Torjubel im Büro

Philipp Peters

Von Philipp Peters

Sa, 09. Juni 2018

Beruf & Karriere

WM während der Arbeitszeit gucken? Was ist erlaubt, was verboten?.

Kommende Woche beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Russland. Fußballfans dürfte es schwer fallen, jede Begegnung des Turniers zu verfolgen. Teilweise beginnen die Spiele bereits um 12 Uhr mittags. Das zieht sich bis ins Viertelfinale mit Anstoßzeiten um 16 Uhr an einem Freitag, für viele noch Arbeitszeit. BZ-Mitarbeiter Philipp Peters hat Rechtsanwalt Thomas G.-E. Müller und Steuerberater Erwin Reicholf dazu einige Fragen gestellt.

» Haben Mitarbeiter ein Recht darauf, während der Arbeit Fußball zu schauen?
Nein. Grundsätzlich gilt: Wer für seine Arbeit bezahlt wird, darf sich nicht von Fußball ablenken lassen. Egal, wie wichtig das Spiel für den Einzelnen sein mag. Dabei ist egal, ob das Spiel live im Fernseher läuft, per Stream am Computer oder als Ticker auf dem Handy verfolgt wird. Um Konflikte zu vermeiden, sollten Arbeitgeber hier eine klare Ansage machen, ob und wann man während der Arbeits- oder Geschäftszeiten auf ein Fußballspiel schauen darf.

Darf der Chef dem Mitarbeiter das Handy wegnehmen, wenn dieser während der Arbeit dort das Fußballspiel verfolgt?
Nein, das ginge zu weit. Der Vorgesetzte darf aber darauf hinwirken, dass der Mitarbeiter seiner Verpflichtung nachkommt. Und die lautet nun mal: Seine volle Aufmerksamkeit der Arbeit zu widmen. Auch hier helfen eine klare Ansprache vor dem ersten Anpfiff und etwas Fingerspitzengefühl.

» Anstoß während der Arbeitszeit – welche deutschen Spiele sind betroffen?
In der Vorrunde spielt die deutsche Nationalmannschaft zunächst an einem Sonntag, 17. Juni, um 17 Uhr gegen Mexiko. Das zweite Gruppenspiel gegen Schweden wird erst um 20 Uhr angepfiffen, am Samstag, 23. Juni. Das dritte Match gegen Südkorea findet dann allerdings am Mittwoch, 27. Juni, ab 16 Uhr statt. Sollte Deutschland ins Achtelfinale einziehen, wäre der Anstoß auf jeden Fall um 16 Uhr – entweder montags oder dienstags. Auch ein Viertelfinale mit deutscher Beteiligung könnte bereits um 16 Uhr starten. Der Wochentag wäre dann jedoch ein Samstag.

Darf man Public Viewing in der Firma veranstalten?
Grundsätzlich ja. Das gemeinsame Gucken von WM-Fußball bedarf nur dann einer Lizenz von der Fifa, wenn es sich um eine gewerbliche Veranstaltung handelt. Gewerblich bedeutet: Wenn zum Beispiel Eintritt verlangt wird oder die Gäste eine bestimmte Menge Speisen oder Getränke verzehren müssen. Nichtgewerbliche Veranstaltungen brauchen erst ab 5000 Zuschauern eine kostenlose Lizenz. Dazu zählt auch die WM-Party im Betrieb.

» Darf der Arbeitgeber ein Public Viewing zur Pflichtveranstaltung machen?
Zu einem netten Beisammensein mit Fußballschauen kann niemand gezwungen werden, weil das Fußballspiel normalerweise nicht im Zusammenhang mit der geschuldeten Arbeitsleistung steht. Wenn es sich allerdings um eine betriebliche Veranstaltung handelt, was bei einem Sportsponsoring-Unternehmen denkbar wäre, dann wäre es Arbeitszeit und entsprechend zu vergüten. So wie man es von einem Betriebsausflug her kennt.

Kann man also einfach den Fernseher aufstellen und gucken?
Ganz so einfach ist es leider nicht. Wenn das Übertragungsgerät extra für die Weltmeisterschaft aufgestellt wird, braucht das Unternehmen dafür im Prinzip eine Lizenz von der Gema, denn die Musik und die Beiträge der Fernsehjournalisten sind urheberrechtlich geschützt.

» Was kostet diese Gemalizenz?
Das richtet sich danach, wie viele Spiele gezeigt werden und wie viele Zuschauer da sind. Zeigt man alle Spiele in einem Raum, der nicht größer als 200 Quadratmeter ist, so kostet die Lizenz für das gesamte Turnier knapp 100 Euro. Zeigt man nur ein einzelnes Spiel, etwa das Finale, ist man bis maximal 150 Zuschauer mit etwa 35 Euro dabei, jeweils netto.
Darf das Unternehmen die Kosten für die Übertragung steuerlich absetzen, wenn es etwa Getränke und einen Imbiss sponsert?
Im Prinzip ja. Bedingung ist, dass sich der Zuschauerkreis überwiegend aus Betriebsangehörigen und deren Begleitung zusammensetzt. Dann können pro Mitarbeiter bis zu 110 Euro angerechnet werden. Allerdings darf ein Unternehmen nur zwei solcher Betriebsveranstaltungen pro Jahr anmelden. Wer beide während der Fußball-WM verbraucht, kann dann zum Beispiel die Weihnachtsfeier nicht mehr steuerlich geltend machen. Unabhängig davon können die Verpflegungskosten zu 25 Prozent pauschalisiert werden.
Darf man zum Fußballschauen am Arbeitsplatz auch Gäste laden?
Auch das entscheidet nur der Chef. Er muss ausdrücklich zustimmen, dass man Freunde, Partner oder auch ehemalige Kollegen einlädt, um mit ihnen gemeinsam ein WM-Spiel in der Firma zu schauen.

Allerdings ist zu beachten, sofern der Chef die Kosten als Betriebsausgaben geltend machen möchte, dass es sich bei Essen und Getränken um eine Zuwendung handelt, die bei Gästen wie Arbeitnehmern zu steuerpflichtigen Einkünften führen können.

Infos zu den Regeln der Gema gibt es unter mehr.bz/gema-wm