Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
28. Juli 2012
Das Geld ist da, um Gäste zu locken
Alle 13 Gemeinden im Bereich des Naturgartens Kaiserstuhl haben ihre finanzielle Teilnahme an der neuen GmbH beschlossen.
BÖTZINGEN/EICHSTETTEN/GOTTENHEIM/MERDINGEN. Alle Gemeinden im Bereich des Plenum-Fördergebietes Kaiserstuhl-Tuniberg werden sich an der neuen Naturgarten Kaiserstuhl GmbH (NGK), die ab dem Jahr 2013 die Region Kaiserstuhl/Tuniberg überregional vermarkten soll, beteiligen. Dies beschlossen die Gemeinderäte jeweils mit großer Mehrheit.
Es gelte nun die Weichen für die Zukunft zu stellen, um den Naturgarten Kaiserstuhl in Zukunft fortzuführen, wenn das Plenum-Förderprogramm 2014 auslaufe, betonte Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber in der dortigen Ratssitzung. Zuvor hatte schon die Nachbargemeinde Merdingen die Beteiligung an der NGK beschlossen, in der auch der bisherige Verein Kaiserstuhl-Tuniberg-Tourismus (KTT) eingegliedert werden soll.Frank Simoneit von der Hamburger Fachhochschule Westküste erläuterte im Gottenheimer Rat, wie direkt anschließend im Bötzinger Gremium, das Konzept für die zum Jahresbeginn 2013 geplante, neue NGK, in der die überregionale Tourismusvermarktung gebündelt werden soll. Ausgestattet werden soll die Vermarktungsgesellschaft mit einem Etat von 450 000 Euro, den die Gemeinden nach einem Verteilerschlüssel jährlich aufbringen, der sich aus der Einwohnerzahl, den Gästebetten und den Gastronomieplätzen errechnet. Den Löwenanteil der Kosten tragen dabei die "vier Großen", also die Gemeinden, die jetzt schon nennenswerten Tourismus haben: Breisach, Vogtsburg, Ihringen und Endingen.
Werbung
Die Gemeinden werden in der neuen Naturgarten GmbH durch die Bürgermeister vertreten; der Finanzierungsschlüssel gilt bis 2016. Ändern sich diese Parameter, dann wird das Finanzierungskonzept ab dem Jahr 2017 geändert. Im Übrigen machte Simoneit auch klar, dass die "vier Großen" durch ihr eigenes Tourismus-Personal noch mehr Leistungen finanzierten, als ihre geplanten Beiträge für die Naturgarten GmbH ausweisen.
Wer die Region Kaiserstuhl/Tuniberg kenne, der habe ein ausgesprochen positives Bild von ihr, wie man es für wenige Gebiete in Deutschland antreffe, erklärte Simoneit. Im Gegensatz dazu steht aber ein anderer Befund: Die Region ist bundesweit noch viel zu wenig bekannt. Daran müsse man arbeiten, um Neukunden zu gewinnen. Simoneit sieht den ganzen süddeutschen Raum, dazu die Metropolen Hamburg und Berlin als Zielregion an, in denen es sich lohnen könne, die Werbetrommel für den Kaiserstuhl zu rühren. "Andere Regionen haben das Problem, dass sie Mängel in ihrem Angebot beseitigen müssen, das gibt es hier fast gar nicht" stellte Simoneit dem vorhandenen Angebot sehr gute Noten aus. Wer also hier als Gast herkomme, finde praktisch alles, was er braucht, und was er erwarte. Mit diesen Vorzügen müsse man werben.
Dazu aber müssen die Strukturen in der Vermarktung dringend verändert werden. Simoneit: "Die Region muss unters Volk gebracht werden. Das können Profis." Wenn die neue Naturgarten GmbH einen hauptamtlichen Geschäftsführer bekomme, so sei dessen Hauptjob das Außenmarketing. Für die Betreuung der Gäste vor Ort könne man weiter auf die vorhandenen lokalen Strukturen bauen, müsse diese aber zugleich besser vernetzen. Das bedeute auch, dass zum Beispiel bei Gästeanfragen wegen Übernachtungen an die Tourismusbüros der "vier Großen" das Angebot aller 13 Partnergemeinden berücksichtigt und vermittelt werde. Dass dies gelingt, soll auch durch geeignetes Controlling überprüft werden. Wenn also eine Gemeinde hinten runter falle, weil sie deutlich weniger Gäste abbekomme als ihrem Angebot und auch ihrem Finanzierungsanteil an der NKG entsprechen sollte, dann bekäme sie durch die Controlling-Zahlen belegbare Argumente in der Hand, hier eine Kursänderung zu verlangen.
In Merdingen hob Bürgermeister Eckart Escher bei der Vorstellung des Projektes die Zusammenführung von Kompetenzen und den Ausbau der Angebote hervor. Man müsse aber in Merdingen trotzdem noch selber aktiv bleiben. Zwar trete die Gemeinde finanziell in Vorlage, doch mit den starken Partnern könne dies ein Erfolg werden. Viele Gemeinderäte sahen dies genauso. Allein Steffen Baldinger (FBL), der einzig später auch dagegen stimmte, meinte, wegen der geringen Resonanz bei der Gastronomie und den Zimmervermietern solle die Gemeinde nicht mitmachen. Man zahle so nur deren Werbung. Reiner Hug (SPD) betonte hingegen den Imagegewinn auch für Merdingen, den eine gemeinsame Vermarktung der Region bringen könne. Dass einige, die es beträfe, noch aufwachten, hoffte auch Peter Baldinger (FBL). Oswald Prucker (SPD) betonte, die Region verkaufe sich bisher mit ihrem touristischen Klein-Klein deutlich unter Wert.
In Gottenheim, wo sich zwei Räte der Zustimmung enthielten, kam noch die Frage auf, warum der Tuniberg im Namen der NGK nicht auftauche. Frank Simoneit erläuterte, dass für die überregionale Vermarktung der Name Tuniberg zu unbekannt sei und ein eingängigerer Name daher zu bevorzugen sei.
Im Bötzinger Gemeinderat meinte Karlheinz Schönberger (CDU), es sei nicht Sache der Gemeinde, sondern der Wirtschaft, für touristische Werbung zu bezahlen. Ellen Brinkmann (SPD) hielt es für hinausgeschmissenes Geld, noch mehr bunte Werbeprospekte zu erzeugen, wie bisher schon mit Plenum. Bernd Belle (FWG) hingegen versprach sich von dem gemeinsamen touristischen Vermarkten mehr Nutzen für alle Beteiligte und damit auch für die Gemeinden: "Wenn wir da nicht mitmachen, verschenken wir mehr." Das sah auch Ulrich Barleon so. Er hielt es wie Simoneit für illusorisch, dass die Wein- und Gastrobranche aus eigenem Antrieb so einen Marketing-Verbund auf die Beine stelle. "Wenn einer dem anderen das mehr verkaufte Schorle nicht gönnt, dann geht das nie aus Eigeninitiative heraus", meinte der CDU-Fraktionssprecher. Bürgermeister Dieter Schneckenburger erinnerte daran, dass man ja auch jetzt schon als Gemeinde jährlich rund 10 000 Euro für Plenum, die bisherigen Naturgarten GmbH und KTT beisteuere. Bei vier Gegenstimmen sprach sich der Bötzinger Rat für die Beteiligung an der neuen NGK aus.
Als letzte Gemeinde fällte der Eichstetter Gemeinderat am Donnerstagabend den Entschluss zur Beteiligung, "und das, als krönender Abschluss, sogar einstimmig", wie sich Bürgermeister Michael Bruder freute. Da March statt der zunächst errechneten über 29 000 Euro nur 10 000 Euro beisteuern wird, wegen seiner Randlage, werden insgesamt pro Jahr nur knapp 431000 Euro zur Verfügung stehen. Aber das sei sicher genug, um "das Kind jetzt zum Laufen zu bringen", meinte Michael Bruder. Gemeinderat Albert Schmidt (FDP) hofft nunmehr, dass für den Naturgarten "auch ein guter Gärtner, sprich Geschäftsführer", von der Bürgermeisterriege gefunden werde.
Autor: Mario Schöneberg, Gustav Rinklin und Manfred Frietsch





