Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
22. Februar 2012
First Lady
Daniela Schadt begleitet Gauck nach Schloss Bellevue
Daniela Schadt soll neue First Lady im Schloss Bellevue werden / Debatte über Gaucks "wilde Ehe".
BERLIN (dpa/AFP). Der Gedanke an die künftige Rolle als First Lady ist für die langjährige Lebensgefährtin des designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck noch "ein bisschen unwirklich". Was künftig alles auf sie zukomme, vermöge sie sich nicht recht vorzustellen, offenbarte Daniela Schadt der Nürnberger Zeitung, bei der sie als Leitende politische Redakteurin beschäftigt ist. "Ich muss mich noch ein bisschen sortieren", fügte sie hinzu. Sicher werde sich jetzt in ihrem Leben viel ändern. Aber so richtig wahrhaben könne sie die Umstellung noch nicht. Die Vorstellung, mit Michelle Obama beim Damenprogramm zu sitzen, sei für sie derzeit noch sehr abstrakt. Noch vor wenigen Tagen nannte das Daniela Schadt eine abwegige Vorstellung, First Lady im Schloss Bellevue zu sein. Nun soll "der Jochen", wie die 52-Jährige gern sagt, voraussichtlich am 18. März zum Bundespräsidenten gewählt werden.
Engagiert unterstützte die 20 Jahre jüngere Schadt schon die erste Kandidatur von Gauck im Jahr 2010, sie nahm sich extra Urlaub. Und sie zeigte sich geradezu begeistert von den gesellschaftlichen Debatten, die der frühere DDR-Bürgerrechtler auslöste. Dass Gauck dann im dritten Wahlgang scheiterte, nahm die leidenschaftliche Radlerin lächelnd und fast ein bisschen erleichtert auf.
Werbung
Seit nunmehr zwölf Jahren sind die beiden ein Paar – ohne Trauschein und pendelnd zwischen Berlin und Nürnberg. Gauck, der sich nach dem Mauerfall 1991 von seiner Frau und der Mutter seiner vier Kinder trennte, ist nicht geschieden. Schon 2010 hatte Gauck über eine Hochzeit nachgedacht – falls er Staatsoberhaupt wird. Aus der Fernbeziehung könnte eine Nahbeziehung werden, sagte er damals. Schadt selbst war noch nicht verheiratet, sie ist auch kinderlos.
Und schon ist Gaucks "wilde Ehe" Thema: "Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird", sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis der Passauer Neuen Presse vom Dienstag.
In Schadts Zeitungsredaktion herrscht derzeit eine Mischung aus Stolz und Bedauern, eine kompetente und angenehme Kollegin zu verlieren. Ihre sprachlich geschliffenen Kommentare haben eine große Leser-Fangemeinde, ihre Texte seien pfiffig und analytisch, heißt es. Ihr wird hintersinniger Humor bescheinigt und die Fähigkeit, herzlich zu lachen. Schadt verzichtete zudem in der Skandalserie von Christian Wulff darauf, selbst Kommentare darüber zu schreiben.
Als sehr gelungene Ost-West-Verbindung beschrieb Schadt ihre Beziehung zu Gauck. Die Hessin aus Hanau hatte Gauck bei einem Vortrag in Nürnberg kennengelernt, wo sie als Journalistin im Einsatz war. "Das war so interessant, da musste nochmal drüber diskutiert werden", beschrieb die studierte Germanistin die Anfänge. An ihrem Partner schätzt die 52-Jährige vor allem seinen Mut und seine Begeisterungsfähigkeit. "Herz und Verstand sind in einer Balance, ohne dass der Verstand zu kurz kommt." Sie bedauert, dass sie "den Gauck" zu Ostzeiten nicht ein einziges Mal als Pfarrer von der Kanzel erlebt hat. Schadt sagt von sich, sie sei bodenständig und könne gut Fisch in Weißweinsoße mit Zwiebeln und Tomaten zubereiten. Mit Gauck teile sie die Fußballleidenschaft, verriet die sportbegeisterte frühere Volleyballerin.
Autor: dpa
