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26. Juni 2012
"Danke für diese Menschlichkeit"
Eugène Nimenya, der acht Jahre lang die hauptamtlichen Seelsorger unterstützt hat, kehrt in seine Heimat Burundi zurück.
BAD KROZINGEN-HAUSEN. Auf der Homepage der Seelsorgeeinheit Bad Krozingen ist sein Bild nicht zu finden, in den Herzen der Menschen hat Eugène Nimenya dennoch einen tiefen Eindruck hinterlassen. Das zeigte sich nicht zuletzt an dem herzlichen Applaus, mit dem der Vikar aus dem afrikanischen Burundi im Rahmen der Eucharistiefeier zum Patrozinium in Hausen nun verabschiedet wurde.
Zehn Jahre war Eugène Nimenya in Deutschland, acht davon hat er in den Seelsorgeeinheiten Bad Krozingen und Hartheim mitgeholfen und die hauptamtlichen Seelsorger unterstützt. Nach seinem mit einem Stipendium der Erzdiözese geförderten Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, das er in wenigen Tagen mit der Promotion abschließen wird, kehrt Nimenya Ende des Monats in seine Heimat zurück. "Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Die Kinder, die damals geboren wurden, ministrieren heute", lachte Nimenya.Für die vielen Dienste, die er in dieser Zeit geleistet hat, sprach ihm Dekan Gerhard Disch im Rahmen der feierlichen, vom Kirchenchor umrahmten Eucharistiefeier seinen Dank aus und überreichte ihm als Abschiedsgeschenk eine Stola. "So wie der Heilige Johannes an der Schaltstelle steht, so steht Eugène zwischen den Kulturen", wusste Disch und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass Nimenya "etwas Gutes mitnimmt, das den Menschen dort zum Segen gereicht". Dass er viel mehr als nur Diplome mitnehme, war sich Eugène Nimenya ganz sicher. "Das Wichtigste ist das Wissen, das man mitnimmt", meinte Nimenya und erinnerte sich schmunzelnd an seine Ankunft und den schwierigen Anfang in Deutschland. "Bei meiner Ankunft auf dem Flughafen konnte ich nicht einmal Guten Tag sagen und zwei Jahre später wurde ich schon in eine Pfarrei geschickt", blickte Nimenya zurück.
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Auch Hubert Gehri, Vorsitzender des Hausener Pfarrgemeinderats erinnerte sich, wie schwer Nimenya in seinen ersten Gottesdiensten zu verstehen war. "Aber das war gut für uns, wir mussten uns umso mehr konzentrieren."
Dass die Zeit in Afrika einen anderen Stellenwert hat – auch das war eine Erfahrung, die die Pfarrgemeinde in Hausen machte. Während sie in der Kirche auf den Beginn des Gottesdienstes wartete, war Nimenya oft noch zu Fuß vom Bahnhof in Bad Krozingen unterwegs nach Hausen. "Bei uns in Burundi fangen die Gottesdienste an, wenn der Priester da ist", entschuldigte sich Nimenya schmunzelnd und bedankte sich bei der Gemeinde für die Geduld und das Verständnis. "Was mich jedoch am meisten berührt hat und was ich nie vergessen werde, ist, dass sie mich als Mensch aufgenommen haben", berichtete Nimenya. Es sei nicht leicht, sich als Schwarzer unter Weißen wohl und angenommen zu fühlen, aber "sie haben nicht meine Hautfarbe, sondern nur mich als Mensch gesehen", wandte er sich an der Gemeinde in der nahezu vollbesetzten Sankt-Johannes-Kirche: "Danke für diese Menschlichkeit."
In Hausen habe er in all seinen Anliegen große Unterstützung erfahren. So machte sich die Pfarrgemeinde die von Nimenya in Busaga/Burundi aufgebaute Krankenstation zur Herzensangelegenheit und spendete alljährlich den Erlös aus dem Fastensuppen-Essen. Woran Nimenya nie einen Zweifel ließ und was er in jedem Gottesdienst und so auch bei der Patroziniumsfeier mit einem berührenden afrikanischen Lied zum Ausdruck brachte, war die tiefe Verbundenheit mit seinem Heimatland und der Wunsch in seinem Land etwas zu bewirken. Und so war es für ihn keine Frage, sondern selbstverständlich nach Afrika zurückzukehren. Welche Aufgabe ihn dort erwartet, das sei im Moment zwar noch offen, Nimenyas Absichten indes sind klar. "Ich will meinem Volk helfen." Deshalb habe er auch Politik studiert und über ein politisches Thema promoviert. "Armut in Afrika ist kein Fluch", gab sich Nimenya überzeugt, "ich bin sicher, dass Armut mit der richtigen gesellschaftlichen Organisation beseitigt werden kann".
Die Frage, wie sich Kirche in die Organisation gesellschaftlicher Strukturen einbringen kann, wird ihn bald schon nicht länger nur theoretisch beschäftigen. Nun gilt es, die Erkenntnisse aus seiner Doktorarbeit in der Heimat in die Tat umzusetzen. Denn egal, welche Aufgabe sein Bischof ihm zuweisen wird – Nimenya hat nur einen Wunsch: "Weiterzumachen für die Gesellschaft von Burundi und für mein Volk." Die Gebete aus Hausen und der zusammenwachsenden Seelsorgeneinheit Bad Krozingen- Hartheim werden ihn dabei ganz sicher begleiten.
Autor: Martina Faller



