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23. Juli 2017 17:15 Uhr

Pannenreaktor

Das Akw Fessenheim geht für drei Monate vom Netz

Beide Reaktoren des umstrittenen Atomkraftwerks Fessenheim sollen in den kommenden drei Monaten stillstehen. Die Zukunft der Anlage bleibt weiter ungewiss. Kommt die Betriebsgenehmigung unter Auflagen?

  1. Wie geht es mit Fessenheim weiter? Foto: Patrick Seeger

Nach Angaben des Betreibers EDF wurde Reaktor 1 am Samstag heruntergefahren, um einen Teil des Brennmaterials auszutauschen. Der Produktionsstopp war laut EDF geplant, das Datum wie üblich zuvor aber nicht bekanntgegeben worden. Das Unternehmen will die Auszeit auch für Wartungsarbeiten und Checks am ausgeschalteten Reaktor nutzen. EDF weist in einer Mitteilung darauf hin, dass im Zuge dieser Arbeiten nicht radioaktiver Wasserdampf über dem Akw austreten kann.

Block 2 steht schon seit Juni 2016 still – das war nicht geplant. Immer noch ist ungewiss, wann der Reaktor wieder ans Netz geht. Vor rund einem Jahr zog die französische Atomaufsicht die Konsequenzen aus der Affäre um fehlerhafte Bauteile aus der französischen Reaktorschmiede in Le Creusot. Es gab Dutzende fehlerhafte Bauteile, den gravierendsten Fall entdeckten die Prüfer im Fessenheimer Block 2.

Zwangspause möglich

Anlässlich der öffentlichen Sitzung der Überwachungskommission Fessenheim (Clis) im Juni hatte der Leiter der französischen Atomaufsicht aus Straßburg, Pierre Bois, betont, man prüfe und hole weitere Testergebnisse ein.

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Sollte die Aufsichtsbehörde bis Anfang 2018 noch immer kein grünes Licht gegebenen haben, könnte die Betriebsgenehmigung zwei Jahre nach Beginn der Zwangspause verfallen. Bois sagte am 20. Juni in der Clis, EDF habe dann die Möglichkeit, einen Aufschub zu beantragen. Die Atomaufsicht könnte einen Betrieb unter Auflagen genehmigen, beispielsweise mit begrenzten Temperaturschwankungen.

Das Problem mit Block 2: Das Rumpfstück des Dampfgenerators hätte nach dem Gießen des Stahls im unteren Bereich abgeschnitten werden müssen. Bei der Herstellung des Basisteils entstand aber ein zu kurzes Stück, weshalb es unmöglich war, den Endbereich zu kappen. Der enthält in diesem Fall aber zu viel Kohlenstoff – das beeinträchtigt die Widerstandsfähigkeit des Materials. Ähnliche Probleme liegen beim Deckel und beim Reaktordruckbehälter des EPR in Flamanville vor.
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Über dessen Zukunft will die Atomaufsicht bis zum Herbst endgültig entscheiden. Nach einem Zwischenbericht, der vor wenigen Wochen vorgelegt wurde, drängt sich die Vermutung auf, die ASN könnte eine Betriebsgenehmigung unter Auflagen in Erwägung ziehen.

Nachdem die alte französische Regierung unter Staatspräsident François Hollande eine Fessenheim-Abschaltung noch vor der Präsidentschaftswahl im Frühjahr per Dekret verfügt hatte, hat sich der neue Umweltminister Nicolas Hulot bislang für die Linie der Vorgänger ausgesprochen. Allerdings gilt nach wie vor, dass Fessenheim erst dann stillgelegt werden soll, wenn der EPR in Nordfrankreich in Betrieb geht.

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Autor: Bärbel Nückles