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11. Juli 2010 15:10 Uhr
Wetter
Das große Schwitzen geht weiter
Baden-Württemberg hat das vorerst hitzigste Wochenende des Jahres erlebt – so heiß wie am Samstag war es 2010 noch nie. Freibäder waren überfüllt, Eisdielen machten das Geschäft ihres Lebens. In Südbaden gab es allerdings auch heftige Unwetter.
Fast im ganzen Land stiegen die Thermometer am Wochenende über die 35-Grad-Marke. "Mit dem Erdbeereis komme ich kaum noch hinterher", sagte ein Eisdielen-Betreiber in Tübingen. Besonders heiß hat es die Menschen in der Rhein-Ebene getroffen: In Waghäusel-Kirrlachim Kreis Karlsruhe hat der Deutsche Wetterdienst am Samstag 37,6 Grad gemessen – so heiß war es in diesem Jahr noch nirgendwo in Baden-Württemberg.
Auch für Montag werden wieder Temperaturen nahe der 40-Grad-Marke erwartet. Nach einer Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bleibe es weiterhin drückend schwül. . Bei fast absoluter Windstille ist nach Angaben des DWD vorerst nicht einmal ein Hauch von Abkühlung spürbar.
Aussichten auf etwas niedrigere Temperaturen bestehen nach der DWD-Prognose am Montag am ehesten an den Küsten und im Nordwesten der Republik, wo Höchsttemperaturen zwischen 25 und 30 Grad erwartet werden. In den restlichen Teilen der Republik bleibt es glühend heiß bei Temperaturen bis zu 37 Grad.
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Fast überall muss mit kräftigen Gewittern gerechnet werden. "Wo es runterkommt, da kübelt es richtig", sagte Meteorologe Christoph Hartmann. Grund sei die Windstille. Sie verhindere, dass Gewitter weiterzögen. Der DWD warnte vor Starkregen, Sturmböen und Hagel. In der Nacht zum Dienstag soll es gewittrig bleiben.
Aber am Dienstag kommt endlich die ersehnte Abkühlung: Die "Kaltfront" des Mittelmeertiefs "Mae" lässt die Temperaturen abstürzen – auf immer noch sommerliche 25 Grad. Am Mittwoch ist die Zeit zum Durchatmen aber schon wieder vorbei: 35 Grad sind angesagt, nur an den Küsten bleibt es kühler.
Bei der Landesgartenschau müssen die Gießtrupps Sonderschichten einlegen, damit die Blumen nicht vertrocknen. "Tagsüber kommen wir mit dem Gießen nicht mehr nach", sagte Gartenschausprecher Dieter Frauenheim in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis). "Deshalb müssen wir Nachtschichten einlegen."
Solche Gießtrupps hätten die Bauern auch gern: Sie befürchten allmählich massive Einbußen bei der Ernte. "Warm ist gut für das Getreide, heiß dagegen schlecht", sagte der Geschäftsführer vom Kreisbauernverband Rhein-Neckar, Rolf Berger. Gerade um die Sommergerste sei es schlecht bestellt, berichtete der Bruchsaler Landwirt Helmut Jäger. Sie habe nur kleine Körner ausbilden können. Damit tauge die Ernte lediglich als Futtergerste.
Allerdings hat Baden-Württemberg schon ganz andere Hitze-Perioden durchgestanden. Im August 2003 wurden in Karlsruhe und Freiburg mehrmals 40,2 Grad erreicht. Jetzt kam Karlsruhe laut Deutschem Wetterdienst auf gerade mal 37,5 Grad, und Freiburg taucht in der Liste der heißtesten Orte nicht mal auf.
Den Notärzten und Polizisten treibt die Hitze gleich doppelt den Schweiß auf die Stirn: Sie haben in diesen Tagen richtig viel zu tun. In Schramberg (Kreis Rottweil) erlitt eine 78-jährige Autofahrerin durch die Hitze einen Schwächeanfall am Steuer. Ihr Wagen prallte gegen einen Baum, die Frau kam leicht verletzt ins Krankenhaus. Bei Burladingen (Zollernalbkreis) hatte ein Tierhalter seine Schafherde trotz der extremen Hitze völlig ohne Wasser auf der Weide stehen lassen. Als Spaziergänger die Polizei alarmierten, war eines der Schafe schon verdurstet.
In einem Badesee in Zaberfeld (Kreis Heilbronn) ist ein 21- Jähriger ertrunken. Ein Kollege hatte bemerkte, dass der junge Mann nicht mehr aus dem Wasser auftauchte. Die Rettungskräfte fanden den Mann in rund zwei Metern tiefe, alle Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos.
In Südbaden gab es am Samstagabend allerdings auch ein heftiges Unwetter. Vor allem zwischen Offenburg und Freiburg liefen Keller voll, mehrere Bäume wurden entwurzelt. Den südlichen Ortenaukreis, den Kreis Emmendingen sowie den Schwarzwald-Baar-Kreis hat es besonders heftig getroffen: Der Wetterdienst Meteomedia berichtete von extremem Starkregen mit Hagel und schweren Sturmböen. Einige Straßen mussten gesperrt werden, weil umgefallene Bäume, Äste oder Geröll den Weg versperrten. Menschen wurden bei dem Unwetter aber den Angaben zufolge nicht ernsthaft verletzt.
Temperaturrekorde erwartet der Deutsche Wetterdienst in den nächsten Tagen nun zwar nicht. Trotzdem wird es unangenehm: Von Südwesten her komme heiße und allmählich feuchtere Subtropikluft nach Baden-Württemberg, sagte eine Meteorologin. Das klingt nach noch mehr Schweiß. Die Eisverkäufer und Schwimmbäder wird es freuen.
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Autor: dpa


