Gedenken

Das Gurs-Schild soll zurück auf den Platz der Alten Synagoge - jedoch an einen anderen Ort

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Mo, 19. Februar 2018 um 14:13 Uhr

Freiburg

Das Schild, das an die Deportation der Freiburger Juden in das Lager Gurs erinnert, soll zurück auf den Platz der Alten Synagoge. Der Vorschlag der Stadtverwaltung stößt nicht überall auf Zustimmung.

Der Aufbau des Gurs-Wegweisers ist ein weiterer Schritt der noch nicht ganz vollendeten Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge. Am Dienstag, 19. Februar, entscheidet der Gemeinderat über den neuen Standort des Schildes, das an die Deportation der Freiburger Juden in das Lager Gurs in Südfrankreich im Jahr 1940 erinnern soll. Dass die Stadtverwaltung den Wegweiser direkt neben dem Synagogenbrunnen anbringen will, stößt nicht überall auf Zustimmung.


"Wir denken, das Schild gehört zum Brunnen. So entsteht auf dem Platz ein Gesamtkomplex des Gedenkens."Cornelia Haberlandt-Krüger, Gemeinde Gescher

Der geplante Ort sorgt teilweise für Unmut

"Ich bin erstaunt, unter welchen Gesichtspunkten das jetzt zustande kommt", sagt Atai Keller, stellvertretender Fraktionschef der Unabhängigen Listen im Gemeinderat und im November Teilnehmer der Sitzung der Kunstkommission zum Thema. Er hätte den im Jahr 2000 von Freiburger Bürgern installierten Wegweiser, der zuletzt eingelagert war, wie zunächst auch angedacht gerne wieder in der Nähe des alten Standorts an der Bertoldstraße gesehen. "Dort gehen mehr Leute vorbei und das Schild hätte als alleiniges Merkmal viel mehr Aufmerksamkeit", so Keller. Er findet es nicht so glücklich, das Gedenken an die Deportation und an die Reichspogromacht nahezu an einer Stelle zu vereinen.
Wortlaut der Infotafel

"Am 22. Oktober 1940 wurden innerhalb weniger Stunden 6504 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Baden und der Pfalz zu zentralen Sammellagern gebracht und in Transportzügen in das Lager Gurs in Südfrankreich deportiert. Der älteste der Deportierten war 97 Jahre alt. Unter Ihnen befanden sich auch etwa 300 jüdische Bürger aus Freiburg. Die im Lager Gurs Inhaftierten wurden ab August 1942, soweit sie noch nicht im Lager Gurs selbst an Hunger und Krankheit gestorben waren, in die Vernichtungslager im Osten, vor allem nach Auschwitz und Majdanek, deportiert. Über 5200 der nach Gurs Deportierten starben als Opfer der Gewalt. Zu viele haben damals geschwiegen, weggesehen, zuwenige haben Widerstand geleistet. Das darf und wird sich nicht wiederholen."

"In unmittelbarer Nähe zum Synagogenbrunnen finden wir das nicht optimal"Irina Katz, jüdische Einheitsgemeinde
Das sieht Irina Katz, Vorsitzende der jüdischen Einheitsgemeinde, ähnlich: "Wir haben dem Vorschlag der Stadt zwar zugestimmt, aber in unmittelbarer Nähe zum Synagogenbrunnen finden wir das nicht optimal", sagt sie. Sie sehe ein Risiko, dass der Gedenkort dadurch insgesamt weiter profaniert werde. Für den neuen Standort an der südwestlichen Ecke spricht sich Cornelia Haberlandt-Krüger von der liberalen, egalitären Gemeinde Gescher aus. "Wir denken, das Schild gehört zum Brunnen. So entsteht auf dem Platz ein Gesamtkomplex des Gedenkens." Auch dass die alte Erläuterungstafel direkt daneben in den Boden eingelassen wird, hält sie für richtig. Am laut Verwaltung künftig ergänzten "Ort des Erinnerns" will man laut Rathaussprecherin Martina Schickle zudem mit neuen Sitzbänken nachrüsten. Diese sollen dann die Pflanzenkübel ersetzen.