerland habe man sich entschlossen, in den Gemeinden Beschlüsse zur Förderung fassen zu lassen. Der Förderbedarf für eine zweijährige Pilotphase belaufe sich derzeit noch auf 45 000 Euro. Als Förderbetrag sei an 10 Cent pro Einwohner gedacht. In Hartheim sind dies 483,40 Euro.

Über die von der Hartheimer Ratsrunde mit geschlossenem Votum vereinbarte Anschubfinanzierung hinaus besteht die Möglichkeit, nach der Pilotphase Fördermitglied des Vereins zu werden, wofür 200 Euro jährlich angedacht sind.

Infos und ein Erklärvideo auf der Webseite http://www.regionderlebensretter.de