Das Erlebnis Stadion

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 13. August 2018

Verbandsliga Südbaden

NACHSPIEL: Beobachtungen beim ersten Heimspiel des SC Lahr im Internet und auf der Tribüne.

FUSSBALL Verbandsliga. Die Hitze der letzten Tage hat etwas nachgelassen. Es streicht ein leichter Wind durch das Sportgelände an der Dammenmühle. Dennoch haben sich die Zuschauer unter die Schatten spendende Tribüne verzogen. Gemeinsam machen sie echt was her. Ein paar mehr als 200 Menschen nutzten den Samstag Nachmittag, um sich einen Eindruck der stärksten Mannschaft des SC Lahr seit dessen Bestehen zu machen, so der Verein. Es ist kuschelig unter dem Tribünendach, in dessen Mitte die Wunderkamera hängt, die den Besuch in dem Sportareal auch überflüssig machen kann.

Vor dem Computer ist es ein intensives, dumpfes Grundrauschen, das die Bilder von gelben und blau gekleideten Sportlern begleitet. Pygmäen gleich bewegen sie sich, ruckelfrei. Im Vollbildmodus gibt es etwas mehr auf dem unnatürlich grünen Spielgrund zu erkennen. Scharfe Bilder sind aber etwas anderes.

Die relative Totale der Bildführung sorgt für Distanz zum Geschehen. Sie strengt an und hinterlässt Verwunderung, warum drei Schiedsrichter auf dem Feld sind in ihren orange-roten Shirts. Erst auf den zweiten Blick lösen sich die Farben klar auf. Erkennbar werden nun zwei Torhüter und ein Schiedsrichter. Aber bequem ist es, ohne Parkplatzsuche.

Zurück im Stadion ergibt sich ein anderes Bild. Live und nicht wie im Videostream um rund 30 Sekunden zeitversetzt. Das gemeinsame Erleben bringt einen Mehrwert. Beim 0:1 zum Beispiel. "Da hab ich grad nicht hingeschaut", holt sich ein Zuschauer das Wissen beim Nachbar ab. Was fehlt noch Zuhause? Die Bratwurst, ein Relikt deutscher Fußballstadien, deren Geruch den Besucher schon beim Eintritt begrüßt. Die Schwaden des Zigarettenrauchs, die immer wieder die Sitzreihen empor wabern. Es sind die Diskussionen über mehrere Sitzreihen hinweg, ob die politische Linie in Deutschland stimmt. "Ich glaub’s nicht!", unterbricht ein Ruf den Disput. Kollektive Entrüstung über einen Abseitstreffer; über einen Bock, den Max Burgert und Torwart Jonas Witt vor dem 1:2 ablieferten. "Das ist keine Champions-League", wirft jemand ein und versucht die Themen wieder auf das Geschehen auf dem Rasen zu konzentrieren. Szenenapplaus brandet auf. Schimpftiraden gegen den Schiedsrichter, als er einen Elfmeter Sekunden vor dem Schlusspfiff verweigert.

Auch am PC wird dies deutlich. Nur eines irritiert. Bevor das erste Bild aus dem Stadion sichtbar ist, machen die Profis 25 Sekunden lang für sich Werbung. Bundesliga Fußball zu sehen in prächtigen hochaufgelösten Bildern – genau zu selben Zeit, in der auch der SC Lahr sich um Fans bemüht. SC Vorsitzender Frank Müller erklärte einst: Außer 9,90 Euro im Monat koste das den Verein nichts. Hoffentlich behält er Recht.