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12. Juni 2012 00:01 Uhr

Kinder- und Jugendtheater

Das Berliner Grips Theater ist gerettet – vorläufig

Das Grips Theater in Berlin steht vor dem finanziellen Aus. Dank eines Notfallplans ist es vorläufig gerettet. Trotzdem ist die Zukunft des renommierten Kinder- und Jugendtheaters ungewiss.

Gerade läuft im Grips "Frau Müller muss weg", eine Produktion, die sowohl Kinder als auch Erwachsene angeht. Es geht um Elternabende. Es findet sich kaum ein Thema, das besser geeignet wäre, in einer Komödie verarbeitet zu werden, als ein bierernster Elternabend. Das Thema für sich ist also spannend genug, aber das Grips Theater hat für die Inszenierung außerdem noch den Filmregisseur Sönke Wortmann ("Der bewegte Mann", "Das Wunder von Bern") gewinnen können. Ein Grund mehr, sich dieses Theatererlebnis nicht entgehen zu lassen. Eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn ist das Vestibül des kleinen Theaters am Berliner Tiergarten so proppenvoll, dass man nicht einmal mehr zur Eingangstür hereinkommt. Vor der Tür stehen bereits mehrere Verzweifelte, die einen Karton mit der Aufschrift "Suche Karte" in die Luft recken.

Sie werden leer ausgehen. Das Theater ist seit Wochen restlos ausverkauft, und es scheint sogar einen Schwarzmarkt für Grips-Karten zu geben, denn selbst an der Berliner Oper ist es einfacher, im letzten Moment noch ein Billett zu ergattern.

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Wie kann es sein, dass so ein Publikumsmagnet, der dazu durch seine Auszeichnungen und Gastauftritte auch noch Renommee "das berühmteste Kinder- und Jugendtheater der Welt" genießt, vor dem finanziellen Aus steht? Grips-Geschäftsführer Volker Ludwig beklagt, dass das Theater in den letzten acht Jahren trotz gleichbleibender künstlerischer Erfolge, extremer Sparmaßnahmen und permanenter selbstverfügter Haushaltssperre dermaßen ausgeblutet sei, dass eine Insolvenz kaum noch abzuwenden ist. In einem Akt der Verzweiflung trat er im April an die Öffentlichkeit und warnte davor, dass wenn nicht innerhalb kürzester Zeit etwas geschähe, er auf alle Neuproduktionen und fast alle Schulvorstellungen verzichten müsse. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass gerade die wenig einträglichen Schulvorstellungen das Herzstück des Theaters sind.

Ludwig versteht nicht, dass das Grips, im Gegensatz etwa zum Theater an der Parkaue oder der Schaubühne, von jeglicher Tariferhöhung ausgeschlossen sind. Da das Grips über keine Rücklagen verfügt, ist es nicht zum ersten Mal von finanziellen Engpässen bedroht. Diesmal, so Ludwig, reichten die "Mini-Finanzspritzen" der Kulturverwaltung nicht mehr aus. Ein Defizit von mindestens 62 000 Euro im vergangenen Jahr hat eine Überschuldung von knapp 40 000 Euro bewirkt.

Seit dem 1.Januar überlebt das Theater nur mit einem Bankkredit und dem Verzicht auf pünktliche Gehalts- und Honorarzahlungen. Dabei würde allein eine Erstattung der Mietkosten in Höhe von 230 000 Euro, die andere Theater nicht tragen müssen, das Grips von seinen finanziellen Sorgen befreien. Ludwig ist die selbstausbeuterischen Verhältnisse an seinem Theater jedenfalls leid und kämpft mit harten Bandagen. Nach "43 Jahren Klinken putzen" und um die Existenz Kämpfen ist jetzt, nach seinen Worten, Schluss. Kein Wunder, dass sich Prominente wie zuletzt die Schauspieler Axel Prahl und Lars Eidinger für die Rettung des Kinder- und Jugendtheaters setzen. Aber auch Eltern Berliner Schüler und der Landesverband schulischer Fördervereine haben verschiedene Aktionen sowie eine Online-Petition zur Unterstützung des Grips-Theaters gestartet. Mit Erfolg: Nun soll das Theater von 2012/2013 an jährlich 100 000 Euro mehr aus der Landeskasse bekommen. Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses beschloss am 4. Mai die Aufstockung. Das Plenum muss der Entscheidung noch zustimmen.

Ludwig sieht darin allerdings nur einen Teilerfolg. Er fordert mindestens 150 000 Euro mehr. "Unsere finanziellen Probleme sind damit nicht aus der Welt, aber die Erhöhung ist ein Fortschritt." Um sich weitere Finanzmittel zu erschließen, ist für November 2012 die Gründung eines Grips-Fördervereins sowie die Anerkennung der Gemeinnützigkeit geplant. Laut Theater hätten zahlreiche private Unterstützer wie auch Vereine und Organisationen finanzielle Unterstützung angeboten. Es wäre jedenfalls ein Drama für Berlin und die deutsche Theaterszene, wenn das, was mit der Studentenbewegung der sechziger Jahre begann, in einer Kulturpleite enden würde.


Das Grips-Theater in Berlin-Mitte ist das bekannteste deutsche Kinder- und Jugendtheater und wurde 1966 unter dem Namen Theater für Kinder im Reichskabarett gegründet. 1972 erfolgte die Namensänderung. Stücke wie "Ein Fest bei Papadakis", "Max und Milli" und "Linie 1" begründeten den internationalen Ruf des Grips.

Autor: Bert Bugdahl


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